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Starker Arbeitsmarkt: Ökonomen enträtseln deutsches Jobwunder

Der deutsche Arbeitsmarkt steht nach der Krise glänzend da. Aber was sind die wahren Gründe für das Jobwunder? Für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ist klar: Unternehmen und Mitarbeiter haben vorbildlich zusammengehalten - die Politik spielt kaum eine Rolle.

Europäischer Arbeitsmarkt: Spanien und Frankreich hinten Fotos
ddp

Hamburg - Gerhard Schröder hat sich vor einigen Tagen zurückgemeldet. Der Altkanzler wollte es sich nicht nehmen lassen, seine Arbeitsmarktreformen vom Anfang des Jahrzehnts kräftig zu feiern. Der Anlass: Die Zahl der Erwerbslosen war im Oktober unter die Drei-Millionen-Grenze gesunken. Für Schröder ist völlig klar: Nur die Agenda 2010 hat das möglich gemacht - und das ausgerechnet im Jahr 2010.

So viel Symbolik - das kann doch kein Zufall sein? "Doch", sagen Wissenschaftler der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die in einer aktuellen Studie zum deutschen Arbeitsmarkt mit dem Mythos der Wunderwaffe Agenda 2010 aufräumen wollen: Die Lockerung des Kündigungsschutzes, die Ausweitung der Leiharbeit und die anderen Hartz-Reformen hätten allenfalls einen geringen Beitrag zum Beschäftigungswunder geleistet. Auch die Zurückhaltung der Beschäftigten bei den Löhnen seit der Jahrtausendwende habe Wirtschaftswachstum und Jobentwicklung in Deutschland eher geschwächt als gestärkt.

Die wahre Ursache für das "German miracle", das "deutsche Wunder", sehen die Experten woanders: bei den Unternehmen und ihren Mitarbeitern. Die nämlich haben in der Krise flexible Arbeitszeiten, den Abbau von Stundenkonten und die Kurzarbeit so stark genutzt wie noch nie. So gingen die gearbeiteten Stunden pro Arbeitnehmer bis zum Höhepunkt der Krise um 3,4 Prozent zurück - ohne dass es im großen Stil zu Entlassungen gekommen wäre. "3,1 Millionen Arbeitsplätze sind in Deutschland über die Finanz- und Wirtschaftskrise gerettet worden, weil die Arbeitszeiten reduziert wurden und Unternehmen Beschäftigte gehalten haben", schreiben die Forscher. Das seien 7,7 Prozent aller Jobs gewesen.

Kein Wunder, aber ein Erfolg

Tatsächlich ist die Beschäftigung in den Jahren 2008 und 2009 trotz der verheerendsten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gefallen. Im Gegenteil: Während in vielen anderen Ländern der Welt die Zahl der Beschäftigten massiv zurückging, ist sie in Deutschland leicht gestiegen: in der gesamten Periode um 0,4 Prozent.

"Das ist eine Sensation", sagen die Forscher. Aber auch kein wirkliches Wunder. Denn angesichts der in der Studie aufgelisteten Gründe lässt sich das Phänomen leicht erklären. Hätten dagegen die Arbeitsmarkt-Deregulierungen wie die Leiharbeit und der gelockerte Kündigungsschutz eine stärkere Rolle in der Krise gespielt, wäre die Zahl der Jobs stark gefallen und die Arbeitslosigkeit gestiegen.

Was die Studie allerdings verschweigt: Der Aufbau von Beschäftigung vor und nach der Krise geht unbestritten auch auf die Schröder-Reformen zurück, und damit eben auch auf die Lockerung der Leiharbeit. Denn allein in dieser Branche sind derzeit nahezu 900.000 Personen beschäftigt - ein Rekord. Ob es sich um einen qualitativ hochwertigen Aufbau von Jobs handelt, ist dabei eine andere Frage.

Mageres Abschneiden für Frankreich und Spanien

Wie sensationell sich der deutsche Jobmarkt im Abschwung entwickelte, zeigt auch ein europäischer Vergleich. Die Forscher ziehen dafür die Beschäftigungsentwicklung in Frankreich, Spanien, Österreich und im Durchschnitt des Euro-Raums während der Krise als Beispiele heran. So ging die Beschäftigung in Spanien im Zeitraum 2008/2009 um fast zehn Prozent, in Frankreich um knapp zwei Prozent und im Euro-Raum um gut zwei Prozent zurück. Lediglich in Österreich zeigte sich der Arbeitsmarkt ähnlich robust wie in Deutschland. Denn anders als in Deutschland konnten die Betriebe in Frankreich und Spanien nicht auf flexible Arbeitszeitmodelle zurückgreifen - oder sie wurden nicht genutzt. In Österreich wurde dagegen - wie in Deutschland - die Arbeitszeit während der Krise deutlich reduziert.

Um den deutschen Arbeitsmarkt auch künftig in Schwung zu halten, raten die Forscher zu mehreren Maßnahmen: Neben der Beibehaltung der flexiblen Instrumente und höheren staatlichen Investitionen halten sie eine stärkere Lohnentwicklung für sinnvoll - zur Stärkung der Binnenwirtschaft. Die Gehälter sollten sich künftig wieder an der mittelfristigen Produktivitätsentwicklung orientieren.

Unterstützung bekommen die gewerkschaftsnahen Wissenschaftler ausgerechnet von der FDP. So hatte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zuletzt ebenfalls für kräftige Lohnerhöhungen ausgesprochen. Einen Mindestlohn - wie er auch in der Studie gefordert wird - lehnt Brüderle jedoch ab.

yes

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insgesamt 75 Beiträge
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1. Soso
Frank Wagner, 02.11.2010
"Nach der Krise"...aha. Kurze Frage an den Autor, lesen Sie eigentlich ihre eigene (Online)Zeitschrift ? Dann sollte doch klar sein, das DIE Krise noch keineswegs vorbei ist.
2. lol
Hipster 02.11.2010
Zitat von sysopDer deutsche Arbeitsmarkt steht nach der Krise glänzend da. Aber was sind die wahren Gründe für das Jobwunder? Für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ist klar: Unternehmen und Mitarbeiter haben vorbildlich zusammengehalten - die Politik spielt kaum eine Rolle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726671,00.html
Huch, Krise?? Habe ich da was verpasst??
3. Ohne Politik ging´s ja nun auch nicht
Kontrastprogramm 02.11.2010
Zitat von sysopDer deutsche Arbeitsmarkt steht nach der Krise glänzend da. Aber was sind die wahren Gründe für das Jobwunder? Für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung ist klar: Unternehmen und Mitarbeiter haben vorbildlich zusammengehalten - die Politik spielt kaum eine Rolle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726671,00.html
Nun ja, Kurzarbeit hat die Politik erst möglich gemacht. Dann hat sich die Politik auch nicht durch das hysterische Fordern eines allegemeinen gesetzlichen Mindestlohnes beeinflussen lassen. Die Konjunkturpakete und Rettungsschirme zu vergessen, wäre jetzt auch zu einfach.
4. von wegen
vHayekFan 02.11.2010
---Zitat--- Was die Studie allerdings verschweigt: Der Aufbau von Beschäftigung vor und nach der Krise geht unbestritten auch auf die Schröder-Reformen zurück, und damit eben auch auf die Lockerung der Leiharbeit. ---Zitatende--- Das ist natürlich keineswegs "unbestritten". Im Gegenteil. Wäre auch ziemlich dummdreist, zum Beispiel am weltweiten Aufschwung vor der Krise 2007, an dem Deutschland eher unterdurchschnittlich teil hatte, ausgerechnet den Hartz-"Reformen" hier einen nennenswerten Anteil zuzumessen. Folgerichtig konstatieren verschiedene Studien für die Zeit vor der Krise entweder einen sehr geringen Anteil der Hartz-Reformen am BIP-Anstieg (arbeitgeberfreundliche Institute) oder (ganz kühne arbeitnehmernahe) sogar eine Aufschwunsgbremswirkung - angesichts der Tatsache, dass das BIP-Wachstum Deutschland vor der Krise viel geringer war als in vielen anderen Staaten, nicht ganz abwegig. ---Zitat--- Denn allein in dieser Branche sind derzeit nahezu 900.000 Personen beschäftigt - ein Rekord... http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,726671,00.html ---Zitatende--- Die Anzahl von Personen, die nachdem viele Jobs in Zeitarbeit ausgelagert wurden, dort beschäftigt sind, als Erfolg zu preisen, ohne die dafür abgebauten Jobs in den Betrieben, die auf Zeitarbeit umgestellt haben, zu erwähnen, ist einfach nur plumpe Demagogie.
5. ..... :dis is not ä teitl, ivn if it lux sou
hr_schmeiss 02.11.2010
Zitat von Frank Wagner"Nach der Krise"...aha. Kurze Frage an den Autor, lesen Sie eigentlich ihre eigene (Online)Zeitschrift ? Dann sollte doch klar sein, das DIE Krise noch keineswegs vorbei ist.
Aber klar liest er dieses Hurra-Blättchen. Drum ist die Krise ja vorbei!
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