SPD-Kanzlerkandidat: Steinbrück fordert Geduld mit Griechenland

Kanzlerin Merkel muss den Deutschen nach Ansicht von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zur Euro-Krise "endlich die Wahrheit sagen". Er meint damit: Die Griechen brauchen noch viele Jahre lang Unterstützung - und Deutschland müsse ihnen mehr Zeit geben.

Kanzlerkandidat Steinbrück: "Ihr wisst nicht, wovon ihr redet!" Zur Großansicht
DPA

Kanzlerkandidat Steinbrück: "Ihr wisst nicht, wovon ihr redet!"

Berlin - Diese Worte dürfte man in Athen erfreut zur Kenntnis nehmen: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sich in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" ("WamS") dafür ausgesprochen, dem Land für seine Reformbemühungen mehr Zeit einzuräumen. Zugleich erteilte Steinbrück Forderungen nach einem Austritt Griechenlands eine klare Absage.

Den Appell verband Steinbrück mit einem Angriff auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese müsse den Deutschen "endlich die Wahrheit sagen", forderte der frühere Bundesfinanzminister. Griechenland werde sich noch sieben bis acht Jahre lang kein Geld am Kapitalmarkt leihen könne. "So lange werden wir helfen müssen."

"Die Griechen müssen zu ihren Verpflichtungen stehen, aber wir sollten ihnen mehr Zeit geben", sagte Steinbrück der "WamS" weiter. Es sei nicht möglich, den Druck auf Griechenland weiter zu erhöhen. Steinbrück schloss nicht aus, dass die SPD einem dritten Hilfspaket für Griechenland zustimmen könnte.

Vehement widersprach der SPD-Politiker Aussagen von FDP- und CSU-Politikern, die einen Euro-Austritt Griechenlands als unproblematisch bezeichnet hatten. "Wir sollten allen, die martialisch den Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone fordern, deutlich sagen: Ihr wisst nicht, wovon ihr redet! Die politischen und ökonomischen Erschütterungen wären verheerend."

Zuletzt hatten verschiedene Medien berichtet, dass Griechenland die nächste Tranche von Finanzhilfen über 31 Milliarden Euro erhalten wird. Demnach hat sich auch die Bundesregierung damit abgefunden, dass die griechische Regierung sowohl die Haushaltsziele verfehlt als auch die versprochenen Reformen mit Verspätung umsetzt.

Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dementierte die Berichte jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE. Erst wenn der neue Bericht der sogenannten Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds vorliege, werde über die Auszahlung der Tranche entschieden.

Kritisch äußerte sich Steinbrück zum Plan der EZB, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen von südeuropäischen EU-Ländern aufzukaufen. Auf Dauer drohe durch das Aufkaufprogramm Inflation. "Kurzfristig mache ich mir keine Sorgen. In drei, vier Jahren wird das Thema Inflation aber auf der Tagesordnung stehen", sagte Steinbrück der "WamS". "Das liegt nicht nur an der europäischen, sondern auch an der amerikanischen Notenbank. Die pumpt wie verrückt Liquidität in die Märkte."

dab/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 189 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. endlich jemand, der
lengst34 30.09.2012
den Menschen Honig um den Mund schmiert. Es braucht einen Kanzler, der dem Volk die Wahrheit sagt und nichty nur Worthülsen am Laufenden Band produziert.
2. Dass Jahre Versaeumtes nicht in kurzer Zeit aufgeholt
kb26919 30.09.2012
werden kann ist wohl jedem klar nur bin ich nicht bereit das zu finanzieren und schon garnicht auf lange Jahre. Ich bezweifle dass GR je ein ordentliches Steuersystem bekomment wird oder dass der aufgeblasene Beamten Wasserkopf verkleinert werden kann. In GR ist so vieles im Argen , warum sollten deutsche Steuerzahler den Kopf dafuer herhalten?
3. Es wird doch immer deutlicher:
zeitmax 30.09.2012
EU-Egomanie sehe ich nicht - die Menschen wissen die Vorteile freien Reisens und Einkaufens sehr wohl zu schätzen. Aber daß sie mit dem - voreilig installierten - Euro so verarscht wurden, macht sie wütend - weil jetzt die eklatanten Nachteile hochkommen: Das war nur ein Schönwetterkonstrukt!Denn, beschleunigt durch den debitistischen Wachstums"zwang" der Verschuldung im unseligen Zinseszins-Finanzsystem beginnt die Sache jetz zu platzen. Und hier meine persönliche VT (ich kanns nicht lassen;-)): Das war und ist alles volle ABSICHT!!! So kriegt man die Mehrheit der dummen Wähler-Schafe schnell in eine sozialistische Brüsseler Scheindemokratie ähh.. demokratur. Die Welt-Einheitswährung winkt - also dann fröhlich weiter mit dem Verarmungszwang des Prekariat und der dritten Welt. Ein Steinbrück und Bilderberger-Parvenu wird das natürlich nicht sehen...wollen.
4. Es ist Wahlkampf...
Gerüchtsvollzieher 30.09.2012
... und da sagt natürlich auch Herr Steinbrück nicht die volle Wahrheit. Heute sollen wir Geduld mit Griechenland haben, d. h. unbegrenzt zahlen, morgen sind es Spanien und Italien und übermorgen ist es Frankreich, NEIN!
5.
cdbee 30.09.2012
Zitat von sysopKanzlerin Merkel muss den Deutschen nach Ansicht von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zur Euro-Krise "endlich die Wahrheit sagen". Und meint damit: Die Griechen brauchen noch viele Jahre lang Unterstützung - und Deutschland müsse ihnen mehr Zeit geben. Steinbrück fordert Geduld mit Griechenland - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steinbrueck-fordert-geduld-mit-griechenland-a-858807.html)
Die Kanzlerin hat also richtig gehandelt, uns nur nicht die Wahrheit gesagt? Dann ist doch alles in Butter, vermute ich.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Peer Steinbrück
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 189 Kommentare