Standard & Poor's Rating-Agentur senkt Ausblick für Griechenland

Von Bonität kann man bei Griechenland kaum sprechen - jetzt aber hat die Rating-Agentur Standard & Poor's auch die Erwartung für das Krisenland weiter herabgestuft. Die US-Agentur senkte den Ausblick auf "negativ" und bestätigte die aktuelle Einstufung - kurz über dem Zahlungsausfall.

Roman Agora Portal in Athen: Ausblick "negativ"
dapd

Roman Agora Portal in Athen: Ausblick "negativ"


New York - Griechenland werde wohl weitere Finanzhilfen benötigen, teilte die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) am Dienstagabend mit - und senkte den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Griechenlands von "stabil" auf "negativ". Es sei wahrscheinlich, dass das finanziell angeschlagene Land im laufenden Haushalt eine Deckungslücke aufweisen werde, hieß es, Grund seien die sich verschlechternde Wirtschaftslage und Verzögerungen bei der Umsetzung von Reformen.

Griechenland werde voraussichtlich zusätzlich bis zu 7 Milliarden Euro von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) brauchen, erklärte S&P. Schon jetzt sieht die Agentur Investments in griechische Verbindlichkeiten als extrem spekulativ an und bewertet die Bonität des Landes mit "CCC/C". Eine Stufe darunter wird mit "D" ein Zahlungsausfall für sehr wahrscheinlich gehalten.

Prognose: Griechische Wirtschaft schrumpft um elf Prozent

Die Amerikaner betrachten die Perspektiven Griechenlands erheblich negativer als die Experten von Eurozone und Internationalem Währungsfonds (IWF). Während diese bis 2013 mit einem Schrumpfen der griechischen Wirtschaft um vier bis fünf Prozent rechnen, vermutet die Agentur ein Minus von zehn bis elf Prozent.

Kurz zuvor hatte die EU-Kommission die geltenden Schuldenziele für Griechenland bekräftigt. Im Gegenzug für internationale Hilfen hat sich das krisengeplagte Land verpflichtet, die Staatsverschuldung innerhalb der nächsten acht Jahre auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. "Das ist ein ehrgeiziges Ziel für Griechenland bis 2020 und wir halten an dieser Abmachung fest", sagte ein Sprecher am Dienstag in Brüssel. Einen Bericht des "Wall Street Journal", nach dem der IWF auf Änderungen der Bedingungen pocht, wollte der Sprecher nicht bestätigen.

Die Zeitung hatte unter Berufung auf nicht genannte Quellen im IWF berichtet, der Währungsfonds wolle die griechische Staatsverschuldung bis 2020 in der Nähe von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung sehen. Damit das gelingt, sollte dem Land ein weiterer Teil seiner Schulden erlassen werden. Experten weisen allerdings darauf hin, dass solche Zahlen angesichts der desolaten Wirtschaftslage in Griechenland ohnehin völlig willkürlich gewählt sind - die Entwicklung in den nächsten Jahren gilt als nicht vorhersehbar.

Die Staatsverschuldung Griechenlands beträgt nach Zahlen der EU-Kommission derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung, fast doppelt so viel wie in Deutschland. Die Länder mit der Euro-Währung haben eigentlich ein Schuldenziel von maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

nck/Reuters/dpa



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atzigen 08.08.2012
1. Realwirtschaft
Das Grichische grund und Kernproblem ist die offenbar innzwischen so gut wie total an die Wand gefahrene Realwirtschaft.Die von den Internationalen Institutionen geforderten Revorme, kombiniert mit Sparauflagen sind nur noch witzig.Griechenland kann Fatalerweise die Vorderungen und Auflagen gar nicht erfüllen.Dies ganz einfach mangels Realwirtschaftlicher Masse. Mit ein paar Landwirtschaftserzeugnissen und Biligturismuss können dies irren Verbindlichkeiten absolut unmöglich begliechen werden. Für den Aufbau einer entsprechend Wertschöpfenden Realwirtschaft fehlen ebenfalls jegliche Voraussetzungen.Verfügbares Investitionskapital sowie die die entsprechenden Absatzmärkte.Was da von EU ,Wärungsfond und IWF geboten wird ist schlicht und einfach nur noch eines absolut und total Innkompetens Ignorantentum und offensichtliche Ralitätsblindheit.Das Ideologiewahngebilde EU hat die Vöker und Menschen des Kontinentes in ein menschenverachtendes Irrenhaus geritten.
oliver71 08.08.2012
2. Die Wahrheit ist,
Griechenland kann und wird sich aus dieser Situation nicht befreien können bevor nicht die bestehenden „Machtstrukturen“ aufgebrochen und neu geordnet werden. Grundsätzlich steht Griechenland wirtschaftlich nicht viel besser da wie so manches dritte Weltland in Afrika oder Asien. Jedoch ist der Lebensstandart deutlich höher. Griechenland lebte schon auf Kosten anderer Staaten und seiner Gläubiger bevor vom Euro überhaupt geredet wurde. Jahrzehnte lange Korruption, Steuerhinterziehung, Lobbyismus und sonstige staatliche Misswirtschaft haben Griechenland schon mehrfach in den Staatsbankrot getrieben. Und immer wieder wurden durch Schuldenschnitte und Umverteilung Reformen für die Griechen unnötig. Also warum sollte man sich bemühen benötigte Zahlungsmittel selbst zu erwirtschaften, wenn man sie auch ohne Gegenleistung erhält. Und jetzt alles auf einmal? Wie soll Griechenland wieder auf die Beine kommen ohne Wirtschaftsleistung? Eine Exportwirtschaft ist quasi nicht existent. Der Binnenwirtschaft wird gerade der Gar ausgemacht. Funktionierende Ämter um Steuereinnahmen zu erzielen sind nicht vorhanden. Investitionen in Griechenland gehe gegen null im Gegenteil das Kapital hat sich schon fast vollständig aus Griechenland verabschiedet. Ich finde es reicht! Vielleicht können wir in anderen Ländern in der Welt wo es auch an Geld fehlt mehr erreichen! Vielleicht wird es uns dort mehr gedankt und bewirkt tatsächlich etwas! Meiner Ansicht nach haben es die Griechen nicht besser verdien als das man sie fallen lässt. Ja wir steht dann mit 350 Milliarden Euro in der Pflicht. Aber das stehen wir auch noch wenn wir weiterhin zusätzlich Geld nach Griechenland schicken…
Zaphod 08.08.2012
3. Selbesterfüllende Prophezeiungen
Wieder einmal hat eine Rating-Agentur zugeschlagen und weiteres Öl ins Feuer gegossen. Wann hören die Rating-Agenturen endlich mit ihren Orakel-Sprüchen auf, die auch noch von vielen Menschen geglaubt werden. Es ist an der Zeit, dass den Griechen Hoffnung und Zuversicht gegeben wird. Wir können nicht andauernd von den griechischen Menschen, die am Rande des Ruins leben, noch mehr Verzicht fordern, nur damit wir selbst auf nichts verzichten müssen. In Griechenland sehen wir, wie ein Land von der Finanzelite kaputt gemacht wird. Zunächst hilft die Finanzelite dem Land in den Euro, dann wird üppig abkassiert und am Ende wird die Insolvenzmasse verschleudert. Die griechischen Menschen können nur zusehen, wir ihr Land von außen zerstört wird. Dass in dieser Situation keine große Motivation besteht, etwas Neues zu beginnen, ist doch nur verständlich!
Blaufrosch 08.08.2012
4. Erst kaputt "sparen" und dann "Konjunkturprogramme" anleiern
Zitat von atzigenDas Grichische grund und Kernproblem ist die offenbar innzwischen so gut wie total an die Wand gefahrene Realwirtschaft.Die von den Internationalen Institutionen geforderten Revorme, kombiniert mit Sparauflagen sind nur noch witzig.Griechenland kann Fatalerweise die Vorderungen und Auflagen gar nicht erfüllen.Dies ganz einfach mangels Realwirtschaftlicher Masse. Mit ein paar Landwirtschaftserzeugnissen und Biligturismuss können dies irren Verbindlichkeiten absolut unmöglich begliechen werden. Für den Aufbau einer entsprechend Wertschöpfenden Realwirtschaft fehlen ebenfalls jegliche Voraussetzungen.Verfügbares Investitionskapital sowie die die entsprechenden Absatzmärkte.Was da von EU ,Wärungsfond und IWF geboten wird ist schlicht und einfach nur noch eines absolut und total Innkompetens Ignorantentum und offensichtliche Ralitätsblindheit.Das Ideologiewahngebilde EU hat die Vöker und Menschen des Kontinentes in ein menschenverachtendes Irrenhaus geritten.
Zustimmung! Nicht umsonst sind die HERREN der Troika (Damen sucht man wirklich vergebens...) nur noch in Wagenkolonnen mit einem Dutzend Leibwächtern in Athen unterwegs... ich würde mich an deren Stelle auch nicht mehr ohne Schutz nach Griechenland wagen. Die Menschen dort haben es satt von EU, EZB und Weltbank wie ein armseliger Bittsteller behandelt zu werden. Erst wenn die griechische Wirtschaft völlig kollabiert, kommt irgendein EU Heini mit einem Konjunkturprogramm anmarschiert... Aber scheinbar sind die Griechen in den Augen einiger noch nicht devot genug - zumindest den Bayern kann man es ja nie Recht machen.... und solange wird das Land weiter am Nasenring durch die Arena geführt.... Zurecht schließen sich Italien, Spanien und andere nun gegen Deutschland zusammen!
Worldwatch 08.08.2012
5. Rating-Agentur Standard & Poor's scheint ...
... mit ihrem "Ausblick" etwas klarer zu sehen. Mit nix kann ein Staat und dessen Staatsvolk eben keine wirtschaftliche Verbesserung erarbeiten und Schulden abarbeiten. Erschwerend kommt fuer die Hellenen hinzu, dass ihr "Staat" kaum als solcher genannt werden kann. Denn all das, was einen 'Staat' in den modernen Staatsrechts- wie Staatsorganisationsaufbau ausmacht, ist nicht oder nur rudimentaer vorhanden und wurde wie wird durch Kapitalflucht und Korruptionen nur noch verschlimmert. S.&P. sieht klarer als andere.
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