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Statt der Rente mit 67: DGB-Boss Sommer plädiert für höhere Beiträge

Im Kampf gegen die Rente mit 67 ist dem Deutschen Gewerkschaftsbund jedes Mittel recht: DGB-Boss Michael Sommer spricht sich nun für höhere Sozialversicherungsbeiträge aus - um die längere Arbeitszeit zu verhindern. Das koste alle Beteiligten schließlich nur 0,6 Prozentpunkte mehr.

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REUTERS

DGB-Chef Sommer: "Das wäre keine Zumutung"

Berlin - Ob diese Rechnung aufgeht? Michael Sommer hat vorgerechnet, wie die alte Rente mit 65 finanzierbar bleibt: Arbeitnehmer und ihre Chefs müssten jeden Monat 0,6 Prozentpunkte mehr in die Rentenkasse einzahlen, sagte der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds der "Passauer Neuen Presse". "Das wäre keine Zumutung."

Sommer hat es sich zum Ziel gesetzt, die Rente mit 67 mit allen Mitteln zu verhindern. Die wird in diesen Tagen nochmals Thema in der Bundespolitik sein - da lässt sich ja vielleicht noch etwas bewegen, ist Sommers Kalkül.

Die Regierung hält es für zwingend, dass sich die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer sichtbar verbessert haben, bevor die Rente mit 67 schrittweise von 2012 bis zum Jahr 2029 eingeführt werden soll. Das Kabinett wird daher an diesem Mittwoch über einen Prüfbericht von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zur Beschäftigungsquote älterer Menschen beraten. Die bisher bekanntgewordenen Ergebnisse fallen jedoch ganz im Sinne der Ministerin aus.

Der DGB wirft von der Leyen Statistikfälschung vor

Dass sich die Beschäftigungssituation Älterer verbessert habe, zieht Sommer jedoch in Zweifel. "Hier macht die Bundesregierung Politik nach dem Motto: Glaube keiner Statistik - es sei denn, Du hast sie selbst gefälscht", sagte er. Sommer kritisierte weiter: "Wenn sich die Zahl der älteren Arbeitslosen vervierfacht, darf man das nicht wie Frau von der Leyen als statistischen Effekt verharmlosen."

Der Gewerkschaftsboss bezog sich auf am Wochenende bekanntgewordene Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sind immer mehr Menschen zwischen 60 und 64 Jahren arbeitslos.

Der DGB-Chef kündigte weiteren Widerstand der Gewerkschaften an. An die Adresse der Bundesregierung warnte er: "Die Franzosen werden Staatspräsident Nicolas Sarkozy bei der nächsten Wahl für seine Rentenreform abstrafen. So wird es auch in Deutschland laufen. Union und FDP werden von den Wählerinnen und Wählern die Quittung für ihre verfehlte Rentenpolitik erhalten."

yes/Reuters

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Na dann ....
MaXimumOwn 15.11.2010
Wie schön, nur 0,6% weniger, plus die Erhöhung der Krankenkassenbeiträgen, plus Zusatzbeiträge, plus eine Erhöhung der Pflegeversicherung, plus höhere Gebühren .... plus plus plus ... wie schön das die Gewerkschaft solch schlaue Vorschläge hat.
2. HERR Dr. Sommer:
AndyDaWiz 15.11.2010
Alter Mann, fuer Sie muss es noch reichen, stimmts ? Hier zeigt sich wieder ein Mangel der Demokratie: Die Mehrheit kann (erfolgreich) verlangen, dass die Minderheit sie ernaehrt. Bis die Minderheit flieht, aus der eigenen Heimat.
3. ...das gute Beispiel
pragmatismus 15.11.2010
Ja, ja der DGB-Vorsitzende Sommer. Will die Rente mit 67 verhindern und höhere Beiträge sollen es richten. Bevor jetzt das Thema vor dem Hintergrund der Überalterung der Gesellschaft, Auswirkungen von höheren Arbeitskosten auf die Wirtschaft vs. der körperlichen Belastungsfähigkeit von Dachdeckern geführt wird hier eine kleine Anmerkung dazu, wie es der DGB so mit der Altersgrenze hält. Vorsitzender zu sein ist ja bestimmt auch ein anstrengender Job. Frau Engelen-Kefer kandidierte 2006 noch mit 63 Jahren für den Vorsitz des DGB, bei Ablauf der Amtsperiode wäre die gute Frau deutlich über 67 gewesen. Aber das war ja was ganz anderes und Herr Sommer ist ja noch verhältnismäßig jung mit seinen 58 Jahren. Da die Gewerkschaft mit gutem Beispiel voran geht und sich vom älteren Personal nicht trennt, bin ich mal gespannt, wie lange Herr Sommer Vorsitzende des DGB bleibt.
4. .....
toledo, 15.11.2010
Immer wieder erstaunlich, was andere für mich für 'zumutbar' halten! Das nun die Gewerkschaften höhere Beiträge fordern, hat natürlich eine eigene Qualität. Spätestens jetzt wäre auch ich aus der Gewerkschaft ausgestiegen, die ganz offenbar den Kontakt zur Basis verloren hat.
5. Liebes SPD-Mitglied Sommer
fast_weise 15.11.2010
So wird es auch in Deutschland laufen. Union und FDP werden von den Wählerinnen und Wählern die Quittung für ihre verfehlte Rentenpolitik erhalten." die Beteiligung der Sozialdemokraten an der Rente mit 67 ist wohl schon wieder ein Relikt der bösen eigenen "Regierungszeit". Beitragserhöhung, jawoll, Haptsache Politik nach Momentaufnahme, ich bin 34 und mache mir keine Illusionen, dass 67 als Renteneintritt schön wäre, aber wohl wenig realistisch. Aber für die mutwillige wirklichkeitsfremde Verschärfung des Problems werde ich wohl die modernden Knochen Herrn Sommers kaum abstrafen können. Er und seine Mitstreiter sind Schmarotzer der Gnade der frühen Geburt !!
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Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.


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