Steuerhinterziehung Gekaufte Daten-CD soll 600 Millionen Euro einbringen

Fahnder haben erneut Steuer-Datensätze gekauft - offenbar in besonders großem Stil: Berichten zufolge könnte es zu Steuernachforderungen von Hunderten Millionen Euro kommen. Betroffen sind demnach Zehntausende Kunden.

Innenstadt von Luxemburg (Archivbild): 55.000 Kunden betroffen
REUTERS

Innenstadt von Luxemburg (Archivbild): 55.000 Kunden betroffen


Die vom Land Nordrhein-Westfalen gekauften Steuerdaten führen nach Schätzungen von Insidern zu Steuermehreinnahmen von mindestens 600 Millionen Euro. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Beteiligte der Transaktion berichtet, enthält der Datenträger Tausende, sehr vielversprechende Informationen zu sogenannten Cum-Ex-Geschäften, mit denen sich Banken und Finanzdienstleister eine nur einmal abgeführte Kapitalertragssteuer mehrmals erstatten ließen.

Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Ausgaben, dass das Land Nordrhein-Westfalen für den bislang teuersten Datensatz fünf Millionen Euro ausgegeben hat. Es geht um Steuerhinterziehung und betrügerische Steuerdeals in einem Handelsvolumen von 70 Milliarden Euro - nicht nur durch das Verstecken von Schwarzgeldern, sondern durch das kriminelle Vortäuschen von Geschäftsvorgängen, die zur ungerechtfertigten Erstattung von Kapitalertragsteuern geführt haben. Teilweise wurde die Kapitalertragsteuer zweimal angerechnet und erstattet.

Die Ermittlungen gegen die in Inland und Ausland angesiedelten Finanzdienstleister und Banken sowie deren Kunden sind bereits angelaufen, in der nächsten Woche soll es die ersten Durchsuchungen geben. Geleitet wird die Aktion durch die erfahrene Wuppertaler Steuerfahndung in Zusammenarbeit mit der Kölner Staatsanwaltschaft. Ermittlungen sollen sich auch gegen die Banque et Caisse d'Epargne de l'Etat (BCEE) in Luxemburg richten.

55.000 Kunden im Schwarzgeld-Verdacht

Laut dem "Handelsblatt" handelt es sich beim aktuellen Datenträger um einen silber-schwarzen, sieben Zentimeter langen USB-Stick. Bei dem Stick handele es sich um den ersten reinen Cum-Ex-Datenträger, der Informationen vor allem aus den Jahren 2006 bis 2011 enthalten soll. Sein Verkäufer soll ein ehemaliger hochrangiger Steuerexperte eines ausländischen Börsenmaklers sein, tiefe Einsichten in deutsche und europäische Steuer-Deals hatte.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben die Fahnder zudem einen zweiten Datensatz gekauft. Dabei gehe es um Informationen über 55.000 Kunden einer einzelnen Bank, die demnach im Verdacht stehen, Schwarzgeld vor dem Fiskus im Ausland versteckt zu haben.

Der Kampf der Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen gegen Steuerhinterziehung hat sich bezahlt gemacht: Mehr als zwei Milliarden Euro hat das Land in den vergangenen Jahren zusätzlich eingenommen, durch Steuernachzahlungen, Geldauflagen und Verbandsstrafen, die gegen Banken verhängt wurden. Bundesweit werden die Mehreinnahmen auf vier bis fünf Milliarden Euro geschätzt. Seit 2010 haben sich etwa 120.000 Deutsche als Steuerhinterzieher angezeigt.

mxw

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 02.11.2015
1.
Harte zeiten für den Geldadel!
exbb 02.11.2015
2. Wer fandet eigentlich
nach den Verursachern von Steuerschlupflöchern? Kleiner Tipp. Die sitzen bei uns im Parlament.
janne2109 02.11.2015
3. lach
spielt es eine Rolle wie lang ein USB Stick ist??
fatherted98 02.11.2015
4. jaja...
...zehntausende Kunden...alles ordnungsliebende Bürger...jetzt auf einmal Straftäter...hoppla....spätestens vor der letzten Gesetzesänderungen hätten diese Biedermänner doch merken sollen, dass Selbstanzeige die einzige Möglichkeit ist da einigermaßen sauber rauszukommen...jetzt werden sie hoffentlich alle verknackt...leider nicht so richtig...aber immerhin.
ackergold 02.11.2015
5.
Gut so! Es gibt kein Recht auf Steuerkriminalität. Wer sich Kapitalertragssteuer doppelt zurückzahlen lässt, begeht ein schweres Verbrechen. Zurückzahlen reicht nicht. Da müssen Exempel statuiert werden, damit diese Praxis aufhört. Bei einer Schadenssumme von über 1 Million sind Haftstrafen zwingend.
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