Frankfurt am Main - Die Nervosität ist zurück - nach nur zwei Tagen. Zwar lässt sich das angeschlagene Irland mit seinem Defizit von 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von der EU retten. Doch die Angst, dass demnächst auch andere Staaten Hilfe brauchen, bleibt. Nach einer kurzen Ruhepause steigen die Risikoaufschläge für finanzschwache Euro-Länder am Dienstag schon wieder auf Rekordwerte.
Besonders kräftig stiegen die Renditen in den kurzen Laufzeiten - ein Zeichen größeren Misstrauens der Investoren. Als Gründe nannten Anlageexperten die Regierungskrise in Irland und den Umstand, dass die EU noch keine Details zu dem Rettungsplan bekannt gegeben hat.
Die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe Griechenlands legte am Dienstagvormittag besonders stark um 0,57 Prozentpunkte auf 10,85 Prozent zu. Dies ist der mit Abstand höchste Zins, den ein Euro-Land derzeit im zweijährigen Bereich für frisches Geld zahlen muss. Die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe Portugals stieg ebenfalls deutlich: um 0,25 Punkte auf knapp vier Prozent.
Die Rendite irischer Anleihen mit zweijähriger Laufzeit legte um 0,23 Punkte auf 4,24 Prozent zu. Zum Vergleich: Deutschland muss wegen seiner hohen Bonität derzeit nur knapp ein Prozent für zweijährige Papiere zahlen.
Spanien erkämpft sich Refinanzierung
Spanien konnte sich am Dienstag zwar frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen, musste dafür allerdings deutlich höhere Zinsen zahlen als bei der letzten Auktion Ende Oktober. Bei einer Auktion dreimonatiger Papiere stieg die Rendite von 0,951 Prozent im Oktober auf 1,743 Prozent. Die Rendite der sechsmonatigen Titel stieg von 1,285 Prozent auf 2,111 Prozent. Die Mittelaufnahme lag mit 3,255 Milliarden Euro deutlich unter den Erwartungen. Ursprünglich wollte die Regierung sich vier Milliarden Euro leihen.
Die Reaktion der Märkte ist ganz anders als nach der Griechenland-Krise: Im Frühjahr rettete die EU den kriselnden Euro-Staat vor der Pleite und kündigte den 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm für überschuldete Staaten an. Sie stoppte damit vorläufig die Nervosität am Anleihenmarkt. Die Angst, dass andere kriselnde Länder wie Portugal oder Spanien pleite gehen könnten, war vorläufig gestoppt. Die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen dieser Länder sanken seinerzeit.
Um Irland zu sanieren, schlägt die Zentralbank inzwischen drastische Maßnahmen vor. Wenn es nach ihm ginge, könne man Irlands Skandalbanken komplett verkaufen, sagte der irische Notenbankchef Patrick Honohan am Dienstag. Über Jahre habe er dafür plädiert, dass es in kleinen Ländern ausländische Eigner für die Banken geben solle.
Irische Finanzwerte auf Talfahrt
Die Aktien irischer Banken gingen am Dienstag auf Talfahrt. Papiere von Allied Irish Banks rutschten um 11,7 Prozent ab, Titel der Bank of Ireland fielen um 18 Prozent. Der irische Leitindex lag 1,7 Prozent im Minus und entwickelte sich damit deutlich schlechter als die anderen europäischen Indizes.
Angesichts der Unsicherheiten, ob die Regierung ihren Sparplan überhaupt durch das Parlament bekommt, gingen Investoren auf Nummer sicher und verkauften ihre Anteile, sagten Händler.
Das von tiefen Einschnitten geprägte Budget ist die Voraussetzung für ein milliardenschweres Rettungspaket. Die Regierung von Ministerpräsident Brian Cowen verfügt nur über eine hauchdünne Mehrheit im Parlament und zwei Abgeordnete haben ihm schon die Gefolgschaft gekündigt. Ein kleiner Koalitionspartner will ihn nur so lange unterstützen, bis das Sparpaket verabschiedet ist.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte die Milliardenhilfen für Irland. "Es steht unsere gemeinsame Währung auf dem Spiel", sagte der CDU-Politiker am Dienstag. Gelinge es nicht, den Euro zu retten, hätte dies unabsehbare wirtschaftliche und soziale Folgen für Deutschland.
ssu/dapd/dpa-AFX/Reuters
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