Bayern-Sponsoren: Treueschwur für den Steuersünder

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Bayern-Präsident Hoeneß: Außerordentlich wertgeschätzt

Uli Hoeneß muss sich wegen der Steueraffäre vor Gericht verantworten - Top-Sponsoren halten dem FC-Bayern-Präsident dennoch weiter die Treue. Adidas, die Telekom oder VW-Tochter Audi wollen, dass Hoeneß bleibt. Dabei herrschen in ihren Häusern strenge Maßstäbe für das Spitzenpersonal.

München/Berlin - Die Reaktion der Vereinsoberen erfolgte ungewöhnlich schnell. Kaum eine halbe Stunde, nachdem die 5. Strafkammer des Oberlandesgerichts München II die Entscheidung bekannt gemacht hatte, eine Anklage gegen Bayern-Boss Uli Hoeneß zuzulassen, verbreitete die FCB-Pressestelle eine Solidaritätsadresse erster Klasse. Der Aufsichtsrat habe "einvernehmlich" entschieden, dass Hoeneß seinen Vorsitz im Kontrollgremium des Rekordmeisters zunächst behalten werde, heißt es in der Stellungnahme. Der Rat habe im Vorfeld des Beschlusses ein Rechtsgutachten eingeholt, das dieses Vorgehen stütze.

Entsprechend zurückhaltend geben sich auch die wichtigsten Sponsoren, zumal die Unternehmen selbst im Aufsichtsrat vertreten sind. Zu den Mitgliedern zählen die Vorstandsvorsitzenden von Adidas Chart zeigen(Herbert Hainer), Audi (Rupert Stadler), Deutschen Telekom Chart zeigen(Timotheus Höttges) und der Audi-Mutter Volkswagen Chart zeigen (Martin Winterkorn).

"Wir verweisen auf die Erklärung des Aufsichtsrats vom Vormittag", lauten die kurz angebundenen Erklärungen von Adidas und Audi. Hinter vorgehaltener Hand fällt das Votum für Hoeneß noch deutlicher aus. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass man das Engagement bei den Bayern wegen der Affäre in Frage stelle, heißt es sinngemäß in beiden Unternehmen.

Kurz angebunden auch die Deutsche Telekom: Der Aufsichtsrat des FC Bayern (FCB) habe sich bereits zur Sache geäußert. "Dieser Stellungnahme haben wir aktuell nichts hinzuzufügen, zumal wir uns in der Vergangenheit bereits mehrfach grundsätzlich zur Sache geäußert haben", so ein Telekom-Sprecher.

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Uli Hoeneß: Ein Leben für den FC Bayern
Die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank bekräftigt sogar ihr Engagement bei den Bayern. "Die Partnerschaft mit dem FC Bayern besteht seit zehn Jahren und wurde Ende letzten Jahres für weitere drei Jahre verlängert", teilt die Bank mit. Wir freuen uns darauf, auch weiterhin Sponsor, Premium Partner und Produktpartner des erfolgreichsten deutschen Bundesligavereins zu bleiben - auch unabhängig von der Situation von Herrn Hoeneß, dessen Bedeutung und Leistung für den FC Bayern unser Haus außerordentlich wertschätzt."

Juristenstreit über Compliance-Regeln

Das Festhalten an dem legendären Vereinsboss begründen die Sponsoren mit dem Hinweis auf ein Gutachten des Gesellschaftsrechtlers Gerd Krieger und des Strafrechtsexperten Sven Thomas, die in Düsseldorfer Großkanzleien arbeiten. Sie argumentieren, dass der FCB-Aufsichtsrat ausschließlich die Interessen des Vereins zu vertreten habe. Dabei müssten sie auch beachten, dass Hoeneß von einer überwältigenden Mehrheit der Mitglieder des FCB unterstützt werde. Auch gebe es genügend Beispiele für Fälle, in denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder selbst börsennotierter Gesellschaften ihr Mandant behalten haben, obwohl ihnen der Vorwurf gemacht wurde, in anderen Lebensbereichen strafrechtlich relevante Pflichten verletzt zu haben.

Mit anderen Worten: Die Sponsoren sitzen nicht als Vertreter ihrer Konzerne im Bayern-Aufsichtsrat, sondern als Vertreter des Vereins - und dem geht es mit Hoeneß besser als ohne.

Diese Auffassung wird von anderen Juristen jedoch massiv angezweifelt. So von Henning Herzog, Professor für Betriebswirtschaft, Governance, Risk und Compliance an der Quadriga Hochschule in Berlin. "Die Aufsichtsräte des FC Bayern sind verpflichtet, zu prüfen, ob das Strafverfahren gegen Herrn Hoeneß seinen Verbleib als Vorsitzender im Aufsichtsrat rechtfertigt", sagt der Rechtsexperte. Einige dieser Mitglieder seien Vorstände Dax-notierter Unternehmen mit zum Teil sehr strikten Compliance-Regeln für den eigenen Konzern.

Die Kanzlerin schweigt

Christian Strenger, Experte in Fragen guter Unternehmensführung und Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, fordert sofortige Konsequenzen: "Hoeneß sollte jetzt zurücktreten", sagte Strenger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das Kontrollgremium des FC Bayern München forderte er zum Handeln auf: "Ich rate den übrigen Aufsichtsratsmitgliedern im Sinne der ethischen Verantwortung darauf hinzuwirken, dass Hoeneß sein Amt zumindest bis zum Abschluss des Gerichtsverfahrens niederlegt. Sollte Hoeneß den Prozess am Ende straffrei oder nur mit einer kleinen Strafe durchstehen, kann er seine alte Rolle ja wieder einnehmen", so Strenger.

Doch die Einwände dürften kaum dazu führen, dass es bis zum Abschluss des Prozesses zu gravierenden Änderungen in der Führungsspitze des Rekordmeisters kommt. Abwarten lautet deshalb die Devise. Daran hält sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie wolle die aktuelle Entwicklung im Fall Uli Hoeneß nicht kommentieren, ließ sie ihren Sprecher Steffen Seibert am Montag ausrichten. Unter Verweis auf die damalige Einschätzung sagte Seibert am Montag in Berlin: "Dem ist heute nichts hinzuzufügen. Das sind rechtsstaatliche Abläufe, die wir hier nicht mit Gefühlen zu kommentieren haben. Der Rechtsstaat nimmt seinen Lauf."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 199 Beiträge
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1. Wir hatten schon einmal einen Fall,
Observer 04.11.2013
wo ein Präsident von der Presse und sogenannten Experten gezwungen wurde, zurückzutreten. Am Ende kam eine Anklage über 700 Euro ungrad heraus - Ausgang ungewiss. Aber die Journaille hatte ihren Fall. Sollen wir etwa jetzt das ganze Spiel nochmal über uns ergehen lassen?
2. Sponsoren Gummi-Compliance?
raber 04.11.2013
Ist einfach lächerlich was diese Firmen und ihre Rechtsanwälte da von sich geben. Wenn sie z.B. für Adidas in dem Aufsichtsrat sitzen, dann ist es doch klar welche Konzepte sie auch darstellen müssten. Sie müssten sogar darauf bestehen Herrn Hoeness sofort auszutauschen. Wo bleibt denn da die Glaubwürdigkeit dieser Herrscahften gegenüber den Mitabeitern ihrer Firmen? Es gab doch einmal eine deutsche Firma die keine Geschäfte mit einem Zulieferanten machen wollte, weil einer dessen Zulieferanten unter dem Verdacht stand Kinderarbeiter zu beschäftigen. Aber hier wird betrogen (und zugegeben) und es ist kein Grund diese Person aus Compliance-Gründen rauszuschmeissen und sonst die Sponsorverträge zu kündigen. Es sollte mal beim FCB die Adidas-Dreyfus-Sponsoring Geschichte genau überprüft werden so wie mehrere Transfers und der Bau des Stadions. Auch, wo sind die Gelder geparkt gewesen und warum?
3. Zweierlei Maß ist nicht gut
Midgard_ 04.11.2013
Gerade für jemanden, der so im Rampenlicht steht, darf es keine Extrawürste geben. Seine Verdienste um den Fußball können und dürfen nicht dazu führen, Straftatbestände deshalb auszublenden - es war schließlich nicht ein Moment der Schwäche, der ihn vor Gericht bringt! Wenn er soviel Rückgrat hätte, wie immer behauptet wird, hätte er sein Amt bis zur juristischen Klärung ruhen lassen - so hat er quasi andere "genötigt", ihm in dieser zweifelhaften Weise den Rücken zu stärken.
4. Menschenjäger
KBauer 04.11.2013
Der Fall Wulff ist tatsächlich ein gutes Beispiel. Die Medienwölfe sind zu Dauerjägern geworden. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen einer Bild-Zeitung und dem Spiegel. Es reicht die ständige Wiederholung von gerüchten als Beleg für die Schuld. Hat ein Staatsanwalt Anklage erhoben ist der Fall endgültig erwiesen. Wird das Verfahren dann eingestellt oder gibt es einen Freispruch, dann konnte halt nichts bewiesen werden. Unschuldsvermutung gibt es im heutigen Skandalgeschäft nicht mehr. Es zählt nur noch der Spaß an der gemeinsamen Jagd.
5. Optional
tingeltangel-bob 04.11.2013
Zitat von Observerwo ein Präsident von der Presse und sogenannten Experten gezwungen wurde, zurückzutreten. Am Ende kam eine Anklage über 700 Euro ungrad heraus - Ausgang ungewiss. Aber die Journaille hatte ihren Fall. Sollen wir etwa jetzt das ganze Spiel nochmal über uns ergehen lassen?
Ich glaube, Sie können mal getrost davon ausgehen, dass hier mehr als EUR 700 zur Debatte stehen, sonst hätte Hoeneß sicherlich nicht schon mal paar Millionen als Abschlagszahlung an den Fiskus überwiesen. Was mich nur brennend interessieren würde: wo kommen die kolportierten 300 Millionen überhaupt her? Hoeneß hatte ja angekündigt, den Verfassern dieser "Falschmeldung" juristisch den Allerwertesten aufzureißen, gehört hat man davon aber nie wieder was, also scheinen diese Zahlen so falsch nicht zu sein. Woher also kommen 300 Millionen, wenn seine Firma ein JahresUMSATZ von 45 Millionen hat? Untreue zum Schaden des Vereins? Oder gar Vereinsgelder?
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