Steigende Konsumlust Einzelhandel bejubelt Umsatz-Boom

Das Geschäft läuft gut: Der deutsche Einzelhandel hat im Oktober das größte Umsatzplus des Jahres verbucht. Im Vergleich zum Vormonat sind die Erlöse um mehr als zwei Prozent gestiegen. Volkswirten zufolge wird der Konsum immer stärker zur Triebfeder des deutschen Wirtschaftswachstums.

Geschäft in Berlin: Umsätze im Einzelhandel gestiegen
ddp

Geschäft in Berlin: Umsätze im Einzelhandel gestiegen


Wiesbaden - Mit einem guten Ergebnis hatte der Einzelhandel ohnehin gerechnet - dennoch toppte die Konsumlust der Deutschen im Oktober alle Prognosen: Im Monatsvergleich sind die Umsätze saison- und kalenderbereinigt um 2,3 Prozent geklettert, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mit. Die Ergebnisse basieren auf Daten aus sieben Bundesländern, in denen gut drei Viertel des Gesamtumsatzes im deutschen Einzelhandel getätigt werden.

Das Konsumklima hellt sich damit deutlich auf. Im Vormonat waren die Einzelhandelsumsätze noch um 1,8 Prozent gefallen. Allerdings: Im Jahresvergleich sieht die Zahl etwas weniger toll aus. Demnach gingen die Einzelhandelsumsätze real um 0,7 Prozent zurück.

Volkswirte bewerteten die neuen Daten äußerst positiv. Sie lieferten "einen deutlichen Beweis dafür, dass die Erholung auf einem festeren Fundament steht", sagte Carsten Brzeski von der ING-Bank. "Das dürfte das Vorspiel für ein tolles Weihnachtsgeschäft sein."

"Das Konsumentenvertrauen hat deutlich zugelegt, unterstützt durch die sehr solide Arbeitsmarktentwicklung", sagte Alexander Koch von Unicredit. "Bei den Einzelhändlern ist das Geschäftsklima so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht. Die Bedingungen für einen anhaltenden Aufschwung in der deutschen Binnenwirtschaft sind so gut wie lange nicht."

Jürgen Michels von der Citigroup sprach von einem guten Ergebnis. "Allerdings hatten die beiden Vormonate auch enttäuscht. Deshalb ist das eine Korrektur der schwachen Vormonate." Für Deutschland sei die Entwicklung beruhigend. Aufschwung sei nicht länger nur rein exportgetrieben, sondern stütze sich immer stärker auch auf eine deutliche Erholung der Inlandsnachfrage.

Deutsche Maschinen finden reißenden Absatz

Der globale Wirtschaftsaufschwung beschert auch den deutschen Maschinenbauern volle Auftragsbücher. Binnen Jahresfrist legten die Bestellungen im Oktober um 32 Prozent zu, wie der Branchenverband VDMA am Mittwoch mitteilte. Dabei übertraf die Auslandsnachfrage mit einem Plus von 35 Prozent das Inlandsgeschäft, das um 25 Prozent wuchs.

"Der Auftragseingang im Oktober macht abermals deutlich, dass das stürmische Wachstum des ersten Halbjahrs inzwischen einer ruhigeren Gangart gewichen ist", erklärte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Im Mai und Juni lag das Plus noch bei über 60 Prozent.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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Forum - Sparen oder konsumieren?
insgesamt 1296 Beiträge
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Seite 1
merapi22 12.07.2010
1.
Zitat von sysopDie konjunkturelle Lage ist nach wie vor unsicher. Müssen die Deutschen mehr konsumieren, um die Wirtschaft anzukurbeln? Oder ist die hohe Sparquote vernünftig - weil sich die Bürger auf weitere Krisen einstellen?
Sparen ist vernuenftiger, wenn die gegenwaertige Wirtschaftskrise vorbei ist, kann man sich immer noch die aufgeschobene Fernreise, oder die Neuanschaffung leisten. Wenn die Regierung wirklich die Binnennachfrage ankurbel will, muesste man den Niedriglohnsektor zurueckfuehren, also Zeitarbeit/Praktikantenmissbrauch durch Gegen*steuern* beenden!
Transmitter, 12.07.2010
2. Unterschiedliche Ansätze
Zitat von sysopDie konjunkturelle Lage ist nach wie vor unsicher. Müssen die Deutschen mehr konsumieren, um die Wirtschaft anzukurbeln? Oder ist die hohe Sparquote vernünftig - weil sich die Bürger auf weitere Krisen einstellen?
Obama pumpt noch mehr Schulden-Dollars in die Wirtschaft um die Amis dazu zu bringen, mehr zu komsumieren. Konsumptiv investiertes Mehrgeld soll dort die Konjunktur ankurbeln. Ein Rezept von Ex-Fed-Chef Paul Volckerts, der schon Reagan, Bush I, Clinton und Bush II entsprechend beraten hat und jetzt eben Obama seine Rezepte unterjubelt. Nun, die Amis können so eine Strategie auch fahren. Ihr Sozialbudget am Haushalt liegt bei rund 32 Prozent. Da ist noch Raum für Geldgeschenke an die Ärmeren. Der deutsche Anteil für Soziales im Bundeshaushalt liegt aber leider bereits bei rund 53 Prozent. Da ist nicht mehr viel Raum für weitergehende Geldgeschenke an das Prekariat. Deshalb werden die Deutschen wohl sparen müssen, um nachhaltige wirtschaftliche Stabilität beweisen zu können. Tun sie das nicht, verlieren sie schnell ihre bisher gute Bonität an den Finanzmärkten. Und wenn erst die Zinsforderungen für deutsche Staatsanleihen steigen, ist eine Todesspirale in Gang gesetzt. Verliert Deutschland gar sein Tripple A (wie Spanien beispielsweise), dürfte angesichts der aktuellen Haushaltslage der Staatsbankrott eintreten. Ich meine, der tritt sowieso ein. Aber mit weniger sparen und mittels noch höherer Schulden mehr konsumieren halt viel früher als notwendig. Ich zahle die deutschen Staatschulden jedenfalls garantiert nicht zurück. Und meine Kinder auch nicht!
iorso 12.07.2010
3. falsche Fragestellung
Zitat von sysopDie konjunkturelle Lage ist nach wie vor unsicher. Müssen die Deutschen mehr konsumieren, um die Wirtschaft anzukurbeln? Oder ist die hohe Sparquote vernünftig - weil sich die Bürger auf weitere Krisen einstellen?
Sparen kann nur, wer Geld übrig hat -- ebenso Geld ausgeben. Da aber das Vermögen in D in nur wenigen Händen liegt, ist die Konsumbremse vorprogramiert, selbst wenn ein Großteil der Bevölkerung Konsumwillig ist. Wenn Deutschland sich zu sehr auf den Export verlässt, wie zur Zeit, wird die Abhängigkeit gegenüber anderen Wirtschaftsräumen immer größer. Dies kann bis zum Aufkauf ganzer Industriezweige gehen. Nur eine gesunde Binnennachfrage hält die Arbeitsplätze auf Dauer im Land. Und da läuft in D durch die Niedriglöhne vieles falsch.
sozialer Bürger 12.07.2010
4.
Zitat von merapi22Sparen ist vernuenftiger, wenn die gegenwaertige Wirtschaftskrise vorbei ist, kann man sich immer noch die aufgeschobene Fernreise, oder die Neuanschaffung leisten. Wenn die Regierung wirklich die Binnennachfrage ankurbel will, muesste man den Niedriglohnsektor zurueckfuehren, also Zeitarbeit/Praktikantenmissbrauch durch Gegen*steuern* beenden!
Die Regierung hat gar kein Interesse den Binnenmarkt aunzukurbeln. Das Hauptaugenmerk liegt ausschliesslich beim Export. Denn bei eine Erhöhung der Binnennachfrage müsste diese Regierung ihre Politik für die Mövenpigs einstellen.
Armenspeisung 12.07.2010
5.
Zitat von sozialer BürgerDie Regierung hat gar kein Interesse den Binnenmarkt aunzukurbeln. Das Hauptaugenmerk liegt ausschliesslich beim Export. Denn bei eine Erhöhung der Binnennachfrage müsste diese Regierung ihre Politik für die Mövenpigs einstellen.
Wer heute kein Geld hat, wird auch morgen kein Geld haben. Da nutzt Ihr Gekeife auch nichts.
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