Personalmangel: Steuerfahnder rücken nur noch selten aus
Steuerhinterzieher müssen immer seltener mit einer unangekündigten Prüfung rechnen. Nach Recherchen des SPIEGEL hat sich die Zahl der Fahndungseinsätze im vergangenen Jahr drastisch reduziert.
Hamburg - Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Einsätze deutscher Steuerfahnder drastisch gesunken. 2012 rückten die Fahnder nach Recherchen des SPIEGEL knapp 24.000 Mal aus, um Steuerhinterziehern auf die Schliche zu kommen. Das sind rund 14 Prozent weniger Einsätze als noch im Jahr zuvor.
Der Rückgang fiel regional unterschiedlich hoch aus. In Baden-Württemberg etwa fielen die Besuche der Fahnder bei Steuersündern um ein Viertel, Hessen verzeichnete gar ein Minus von einem Drittel. In Nordrhein-Westfalen reduzierten die Fahnder ihre Einsätze um rund 17 Prozent.
Dennoch stiegen die Mehreinnahmen des Fiskus durch die Arbeit der Fahndungsstellen um fast 40 Prozent auf rund drei Milliarden Euro. Der Grund dafür war, dass sich die Fahnder auf lohnende Fälle konzentrierten, die sich auf angekauften Steuer-CDs fanden.
Weitere Fakten, Hintergründe und Ursachen für die laxe Steuerfahndungspraxis in den Finanzämtern finden Sie in der ausführlichen Berichterstattung im neuen SPIEGEL.
Die Steuer-CDs führen nicht nur direkt zu einer höheren Belastung für die Finanzämter - also weil diese den entsprechenden Fällen proaktiv nachgehen -, sondern auch indirekt. Denn in der Regel führt jeder Ankauf zu einem Anstieg von Selbstanzeigen. Speziell der prominente Fall von Bayern-Manager Uli Hoeneß hat dazu beigetragen, dass in der ersten Jahreshälfte 2013 mehr als 14.500 derartige Anzeigen und damit fast so viele wie im gesamten Vorjahr eingingen.
Diese Mehrbelastung für die Finanzbeamten könne zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Steuererklärungen und zu weniger intensiven Prüfungen führen, warnte bereits Ende Juli Manfred Lehmann, der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
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fdi
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