Schwaches Wachstum Rating-Agentur entzieht Niederlande die Bestnote

Neuer Rating-Ärger für die Euro-Zone: Nun haben auch die Niederlande ihre Bestnote verloren. Die Agentur Standard & Poor's senkte die Bewertung für die Kreditwürdigkeit von "AAA" auf "AA+". Damit bleiben in der Währungsunion nur noch drei Länder mit Top-Rating übrig.

Zentrale von Standard & Poor's in New York: Lob für Zypern und Spanien
REUTERS

Zentrale von Standard & Poor's in New York: Lob für Zypern und Spanien


London - Die Liste der Euro-Staaten mit makellosem Rating wird immer kürzer. Nachdem die Agentur Standard & Poor's (S&P) nun auch den Niederlanden die Bestnote entzogen hat, bleiben gerade mal noch drei Länder mit "AAA"-Bewertung übrig: Finnland, Luxemburg und Deutschland. Vor zwei Jahren waren es noch sechs Staaten.

S&P begründete die Herabstufung der Niederlande mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung. Die Note für die Bonität sei von "AAA" auf "AA+" gesenkt worden, teilte die Agentur am Freitag mit. Die Aussichten für die Konjunktur seien nicht mehr so gut wie zuletzt. Der Regierung werde es voraussichtlich schwerer fallen, ihre Haushaltsziele zu erreichen. Zudem hinke die Niederlande bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf vergleichbaren Nationen hinterher. Auch die beiden anderen großen Agenturen Moody's und Fitch haben den Niederlanden bereits mit einer Herabstufung gedroht.

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuletzt angekündigt, sein Land werde im kommenden Jahr trotz eines zusätzlichen Sparpakets von sechs Milliarden Euro die Defizitvorgaben der EU-Kommission nicht einhalten können.

Dijsselbloem fürchtet nach eigenen Angaben keine negativen Auswirkungen des Ratings am Kapitalmarkt. "Natürlich ist es die Herabstufung enttäuschend", heißt es in einer am Freitag in Den Haag veröffentlichten Erklärung des Ministers, der auch Vorsitzender der Euro-Gruppe ist. "Ich erwarte aber keine Auswirkungen auf die Zinsen." Der Markt habe diese Entwicklung bereits erwartet.

Damit sind die Niederlande das nächste Land der Euro-Zone, das um seinen Status als Musterschüler bangen muss. Frankreich hat diesen Status längst verloren. Bereits Anfang des Monats hatte S&P die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabgestuft. Ihre Bestnote hatte die Grande Nation bereits im vergangenen Jahr verloren.

Auch Deutschlands Bestnote ist bedroht

Mit der Herabstufung der Niederlande gibt es weltweit nur noch zehn Länder, die von allen drei großen Agenturen mit der Bestnote bewertet werden. Bei sieben von ihnen wird die Perspektive dieser Bewertung als "stabil" eingestuft, bei den drei übrigen, darunter Deutschland, warnen die Agenturen vor einem negativen Ausblick.

Die zehn letzten Staaten mit Top-Rating
Australien
Dänemark
Deutschland
Finnland
Kanada
Luxemburg
Norwegen
Schweden
Schweiz
Singapur

Anmerkung: Staaten, deren langfristige Kreditwürdigkeit von allen drei großen Rating-Agenturen mit Bestnote bewertet wird.
Einen Aufwärtstrend sieht S&P dagegen ausgerechnet bei den bisherigen Krisenstaaten der Euro-Zone. So hob die größte der drei mächtigen Agenturen am Freitag den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Spaniens von "negativ" auf "stabil" an. Die S&P-Analysten gehen also davon aus, dass die Bewertung "BBB-" beibehalten wird.

Die Agentur begründete ihre Entscheidung mit der allmählichen Erholung der spanischen Wirtschaft sowie den Spar- und Reformanstrengungen des Landes. Am Donnerstag war mitgeteilt worden, dass Spanien im dritten Quartal dieses Jahres die Rezession hinter sich gelassen hat, in die es vor zwei Jahren gerutscht war.

Selbst für Zypern haben die Analysten offenbar wieder Hoffnung. Sie hoben die Bonitätsnote für das Land von "CCC+" auf "B-" an. Die unmittelbaren Risiken, dass Zypern seine Schulden nicht zurückzahlen könne, seien zurückgegangen, hieß es zur Begründung. Zypern war im Frühjahr mit internationalen Hilfsgeldern in Höhe von zehn Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott bewahrt worden. Bedingung dafür war ein Umbau des überdimensionierten Bankensektors. Der IWF attestierte dem Land zuletzt Fortschritte bei den Reformen.

stk/Reuters/dpa-AFX/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wuhan-orthodox 29.11.2013
1. Andere Rating Agentur
Europa laesst sich die Finanzwelt wie immer von Angloamerikanern vordiktieren, in diesem Fall sogar von Agenturen die manipulieren fvr Profit unter der Hand. Ich kann nur sehr stark zu empfehlen mal ein bisschen das Meinungsfeld zu erweitern. http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_credit_rating#Dagong So sehr hier Chinahetze betrieben wird aber Dagong ist deutlich neutraler als die amerikanischen Rating Agencies.
docpanik 29.11.2013
2. Das ist ja wieder typisch
Eine Amerikanische Firma stuft ein europäisches Land herunter! Aber als die Amerikaner kurz vor dem Finanziellen GAU standen, gabe vielleicht mal einen Rüffel. Das ist Wirtschaftspatrionismus! Warum ist eigentlich nichts aus einem Europäischen Konkurenten geworden?
kaynchill 29.11.2013
3. totaler Quatsch
Während des Shutdowns in den USA haben sich die Rating-Agenturen darauf geeinigt zu warten bis der Kongress die Schuldengrenze erhöht. Das war der letzte Beweis dafür, dass amerikanische Rating-Agenturen auch nur amerikanische Wirtschaftsinteressen verfolgen. Wenn dann mal wieder ein EU-Staat abgewertet wird, kann das eigentlich nur heißen mit der EU gehts finanziell wieder aufwärts...
Memento74 29.11.2013
4. Gähn
Täusch ich mich, oder waren es nicht die Rating-Agenturen, die die Weltwirtschaftskrise durch krasse Fehleinschätzungen (d.h. Inkompetenz und/oder Korrup... ich meine natürlich nähe zu Banken usw.) mit angestossen haben? Und wir interessieren uns für deren "Expertenmeinung" weshalb?
Benjowi 29.11.2013
5. optional
Abgesehen von der politischen Fragwürdigkeit dieses Bewertungsgetues dieser Ratingagenturen insbesondere von Staaten ist das eher Wasser auf die Mühlen der europäischen-speziell der deutschen- Exportindustriie, die tendenziell so zu einer unterbewerteten Währung kommt......
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.