Stellwerk-Chaos in Mainz Bundesnetzagentur droht Bahn mit Zwangsgeld

Die Probleme der Bahn am Mainzer Hauptbahnhof rufen die Regulierer auf den Plan: Die Bundesnetzagentur droht dem Unternehmen eine Geldstrafe an, falls das Bahnnetz dort weiter unbenutzbar bleibt. Das Zwangsgeld dürfte für den Konzern aber locker zu zahlen sein.

Blick auf das Mainzer Stellwerk: Netzagentur will  Chaos nicht mehr hinnehmen
DPA

Blick auf das Mainzer Stellwerk: Netzagentur will Chaos nicht mehr hinnehmen


Bonn - Die Bundesnetzagentur hat die Deutsche Bahn aufgefordert, das Chaos im Schienenverkehr in Mainz schnellstmöglich zu beheben. Die Bundesnetzagentur drohte der Bahn nach Angaben eines Sprechers ein Zwangsgeld in Höhe von 250.000 Euro an, sollte sie nicht "unverzüglich geeignete Maßnahmen zur Beseitigung der Betriebsbeeinträchtigungen und der daraus resultierenden negativen Auswirkungen" ergreifen. Der Sprecher bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts".

In Mainz fallen wegen Personalproblemen im dortigen Stellwerk derzeit zahlreiche Züge aus, der Regionalverkehr läuft nur eingeschränkt. Fernverkehrszüge wie der ICE werden teils umgeleitet oder halten an anderen Bahnhöfen. Die Bahn will bis Ende des Monats dafür sorgen, dass der Zugverkehr in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder normal läuft.

Nach Einschätzung der Netzagentur gibt es auch in sieben weiteren Stellwerken erhebliche Beeinträchtigungen des Betriebs: in Brandis-Beucha im Kreis Leipzig, Bebra, Berlin-Halensee, Berlin-Tempelhof, Lahnstein-Friedrichssegen, Niederarnbach in Bayern und Zwickau in Sachsen. Die Bahn hat bereits eingeräumt, dass es bundesweit Personalmangel in Stellwerken gibt.

In Mainz sind mehrere Mitarbeiter krank oder im Urlaub. Bahn-Chef Rüdiger Grube persönlich hatte versucht, Beschäftigte per Telefonat zur Rückkehr aus dem Urlaub zu bewegen. Am Montag hatte bereits das Eisenbahnbundesamt gefordert, die Bahn müsse unverzüglich wieder den uneingeschränkten Betrieb im Stellwerk Mainz aufnehmen.

ade/AFP

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insgesamt 20 Beiträge
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fpwinter 15.08.2013
1. Dsa kommt davon ...
Da rächen sich wieder einmal Personalabbau und die Privatisierung von Infrastruktur-Unternehmen, die eigentlich in Staatshände gehören (abgesehen mal davon, daß wir seit 1990 ja keinen mehr haben...). Der Leidtragende ist immer der Kunde. Aber der Deutsche ist ja bekanntlich geduldig. Und was soll man auch machen dagegen? Die Sanktionsandrohungen der "Netzagentur" sind hier nur Makulatur. Der Vorgang zeigt, wie wenig Befugnisse solche "Aufsichts-Institutionen" eigentlich in Wirklichkeit haben. Die Bahn AG zahlt solche Konventionalstrafen lieber aus der Portokasse (und aus dem Bundeszuschuss), anstatt wieder vermehrt Personal einzustellen. Herr Grube, dieser so unglaublich kompetente Manager, versucht wieder einmal, Öl aufs Wasser zu gießen, anstatt richtige Entscheidungen zu treffen. Wunderbar. Das ist Deutschland. Das Land, in dem es sich immer noch zu leben lohnt - angeblich. Weil - uns gehts hier ja angeblich so gut.
petrasha 15.08.2013
2. genehmigte urlaube?
das waren doch wohl alles genehmigte urlaube. vielleicht sollte man mal überlegen, ob die genehmigungen von vielen mitarbeitern zum gleichen zeitpunkt unverhältnismässig war? krankheiten sind immer möglich und müssen verkraftet werden!
joot 15.08.2013
3.
Nachdem die Bahn nun privatwirtschaftlich organisiert ist, ist die (Nicht)Besetzung von Stellen ein reiner Business Case wie das in Neusprech heißt... bedeutet: sind die finanziellen Auswirkungen durch die fehlende Stelle geringer als die Stelle kosten würde. Der Bahn ist schlechte Publicity und Servicegedanke offensichtlich egal (das hat sie in der Vergangenheit schon mehrfach unter Beweis gestellt), also dürfen wir wirklich nur die Personalkosten rechnen. Die Strafe müsste also weitaus höher sein, als all die unbesetzten Stellen der Bahn derzeit an Einsparungen bringen... und da werden 250.000 Euro wohl bei weitem nicht reichen.
na,na,na 15.08.2013
4. Bundesnetzagentur und Eisenbahn Bundesamt
welche Vollpfosten haben eigentlich dort das Sagen? Vielleicht sollten sie mal TV-Werbung anschauen, dann könnten sie viellicht feststellen, dass die Bahn seit Monaten händeringend nach Personal sucht und zwar für alloe Sparten. Die Geschichte in Mainz ist von der Gewerkschaft hausgemacht, die wollen nur noch mehr Mitspracherecht bei allen Teilen der Bahn. Mal Nachfragen ob Pensionisten der Bahn da einspringen können, wäre doch mal was.
thor1708 15.08.2013
5.
250000 Euro Strafe ist doch ein Witz. Bei der geringen Summe, machen die doch so weiter. Bin der Meinung da müssen noch zwei Nullen ran. Die Situation muss für die Bahn so sein, das mehr Personal weniger kostet, als eventuelle Strafen.
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