Starker Schweizer Franken
Diplomaten streiken wegen Lohneinbußen
Der Höhenflug des Franken kostet sie bares Geld: Weil ihr Gehalt um ein Drittel eingebrochen ist, haben portugiesische Diplomaten in der Schweiz die Arbeit niedergelegt. Die Beamten bitten nun die Außenministerin der Alpenrepublik um Hilfe.
DPA
Schweizer Franken, Euro-Banknoten: Kurs hat sich leicht erholt
Dienstag, 30.08.2011
14:32 Uhr
Genf - Protest gegen eine indirekte Lohnkürzung: Portugals Diplomaten in der Schweiz streiken derzeit, um dagegen zu protestieren, dass ihnen wegen des starken Franken weniger vom Gehalt bleibt. Das monatliche Einkommen der 56 Mitarbeiter in der Schweiz sei innerhalb weniger Monate umgerechnet von 4500 auf 3000 Franken (2540 Euro) gesunken, berichtet die Schweizer Zeitung "La Tribune de Genève".
Grund sei zum einen der starke Schweizer Franken, zum anderen eine Lohnkürzung um zehn Prozent. In der portugiesischen Botschaft in Bern schaltete sich bei Anrufen nur der automatische Anrufbeantworter ein.
Währungskrise: Wer unter dem starken Franken besonders leidet
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Vierwaldstätter See in Luzern: Die Preise sind oft doppelt so hoch wie in Deutschland. Das führt dazu, dass Gäste aus der Bundesrepublik, aus Italien und Großbritannien seltener kommen.
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Deutsche Touristinnen Simone Petzke, Elisabeth Vackiner und Sarah Ramesch: "Bei den Preisen haben wir echt einen Schock bekommen."
Fassadenmalerei in Luzern: Noch kann die Stadt die Verluste kompensieren - dank der wachsenden Beliebtheit bei asiatischen Gästen.
Stadtführerin Heidi Vogt: Sie arbeitet seit 1986 in Luzern. Der Job sei anspruchsvoller geworden, sagt sie. Die Stadt lebt vom Tourismus, im Jahr kommen fünf Millionen Tagesgäste, die Hotels verzeichnen eine Million Übernachtungen.
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Chateau Gutsch: Ein Konsortium des russischen Milliardärs Alexander Lebedew hat das Hotel gekauft, die Umbauarbeiten ziehen sich aber seit Jahren hin. Ein Datum für die Eröffnung gibt es bislang nicht.
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Kapellbrücke in Luzern: Die älteste gedeckte Holzbrücke der Welt brannte 1993 großteils ab. Sie wurde originalgetreu wieder aufgebaut, die mittelalterlichen Ölgemälde, die auf den Giebeln der Brücke prangten, wurden jedoch unrettbar zerstört.
Hans Stadelmann: Der Käser aus Nesslau im Kanton St. Gallen fürchtet die Folgen der Franken-Stärke. Er übernahm den Betrieb vor zwölf Jahren von seinem Vater und stellt den bei Deutschen besonders beliebten Appenzeller Käse her.
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Stadelmann und sein Stellvertreter Marc Baumgartner: "Die Verkäufe nehmen ab und ich habe Angst, dass es noch viel schlimmer wird."
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Käser Stadelmann vor seinem Dorfladen: "Wenn ich dicht machen muss, zerstöre ich die Existenzgrundlage von 50 Bauernfamilien."
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Käserei in Nesslau: 40 Prozent des Schweizer Käse gehen ins Ausland. Um die Erträge in Franken konstant zu halten, müssen die Preise in Euro steigen.
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Käsehändler Josef Hardegger: Er exportiert im Jahr 8000 Tonnen Schweizer Käse und beschäftigt knapp 100 Mitarbeiter. "Seit anderthalb Jahren kann ich mit unseren Geschäftspartnern nur noch über Preise sprechen", sagt er. "Der steigende Franken-Kurs beschäftigt mich von früh bis spät."
Rivella
Schweizer Nationalgetränk Rivella: Schritt für Schritt will der Brausehersteller sein Geschäft auf ganz Deutschland ausdehnen.
Dabei soll der deutsche Kabarettist Michael Mittermeier helfen, das Unternehmen hat eine große Werbekampagne gestartet.
Rivella / Photopress
Doch die Unsicherheit über den Franken-Kurs macht auch Rivella zu schaffen. Wenn die Währung so stark bleibe, "müssen wir die Preise erhöhen", sagt Axel Kuhn, der bei Rivella für das internationale Geschäft zuständig ist.
Der Franken hat wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone kräftig an Wert gewonnen - Mitte August erreichte er sogar fast eine Parität zum Euro
, das heißt ein Euro war nur noch einen Franken wert. Da dies auch
für die Schweizer Exportwirtschaft ein großes Problem ist, hat die Nationalbank des Landes interveniert und
massiv frisches Geld in den Markt gepumpt. Dies zeigt erste Wirkung, der Franken verbilligte sich in den vergangenen Tagen deutlich, der Euro-Kurs lag am Dienstag zeitweise bei 1,18 Franken.
Doch ob diese Entwicklung anhand der Probleme der Euro-Sorgenkinder Griechenland, Portugal und Italien anhält, ist ungewiss. Die portugiesischen Diplomaten wollen ihre Lage jedenfalls nicht mehr hinnehmen, die schleichende Entwertung ihres Lohns nannte der Vizechef der Gewerkschaft, Alexandre Vieira, "nicht annehmbar". Die Diplomaten wandten sich laut der Zeitung mit ihrem Problem bereits an die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey und baten diese um Hilfe.
cte/AFP