Steuerhinterziehung Anklage gegen Bayern-Präsident Hoeneß

Auch seine Selbstanzeige wird Uli Hoeneß wohl kein Gerichtsverfahren ersparen: Die Staatsanwaltschaft München hat offiziell Anklage wegen Steuerhinterziehung gegen den Präsidenten des FC Bayern erhoben. Als nächstes muss das Landgericht über die Zulassung entscheiden.

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Hamburg - Nun ist es offiziell: Uli Hoeneß ist wegen Steuerhinterziehung angeklagt, das teilte die Staatsanwaltschaft II München am Dienstag mit. Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München müsse nun entscheiden, ob die Anklage gegen den Präsidenten des FC Bayern München zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird.

Das Gericht teilte mit, die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen am Montag abgeschlossen und am Dienstag Anklage erhoben. "Angesichts des Umfangs der Ermittlungsakten sowie der Tatsache, dass der Verteidigung zunächst eine Äußerungsfrist von einem Monat zugebilligt wurde, ist mit einer Entscheidung des Gerichts über die Eröffnung voraussichtlich nicht vor Ende September 2013 zu rechnen", erklärte Justizsprecherin Andrea Titz.

Vor der Entscheidung über die Eröffnung würden keine weiteren Einzelheiten zur Anklage mitgeteilt, zumal in Steuerstrafverfahren besondere Geheimhaltungspflichten gelten würden. Der FC Bayern München wollte zunächst keinen Kommentar zur Anklageerhebung gegen Hoeneß abgegeben.

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Uli Hoeneß: Ein Leben für den FC Bayern
Sollte es zum Prozess kommen, kann Hoeneß nach Informationen des SPIEGEL auf ein mildes Urteil hoffen. Demnach scheint die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung beantragen zu wollen. Zudem solle der Aufsichtsratsvorsitzende der FC Bayern München AG eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen zahlen, was einer weiteren Freiheitsstrafe von zwei Jahren entspricht.

Hoeneß hatte im Januar bei den Finanzbehörden eine Selbstanzeige eingereicht. Er gab zu, Kapitalerträge auf einem Depotkonto bei der Zürcher Privatbank Vontobel nicht versteuert zu haben. Auf diesem Konto lagerten über mehrere Jahre bis zu 20 Millionen Euro für Aktien- und Devisengeschäfte. Die Staatsanwaltschaft München II hatte daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen Hoeneß eingeleitet. Die Selbstanzeige war unzureichend.

Hoeneß selbst hatte sich vergangene Woche im Rahmen des Testspiels gegen den FC Barcelona erstmals seit Wochen zu seinem Steuerfall geäußert - und sich optimistisch gezeigt, dass die Angelegenheit für ihn glimpflich ausgeht. "Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung gibt", so der 61-Jährige. Er denke, "dass es in den nächsten zwei, drei Monaten" eine Entscheidung geben werde. Er habe "wie 48.000 andere Deutsche" eine Selbstanzeige gestellt und wüsste nicht, "warum meine nicht gültig sein sollte".

Im März wurde Hoeneß' Villa am Tegernsee durchsucht, dabei präsentierten die Ermittler einen Haftbefehl. Dieser wurde ausgesetzt, weil Hoeneß mehrere Millionen Euro Kaution zahlte.

dab/luk/sid/dpa



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insgesamt 175 Beiträge
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Seite 1
to5824bo 30.07.2013
1. Nicht viel zu diskutieren
Zitat von sysopREUTERSAuch seine Selbstanzeige wird Uli Hoeneß wohl kein Gerichtsverfahren ersparen: Die Staatsanwaltschaft München hat offiziell Anlage wegen Steuerhinterziehung gegen den Präsidenten des FC Bayern erhoben. Als nächstes muss das Landgericht über die Zulassung entscheiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuerhinterziehung-anklage-gegen-bayern-praesident-uli-hoeness-a-913920.html
Hm, die Meldung ist natürlich wichtig, aber viel zu diskutieren gibt es eigentlich nicht. Interessant wird es doch erst, wenn die Verhandlung beginnt und die Fakten auf den Tisch kommen (oder in dem unwahrscheinlichen Fall, dass das Landgericht die Anklage nicht zulassen sollte).
moistvonlipwik 30.07.2013
2.
Non-Event. Die Anklage war erwartet worden. Jetzt ist es Aufgabe des Gerichts, über die Zulassung zu entscheiden. Dazu können andere, die weder über Akten- noch über Rechtskenntnisse verfügen, nichts beitragen.
Ausfriedenau 30.07.2013
3. Schöne Nachricht
Zitat von sysopREUTERSAuch seine Selbstanzeige wird Uli Hoeneß wohl kein Gerichtsverfahren ersparen: Die Staatsanwaltschaft München hat offiziell Anlage wegen Steuerhinterziehung gegen den Präsidenten des FC Bayern erhoben. Als nächstes muss das Landgericht über die Zulassung entscheiden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuerhinterziehung-anklage-gegen-bayern-praesident-uli-hoeness-a-913920.html
Ein Lob auf die Staatsanwaltschaft in München. Nun wird sich zeigen, ob das Landgericht die Anklage zulässt. Sollte das nicht der Fall sein, dann hätte der bayrische Filz bereits eklatante Formen angenommen. Der Spiegel hatte ja vor 1 Woche vermutet, es gehe alles einigermaßen gut für Hoeneß aus: selbst wenn es zur Anklage käme, läge der hinterzogene Betrag unter 1 Mill. € und würde möglicherweise ein Schöffengericht außerhalb Münchens entscheiden. Warten wir ab.
LasseStehnken 30.07.2013
4. Sollte die Staatsanwaltschaft nicht
im Namen des Staates ein relativ hartes Urteil fordern? Und es der Verteidigung überlassen einen Weg zu finden, dass der Herr Hoeneß nicht hinter Gitter muss. Ich ahbe das Gefühl die Staatsanwaltscahft aht hier mit allen mitteln getrickst um trotz des Hohen mindeststrafmaß eine Bewährung zu ermöglichen.... Mir scheint, die haben ihre Aufgabe nciht verstanden.
mumienschubser, 30.07.2013
5. Die Staatsanwaltschaft..
...kann 20 Mal Anklage erheben, das Gericht muss diese auch zulassen und wenn das Gericht der Meinung sein sollte, dass die Anklage nicht zulässig ist, weil die Selbatanzeige rechtmäßig war, wird es keine Anklage geben.
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