Einflussreicher Posten: Steinmeier lehnt Schäuble als Euro-Gruppenchef ab

In der SPD mehren sich Stimmen gegen eine Kandidatur von Wolfgang Schäuble als Euro-Gruppenchef. Nach Ex-Finanzminister Steinbrück sprach sich auch Fraktionschef Steinmeier gegen Schäuble aus. Deutschlands Dominanz in der europäischen Finanzpolitik sei schon jetzt "übergroß".

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dapd

Fraktionschef Steinmeier: "Ich halte nichts von dieser Idee"

Berlin - Ja zu den Rettungsschirmen, Nein zu Eurobonds ohne mehr Haushaltskontrollen: Im Kampf gegen die Euro-Krise hat die SPD zuletzt häufig die Regierung unterstützt. Doch bei der Frage, wer neuer Chef der Euro-Gruppe werden soll, gehen die Sozialdemokraten auf Konfrontationskurs.

Fraktionschef Frank-Walter Steinmeiersprach sich jetzt in der "Bild am Sonntag" gegen eine Kandidatur von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aus. "Ich halte nichts von dieser Idee", sagte er. Zuvor hatte bereits Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärt, er sei gegen Schäuble oder einen anderen deutschen Kandidaten.

Deutschlands Dominanz in der europäischen Finanzpolitik sei "schon jetzt wegen unserer wirtschaftlichen Stärke übergroß", begründete Steinmeier seine Haltung. Daher wäre es klug, "die Leitung der Euro-Gruppe einem kleineren Partner zu überlassen". Wenn die Bundesregierung aber an ihrem Personalvorschlag festhalte, werde sie sich durchsetzen. "Ob uns das gut tut, ist eine andere Sache", sagte Steinmeier.

Der Euro-Gruppenchef muss die Arbeit der Finanzminister des Währungsraums koordinieren - in Zeiten der Euro-Krise ein Schlüsselposten. Schäuble gilt seit längerer Zeit als möglicher Nachfolger des luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker, der das Amt Ende Juni abgibt. Juncker sprach sich kürzlich bei einer Diskussionsveranstaltung des SPIEGEL ausdrücklich für Schäuble als Nachfolger aus und bezeichnete ihn als "Idealbesetzung".

dab/AFP/dpa

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1. Wer braucht noch Feinde...
Mentar 03.06.2012
...wenn man solche Freunde hat? Für mich ist die SPD mit ihren europapolitischen Eskapaden völlig unwählbar geworden. Mit denen am Ruder würden wir jetzt schon für Club Med haften. Und dann auch noch den Euro-Gruppenchefposten kampflos aufgeben... warum nicht gleich Tsirpas nehmen? Irrsinn, dein Name ist SPD.
2.
c++ 03.06.2012
Deutschlands Dominanz in der europäischen Finanzpolitik sei schon jetzt "übergroß", sagt Steinmeier. Gemeint ist da natürlich die Dominanz bei der Finanzierung des Eurodesasters, oder? Ansonsten ist Schäuble ein fanatischer Vertreter der Euro-Ideologie und würde keinesfalls mehr im Interesse der Steuerzahler handeln als ein Euro-Gruppenchef aus Spanien oder Italien. Daher ist der Vorstoß von Steinmeier zu begrüßen. Niemand in D hätte einen Vorteil, wenn Schäuble diesen Posten bekommen würde.
3. Gerade ...
ichbinmalweg 03.06.2012
Zitat von sysopdapdIn der SPD mehren sich Stimmen gegen eine Kandidatur von Wolfgang Schäuble als Euro-Gruppenchef. Nach Ex-Finanzminister Steinbrück sprach sich auch Fraktionschef Steinmeier gegen Schäuble aus. Deutschlands Dominanz in der europäischen Finanzpolitik sei schon jetzt "übergroß". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836685,00.html
weil wir wirtschaftlich am stärksten sind, sollten wir eine Dominanz anstreben. Ansonsten dominieren wirtschaftlich schwächere Länder unseren Haushalt und unsere Kassen. Das "Spiel" von Steinmeier funktioniert doch nur, wenn alle an einem Strang ziehen; das ist nicht der Fall!
4. noch ein Grund mehr...
Deep Thought 03.06.2012
Diese Tölpel von der SPD nicht zu wählen.... HAndstreichartig hat Frankreich seinen Einfluß beim IWF (Lagarde) und seinerzeit bei der Europäischen zentralbank (Trichet) gesichert, solide deutsche Banker wurden dort rausgemobbt und/oder gingen, weil sie die unverantwortliche Politik Trichets nicht mittragen wollten - und was macht die dämliche SPD? Sie mavcht deutschland noch kleiner und will sogar Eurobonds. Trichet hat auf Kosten der deutschen Steuerzahler massivst griechische Schuldverschreibungen gekauft - und zwar gezielt von FRANZÖSISCHE BANKEN , die gigantische mengen dort investiert hatten. Und das, obwohl die deutsche Politik den deutschen Banken die verpflichtung abnahm, für 2 jahre die Papiere NICHT zu verkaufen, um die Papiere stabil zu halten. Alle Länder bedienen sich bei der EU hemmungslos, kämpfen mit allem Mitteln um mehr Einfluss (ins besondere rankreich) - und die Naivlinge der SPD wollen den dt. Einfluss noch weiter herunterschrauben. In Wirklichkeit geht es ihnen zusätzlich darum, Schäubles Einfluss für die zeit nach der Bundestagswahl und einer evtl. rotgrünen Regierung zu verhindern. Dabei ist Schäuble noch einer der letzten Mohikaner, der uns vor dem totalen Ausverkauf retten will. Mannomann, was für eine Gurkentruppe die SPD doch ist.... unwählbar. leider weiß ich derzeit nicht, wen man überhaupt noch wählen kann - aber es wird eine Partei sein, die Eurobonds klar ablehnt. Dafür würde ich sogar die FDP wählen. Die würden damit sofort zweistellige Ergebnisse bekommen, da bin ich mir sicher.
5.
Mentar 03.06.2012
Zitat von c++Deutschlands Dominanz in der europäischen Finanzpolitik sei schon jetzt "übergroß", sagt Steinmeier. Gemeint ist da natürlich die Dominanz bei der Finanzierung des Eurodesasters, oder? Ansonsten ist Schäuble ein fanatischer Vertreter der Euro-Ideologie und würde keinesfalls mehr im Interesse der Steuerzahler handeln als ein Euro-Gruppenchef aus Spanien oder Italien. Daher ist der Vorstoß von Steinmeier zu begrüßen. Niemand in D hätte einen Vorteil, wenn Schäuble diesen Posten bekommen würde.
In welcher Welt leben Sie eigentlich, fragt man sich. Wie naiv muss man sein, um sowas zu schreiben? Wenn es nicht die Härte von Merkel und Schäuble gegeben hätte, würden wir jetzt schon für Club Med haften, über Eurobonds oder vergleichbare Konstrukte. Ist doch kein Zufall, dass dieser Unfug vor allem von Monti gepushed wird. Und das wäre also Ihrer Meinung nach genauso im Sinne des deutschen Steuerzahlers wie die Schäuble-Position? Unverantwortlich.
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