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Sternfahrt: Bauern protestieren gegen Dumping-Milchpreise

Die dritte Milchkrise in sechs Jahren zerrt an den Nerven der Bauern. Mit Sternfahrten wollen sie nun auch in Deutschland auf ihre Not aufmerksam machen.

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Kundgebung der Landwirte: Durststrecke dauert an

Nach Bauernprotesten in Frankreich und Belgien wehren sich nun auch deutsche Landwirte gegen den Preisverfall bei der Milch. Am Montag starteten im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt Bauern mit ihren Treckern eine Staffelfahrt quer durch Deutschland, die am 1. September in München mit einer großen Kundgebung zu Ende gehen soll.

Mit der neuntägigen Aktion wollen die Bauern auf die aus ihrer Sicht existenzgefährdende Entwicklung auf dem Milchmarkt aufmerksam machen. Ebenfalls am Montag soll eine zweite Staffelfahrt im niedersächsischen Krummhörn starten.

Zwei weitere Protestzüge beginnen in Süddeutschland am 28. August in Breisach (Baden-Württemberg) nahe der deutsch-französischen Grenze und am 1. September in Traunstein in Oberbayern. Für Milchprodukte erhalten die Bauern derzeit etwa 26 Cent pro Kilogramm. Um ihre Unkosten zu decken, brauchen die Bauern nach eigenen Angaben mindestens 40 Cent, da etwa Futtermittel und Energie immer teurer werden.

Großes Überangebot

Bei Deutschlands größtem Milchverarbeiter, dem Deutschen Milchkontor (DMK) im niedersächsischen Zeven, sieht man derzeit nur geringe Chancen, dass der Milchpreis kurzfristig wieder ansteigt. Die Durststrecke werde mindestens noch bis Anfang nächsten Jahres andauern, sagt DMK-Sprecher Hermann Cordes. "Das ist massiv, was den Landwirten an Einnahmen fehlt."

Das Unternehmen verweist vor allem auf die internationale Lage. Bei der "Weltmilchmarktkrise" steige die Milchproduktion im Vergleich zur Nachfrage überproportional an. 2014 seien geschätzt sechs bis sieben Milliarden Kilogramm Milch zu viel produziert worden. Wesentliche Gründe für den Preisrückgang seien die Einfuhrsperre für europäische Molkereiprodukte nach Russland und die Wirtschaftskrise in China.

Missbrauch der Marktmacht

Wie die vielen Höfe diese Durststrecke überwinden können, ist fraglich. Ein Liter Mineralwasser koste inzwischen mehr als ein Liter Milch, beklagte kürzlich der Landesbauernverband in Sachsen-Anhalt. 1000 Euro Verlust pro Milchkuh im Jahr bedeuteten Einkommensverluste von 20 bis 30 Prozent. Der Deutsche Bauernverband bezifferte vor wenigen Tagen den Schaden für deutsche Milchbauern auf 600 bis 800 Millionen Euro binnen eines Jahres und forderte eine Exportoffensive für Agrarprodukte sowie Hilfszahlungen.

Neben der Milchproduktion sorgt vor allem die Fleischproduktion derzeit für tiefrote Zahlen in den Bilanzen der Bauern. Die Erzeugungskosten für ein Schwein lägen bei 165 Euro, der Handel zahle aktuell nur 130 Euro, sagte Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, der "Westfalenpost". Der Handel missbrauche bei Preisverhandlungen seine Marktmacht.

mik/dpa-AFX

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