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Steigende Reallöhne: Arbeitnehmern bleibt mehr Geld in der Tasche

Seit Jahren können sich die Deutschen von ihrem Einkommen immer weniger leisten - nun könnte es eine Trendwende geben: Experten erwarten bereits für dieses und ebenso im kommenden Jahr steigende Reallöhne. Auch die Rentner sollen künftig spürbar mehr Geld bekommen.

Techniker in Siemens-Werk: Nach langer Durststrecke wieder mehr Kaufkraft Zur Großansicht
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Techniker in Siemens-Werk: Nach langer Durststrecke wieder mehr Kaufkraft

Frankfurt am Main/Stuttgart - Erstmals seit langem können sich Arbeitnehmer in Deutschland wieder mehr leisten: In diesem Jahr stiegen die Löhne und Gehälter nach Einschätzung von Volkswirten wieder stärker als die Lebenshaltungskosten - um durchschnittlich 0,5 Prozent lagen die Reallöhne über denen des Vorjahres. Auch im kommenden Jahr soll der Trend anhalten. Die effektiven Stundenlöhne dürften 2012 im Durchschnitt um 2,7 Prozent steigen, sagte Heiko Peters, Referent vom wissenschaftlichen Stab des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der "Frankfurter Rundschau".

Da die Inflation im kommenden Jahr bei 1,9 Prozent liegen soll, bleibt nach den Einschätzungen der "Wirtschaftsweisen" also ein realer Lohnzuwachs von 0,8 Prozent. Auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld erwartet für dieses und nächstes Jahr Reallohn-Steigerungen. Nach seiner Einschätzung dürfte der Zuwachs 2012 sogar deutlich über einem Prozent liegen.

Damit ist ein seit langem andauernder Trend durchbrochen: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mussten Arbeitnehmer in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt empfindliche Einbußen bei den Reallöhnen hinnehmen. Im Durchschnitt hatten die Deutschen 2010 im Vergleich zum Jahr 2000 4,2 Prozent oder 93 Euro weniger in der Tasche. Bei den Geringverdienern war der reale Einkommensverlust am größten. Nur die oberen 20 Prozent des Gehaltsspektrums konnten ihre Kaufkraft steigern (siehe Tabelle unten).

Auch für die Rentner soll es in den kommenden Jahren spürbar mehr Geld geben: Die gesetzliche Rente soll nach Erwartung der Bundesregierung bis zum Jahr 2025 um 35 Prozent steigen. Im Schnitt werde sie laut den "Stuttgarter Nachrichten" jedes Jahr um etwa zwei Prozent angehoben. Die Zeitung beruft sich auf den Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung.

Noch im Zeitraum von 2004 bis 2010 hatte es für die Rentner viermal Nullrunden gegeben. In diesem Jahr mussten sich die Rentner mit einer bescheidenen Erhöhung von rund einem Prozent zufriedengeben. Der Rentenversicherungsbericht beschreibt "mittels Modellrechnungen die zukünftige Entwicklung der Rentenfinanzen in den kommenden 15 Jahren", wie es in dem Dokument heiße. Damit ist er eine Projektion auf Basis aktueller Daten.

Erst im kommenden Frühjahr wird die Rentenanpassung zum 1. Juli 2012 endgültig festgelegt - dann liegen alle für die Berechnung erforderlichen Wirtschaftsdaten vor. Laut den Prognosen erhielte ein Standardrentner nach 45 Beitragsjahren dann einen Zuschlag von monatlich knapp 28,50 Euro im Westen und rund 35 Euro im Osten.

Durchschnittliches reales Bruttoerwerbseinkommen im Monat je Dezil in Euro
Einkommen
aller abhängig Beschäftigten
2000 2005 2010 Relative Veränderung
2000-2010
(in Prozent)
Absolute Veränderung
2000-2010
(in Euro)
1. Zehntel 320 289 259 -19,1 -61
2. Zehntel 798 636 614 -23,1 -184
3. Zehntel 1290 1120 1048 -18,8 -242
4. Zehntel 1658 1520 1440 -13,1 -218
5. Zehntel 1958 1902 1798 -8,2 -160
6. Zehntel 2253 2245 2162 -4,0 -91
7. Zehntel 2554 2573 2485 -2,7 -69
8. Zehntel 2865 2967 2845 -0,7 -20
9. Zehntel 3434 3543 3440 0,2 6
10. Zehntel 5368 5340 5481 2,1 113
Mittelwert 2229 2201 2136 -4,2 -93
Median 2096 2087 1941 -7,4 -155
Quellen: SOEP v27. Abhängig Beschäftigte in Privathaushalten.
Angaben in Preisen von 2005.

fdi/dpa

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insgesamt 202 Beiträge
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    Seite 1    
1. Endlich sagt der Spiegel mal,
Seifen 23.11.2011
was wir schon lange gespürt haben. Die deutsche Bevölkerung wurde über Jahrzehnte immer ärmer während in dieser Zeit das politische System immer mehr Steuern und Abgaben aus dem Bürger gepresst hat.
2. Lol
hornbeam, 23.11.2011
Da wurde wohl die grassierende inflation weggerechnet ;-?
3. Wer´s glaubt,
gestandeneFrau 23.11.2011
wird selig. Die Kosten werden weiter explodieren. Wir werden im Endeffekt wieder weniger in der Tasche haben. Müllabfuhr, Abwasser, Strom und so weiter werden real mitsteigen. MfG
4. ....Könnte"... es geben....,
Sapientia 23.11.2011
Zitat von sysopSeit Jahren können sich die Deutschen von ihrem Einkommen immer weniger leisten - nun könnte es eine Trendwende geben: Experten erwarten für*2011 und 2012 steigende Reallöhne. Auch die Rentner sollen in den nächsten Jahren spürbar mehr Geld bekommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,799377,00.html
während die EZB als emengency exit immer mehr Geld drucken lassen muß und wird, was sodann im Hinblick auf die Kaufkraft nicht nur gar nichts, sondern eher noch weniger sein "könnte", als gegenwärtig gezahlt wird.
5. .
BeitragszahlerwiderWillen, 23.11.2011
Nun ist die Marschrichtung also klar. Statt wie angekündigt zu sparen, gibts Inflation. Genug Geld für alle - aber man wird sich nichts mehr dafür kaufen können...
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