Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Standard & Poor's: Rating-Riese droht Deutschland mit Herabstufung

Beim Gipfel in Brüssel sollen politische Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden werden. Doch die verschärft sich immer schneller: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht nun Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit.

Skyline von Frankfurt am Main: Deutschland könnte die Bonitätsnote AAA verlieren Zur Großansicht
DPA

Skyline von Frankfurt am Main: Deutschland könnte die Bonitätsnote AAA verlieren

New York - "Wir müssen uns beeilen, wir haben nicht viel Zeit", hatte Nicolas Sarkozy am Montag nach dem Treffen mit Kanzlerin Merkel gesagt. Gerade hatten die beiden in Paris darüber beraten, wie die Euro-Krise eingedämmt werden soll. Doch nur wenige Stunden später der nächste Rückschlag, die Situation verschärfte sich erneut drastisch: Am Montagabend wurde bekannt, dass die US-Rating-Agentur Standard & Poor's jetzt auch Deutschland ins Visier nimmt.

S&P droht der Bundesrepublik mit dem Verlust der besten Bonitätsnote AAA. Auch 14 andere Euro-Länder sind betroffen, darunter Frankreich, Finnland, die Niederlande, Österreich und Luxemburg - die bislang mit dem höchsten Rating versehen sind, die Bestnote angesichts der sich weiter verschärfenden Euro-Schuldenkrise in den kommenden 90 Tagen aber verlieren könnten. Die Länder werden auf eine Liste mit negativem Ausblick für die Bewertung ihrer Staatsanleihen gesetzt (auf Englisch: "creditwatch negative").

S&P begründete den Schritt am späten Montagabend damit, dass die Probleme in der Euro-Zone in den vergangenen Wochen ein Maß erreicht hätten, das die Zone als Ganzes unter Druck setze. Die Rating-Agentur nannte auch das ihrer Meinung nach unkoordinierte und unentschlossene Handeln der Politiker als Grund für den Schritt.

Es gebe das Risiko, dass die Euro-Zone als Ganzes im kommenden Jahr in die Rezession rutsche, hieß es weiter. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 40 Prozent. Die einzigen Euro-Staaten, die am Montag nicht auf "Beobachtung" gesetzt wurden, sind Zypern und Griechenland - die Kreditwürdigkeit Zyperns wird bereits überprüft, und die Bonität Griechenlands ist aktuell die schlechteste aller Staaten der Welt.

Merkel und Sarkozy: S&P-Ausblick "zur Kenntnis genommen"

Die Reaktion in Deutschland und Frankreich auf die Androhung der Herabstufung fiel demonstrativ reserviert aus. Man nehme den negativen Ausblick von S&P zur Kenntnis, teilten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy am späten Montagabend in einer in Berlin verbreiteten gemeinsamen Erklärung mit.

"Deutschland und Frankreich bekräftigen ihre Überzeugung, dass die heute von beiden Regierungen gemeinsam gemachten Vorschläge die haushalts- und wirtschaftspolitische Koordinierung der Euro-Zone stärken und so Stabilität, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum fördern werden", hieß es.

Man sei solidarisch in der Entschlossenheit, gemeinsam mit den europäischen Partnern und Institutionen "alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Stabilität der Euro-Zone zu gewährleisten".

Merkel und Sarkozy hatten am Nachmittag in Paris eine rasche Verschärfung der Euro-Spielregeln vereinbart, um die Stabilität der Währung zu sichern. Beim EU-Gipfel Ende dieser Woche sollen nach ihrem Willen die Weichen für die nötige Änderung der EU-Verträge gestellt werden. Bis März 2012 sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein.

New Yorker Börsen in Gewinnzone

Der Euro fiel nach Berichten über die mögliche Herabstufung im späten Handel gegenüber dem Dollar auf 1,3382, nachdem er am Freitag noch bei 1,3406 gelegen hatte und am Montag zunächst gestiegen war.

Der US-Aktienmarkt konnte sich in der Gewinnzone halten. Eingangs hatten die New Yorker Börsen an die starke Vorwoche angeknüpft, reagierten dann jedoch negativ auf die Nachrichten zur Euro-Zone von S&P.

Die Rating-Agentur hatte erst in der vergangenen Woche 15 der weltweit größten Banken heruntergestuft - einige davon in Europa. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten zwar nicht dazu, doch der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus ist nun aber "negativ" und nicht mehr "stabil".

Die Rating-Agentur Moody's hatte bereits Ende November vor einer Ausweitung der Schuldenkrise gewarnt. "Die Krise kann eskalieren, so dass die Politik nicht mehr in der Lage sein wird, die Lage zu kontrollieren", hieß es damals es in einem Sonderkommentar der Agentur. Selbst die Länder mit der Spitzenbewertung AAA dürften nicht darauf bauen, ihr Rating beibehalten zu können.

bos/Reuters/dpa/dapd/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. unglaublich
glitscher 05.12.2011
Zitat von sysopBeim Gipfel in Brüssel sollen politische Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden werden. Doch die verschärft sich immer schneller: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht nun auch Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801913,00.html
sowas von offensichtlich das da was nicht mit rechten dingen zugeht...D soll abgestuft werden und die über beide ohren verschuldeten amis behalten ihre bestnote...diese agenturen sollten als erste wegsubventioniert werden---
2. Ende
Ron777 05.12.2011
Zitat von sysopBeim Gipfel in Brüssel sollen politische Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden werden. Doch die verschärft sich immer schneller: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht nun auch Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801913,00.html
Der negative Ausblick der Ratingagenturen ist absolut gerechtfertigt. Deutsche Politiker haben es geschafft, unser Land in kürzester Zeit durch Bürgschaften zu Gunsten von Pleitestaaten an den finanziellen Abgrund zu führen - die Agenturen reagieren folgerichtig und konsequent. Gerade in diesen Tagen wird in der EZB geplant, allen Euro-Banken unbegrenzt Kredit zu geben. Intern wird dann erwartet, dass die Institute Anleihen der stürzenden Südstaaten kaufen. Das ist die nächste versteckte (und eigentlich illegale) Staatsfinanzierung in Billionenumfang zu Lasten Deutschlands. Unser Geld wird ohne Bedingungen an z.B. griechische Krauterbanken verliehen, die damit in Anleihen spekulieren. 1/3 der Verluste trägt die Bundesbank und damit der deutsche Steuerzahler. Das kann kein gutes Ende nehmen und ist schlicht die Bankrotterklärung unserer Finanzpolitik. Was danach kommt - lasst es euch von den Großeltern erzählen.
3. ...
bleifuß 05.12.2011
Zitat von sysopBeim Gipfel in Brüssel sollen politische Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden werden. Doch die verschärft sich immer schneller: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht nun auch Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801913,00.html
Man könnte glatt meinen, die 3 Ratingagenturen aus den USA forcieren den Zusammenschluß der "noch" souveränen Staaten in der EU.
4. auch das
bikersplace 05.12.2011
wird die USA vor dem Zusammenbruch nicht retten.
5. Auf Horoskope umstellen
redwed11 05.12.2011
Zitat von sysopBeim Gipfel in Brüssel sollen politische Rezepte gegen die Euro-Krise gefunden werden. Doch die verschärft sich immer schneller: Die Rating-Agentur Standard & Poor's droht nun auch Deutschland und anderen EU-Staaten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801913,00.html
S&P ist doch die Trümmerbude die Frankreich ausversehen vor wenigen Wochen herabgestuft hat. S&P ist doch auch die Trümmerbude, die weder die amerikanischen Schrottpapiere noch die Lehmann Bank richtig eingestuft hat. Solchen Unternehmen, die ihre Weisheiten aus dem Kaffeesatz oder aus der Glaskugel beziehen, sollte man endlich die Bedeutung zukommen lassen, die diesen Unternehmen zustehen. Sie sollten Ihre Wahrsagereien einstellen oder wie andere Wahrsager, sich auf Horoskope umstellen. Die stimmen auch nie.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Schuldenkrise

Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: