Athen - Griechenland liegt am Boden, viele Menschen kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz - offenbar zunehmend mit unlauteren Mitteln: In den Touristenhochburgen blüht in der Ferienzeit die Steuerhinterziehung. In mehr als der Hälfte (55,7 Prozent) der in den vergangenen Wochen kontrollierten Tavernen, Bars und Souvenirgeschäften seien die Prüfer fündig geworden, teilte die Steuerfahndung am Dienstag mit.
Die Beamten überprüften zwischen dem 6. Juli und dem 19. August 4067 Firmen auf 46 Inseln und in wichtigen Tourismuszentren auf dem Festland. Insgesamt wurden 31.237 Unregelmäßigkeiten festgestellt. Die Lage habe sich verschlimmert, hieß es. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres hatten die Steuerfahnder in 53 Prozent der kontrollierten Geschäfte Steuerhinterziehung aufgedeckt. Zahlreiche Unternehmer kassierten den Behördenangaben zufolge zwar mittlerweile die Mehrwertsteuer, steckten sie aber in die eigene Tasche - in der Vergangenheit tauchte dieser Posten auch schon mal einfach nicht auf Quittungen auf.
In der vergangenen Woche hatten aufgebrachte Einwohner der griechischen Insel Hydra aus Wut auf Steuerfahnder eine Polizeistation belagert, sie schleuderten Steine, Feuerwerkskörper und Leuchtkugeln. Der Grund: Die Ermittler hatten zuvor den Besitzer einer der bekanntesten Tavernen auf der Ägäis-Insel festgenommen, weil er und seine Mutter keine Quittungen ausstellten. Die Steuerfahnder wurden auf dem Weg zur Polizeistation attackiert. "Wir haben kaum noch Arbeit, und die nehmen uns noch fest", sagte ein Barbesitzer.
Griechenland befindet sich in einer Rezession, die Arbeitslosenquote liegt bei 24 Prozent. Wegen eines drohenden Staatsbankrotts müssen etliche Milliarden eingespart werden. Staatsbediensteten wird das Gehalt gekürzt, Rentner verlieren Bezüge, im Sozialbereich wird massiv gespart. Bisher haben die Bemühungen der Regierung trotz massiver Hilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfond (IWF) nicht zu einer Trendwende geführt. Derzeit ist unklar, ob und wie Griechenland sich in der Euro-Zone halten kann.
bos/dpa
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