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Steuerhinterziehung: Italiener betrügen Staat um 120 Milliarden Euro im Jahr

Die Regierung in Rom streicht im Kampf gegen die gigantische Staatsverschuldung die Ausgaben zusammen. Gleichzeitig entgehen Italien gewaltige Einnahmen: Laut einem Zeitungsbericht hinterziehen die Bürger schätzungsweise knapp 120 Milliarden Euro Steuern im Jahr.

Ferrari auf der Via del Corso in Rom: Gigantische Steuerhinterziehung Zur Großansicht
AP

Ferrari auf der Via del Corso in Rom: Gigantische Steuerhinterziehung

Mailand - Es ist ein drastisches Sparpaket, das Italiens neuer Regierungschef Mario Monti im Dezember durch das Parlament peitschte: Die Italiener dürfen künftig erst Jahre später in den Ruhestand gehen, die Mehrwertsteuer wird erhöht, ebenso Haus- und Grundsteuern. Immerhin 30 Milliarden Euro will Monti mit den Maßnahmen jährlich zusammenbekommen.

Doch dieser Betrag ist nur ein Bruchteil dessen, was dem italienischen Staat offenbar von seinen Bürgern vorenthalten wird: Geschätzte knapp 120 Milliarden Euro schleusen die Italiener der Zeitung "La Repubblica" zufolge im Jahr am Fiskus vorbei. Diese Summe entspricht insgesamt knapp 30 Prozent der gesamten Einnahmen.

Die Zeitung hat für die Berechnung unter anderem aktuelle Daten des italienischen Rechnungshofs mit Untersuchungen über den informellen Arbeitssektor und Zahlen der Wirtschaftsentwicklung miteinander verglichen. So wurde die Differenz zwischen tatsächlichen Einkünften und den Einkünften, die dem Fiskus gemeldet wurden, ermittelt.

Allein bei der Einkommensteuer werden dem Bericht zufolge 49,5 Milliarden Euro jährlich hinterzogen. Bei der Mehrwertsteuer belaufe sich der Fehlbetrag auf 44,7 Milliarden Euro. Es handelt sich um Schätzungen, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen. Bislang ging man laut dem Bericht davon aus, dass dem Staat lediglich 100 Milliarden Euro an Abgaben vorenthalten werden.

Arme Italiener fahren Ferrari und Co.

Der seit November amtierende Ministerpräsident Monti hat dem Steuerbetrug ohnehin den Kampf angesagt - angesichts der nun veröffentlichten Zahlen ein wichtiger Aspekt, um das Land aus dem Schuldensumpf zu führen. Italien ist mit mehr als 120 Prozent seiner Wirtschaftskraft verschuldet. Da zudem die Wirtschaft stagniert und die Arbeitslosigkeit hoch ist, misstrauen die Finanzmärkte dem Euro-Land und verlangen hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen.

Wie dreist manche Steuersünder in Italien vorgehen, wurde erst kürzlich an einer Aktion von Fahndern im noblen Wintersportort Cortina d'Ampezzo deutlich. Sie kontrollierten mehr als 250 Besitzer von Ferraris und anderen Luxusautos, von denen 42 angaben, ihr Bruttoeinkommen sei niedriger als 30.000 Euro im Jahr. Zudem waren mehr als 50 der Nobelkarossen offiziell Firmenwagen - von Unternehmen, die entweder Verluste schrieben oder nur geringe Einnahmen an den Fiskus gemeldet hatten. Der Spott der Presse über "die Armen in Luxusautos" war groß.

Auch Griechenland hat enorme Probleme mit säumigen Steuerzahlern. Laut einem Bericht einer Expertenkommission der EU schulden die Griechen ihrem Staat insgesamt rund 60 Milliarden Euro an Steuern.

fdi/Reuters

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1. Wir brauchen neue Überschriften...
Casparcash 19.01.2012
Zitat von sysopDie Regierung in Rom streicht im Kampf gegen die gigantische Staatsverschuldung die Ausgaben zusammen. Gleichzeitig entgehen Italien gewaltige Einnahmen: Laut einem Zeitungsbericht hinterziehen die Bürger*schätzungsweise*knapp 120 Milliarden Euro Steuern im Jahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810118,00.html
wir brauchen gar nicht so schelmisch zu grinsen. steuerhinterziehung findet auch in unserem lande zur genüge statt.
2.
jan_g 19.01.2012
Zitat von Casparcashwir brauchen gar nicht so schelmisch zu grinsen. steuerhinterziehung findet auch in unserem lande zur genüge statt.
Dem kann ich nur zustimmen. Wo bleibt der Artikel "Deutsche betrügen Staat um 70 Milliarden Euro im Jahr"?
3.
frubi 19.01.2012
Zitat von sysopDie Regierung in Rom streicht im Kampf gegen die gigantische Staatsverschuldung die Ausgaben zusammen. Gleichzeitig entgehen Italien gewaltige Einnahmen: Laut einem Zeitungsbericht hinterziehen die Bürger*schätzungsweise*knapp 120 Milliarden Euro Steuern im Jahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810118,00.html
Ich verstehe die Italiener. Wer gibt denn noch gerne etwas an den Staat, wenn die Verantwortlichem im Staat das Geld quasi vernichten? Steuerhinterziehung ist natürlich kein Kavaliersdelikt aber aktuell könnte man auch das Geld nehmen und es in den Ofen pfeffern.
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zapallar 19.01.2012
Zitat von Casparcashwir brauchen gar nicht so schelmisch zu grinsen. steuerhinterziehung findet auch in unserem lande zur genüge statt.
Mit dem Unterschied, daß uns aus Italien niemand Geld zur Rettung unserer Wirtschaft gibt ;)
5. Will keinen Ferrari kaufen
Gustav Struve 19.01.2012
Zitat von sysopDie Regierung in Rom streicht im Kampf gegen die gigantische Staatsverschuldung die Ausgaben zusammen. Gleichzeitig entgehen Italien gewaltige Einnahmen: Laut einem Zeitungsbericht hinterziehen die Bürger*schätzungsweise*knapp 120 Milliarden Euro Steuern im Jahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,810118,00.html
Für das was der italienische und der griechische Bürger seinem Staat an Steuern vorenthält, soll nun der deutsche Steuerzahler einspringen? D.h. die Deutschen könnten sich Ferraries leisten, nur fahren dürfen sie sie nicht.
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Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 60,796 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Sergio Mattarella

Regierungschef: Matteo Renzi

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Steckbrief Italien
Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Das Land hat im Gegensatz zu Griechenland zwar eine recht solide Wirtschaft, leidet aber ebenfalls unter einer gigantischen Staatsverschuldung. Die wichtigsten Daten im Überblick:
Wirtschaftsleistung 2011
1589 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2589 Milliarden Euro

Griechenland: 222 Milliarden Euro
Wirtschaftswachstum 2011
+0,7 Prozent, zum Vergleich:

Deutschland: 2,9 Prozent

Euro-Zone: 1,6 Prozent
Wirtschaftswachstum 2012
+0,6 Prozent
Staatsverschuldung
1911 Milliarden Euro, zum Vergleich:

Deutschland: 2133 Milliarden Euro

Griechenland: 351 Milliarden Euro
Staatsverschuldung in Prozent des BIP
120 Prozent. Das ist doppelt so viel wie nach dem europäischen Stabilitätspakt eigentlich erlaubt.
Neuverschuldung 2011
4,0 Prozent. Laut Stabilitätspakt dürften es nur 3,0 Prozent sein.
Arbeitslosenquote
8,3 Prozent. In der Euro-Zone sind es 10,0 Prozent.

Quelle: EU-Kommission
Daten und Fakten zur Steuerhinterziehung
Wie viel Steuern hinterziehen die Deutschen?
Steuerhinterziehung ist laut Deutscher Steuergewerkschaft zum Volkssport geworden. Auf 30 Milliarden Euro schätzt die Organisation das Volumen der jährlichen Steuerhinterziehung in Deutschland.
Was ist Steuerhinterziehung?
Steuern hinterzieht, wer gegenüber den Finanzbehörden keine, falsche oder unvollständige Angaben macht und dadurch Steuern verkürzt oder Steuervorteile erlangt. Daneben beschreibt das Gesetz besonders schwere Fälle der Steuerhinterziehung, für die ein besonders hoher Strafrahmen zur Verfügung steht. Das ist etwa der Fall, wenn jemand eine Stellung als Amtsträger ausnutzt oder als Mitglied einer Bande Umsatzsteuern hinterzieht.
Wann macht man sich strafbar?
Ein Bürger macht sich strafbar, wenn er selbst Steuern hinterzieht oder sich an der Tathandlung eines anderen beteiligt. In diesem Fall spricht man von Mittäterschaft, Anstiftung oder Beihilfe. Auch der Versuch einer Hinterziehung ist strafbar.
Müssen Steuersünder ins Gefängnis?
Steuerhinterzieher müssen nicht zwangsläufig ins Gefängnis. Gesetzlich wird Steuerhinterziehung mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht. In besonders schweren Fällen kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen. Welche Strafe im Einzelfall ausgesprochen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, maßgeblich jedoch von der Höhe des hinterzogenen Betrages. Aber auch Beweggründe und Ziele des Täters, sein Vorleben oder das Verhalten nach der Tat kommen in Bertacht - etwa ein Bemühen, den Schaden wiedergutzumachen.
Wie vermeidet man eine Bestrafung?
Wer unrichtige oder unvollständige Angaben beim Finanzamt berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt, bleibt insoweit straffrei. Man spricht in diesem Rahmen von einer "Selbstanzeige". Dabei gilt aber, dass eine Selbstanzeige dann wirkungslos ist, wenn sie in einer Phase erstattet wird, in der sich das Entdeckungsrisiko bereits konkretisiert hat, also beispielsweise, wenn dem Steuerpflichtigen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bereits bekanntgegeben wurde oder die Betriebsprüfung oder Steuerfahndung bei ihm erscheint.
Wie funktioniert eine Selbstanzeige?
Eine bestimmte Form der Selbstanzeige ist nicht vorgeschrieben. Es empfiehlt sich, den Rat eines Experten, zum Beispiel eines Steuerberaters, hinzuzuziehen, da viele Details zu beachten sind.
Verjährt das Delikt?
Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich nach den allgemeinen strafrechtlichen Vorschriften fünf Jahre. In einem besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung sind es zehn Jahre. Die strafrechtliche Verjährungsfrist beginnt, wenn die Tat beendet ist. Davon unabhängig ist die steuerliche Verjährungsfrist. Diese beträgt zehn Jahre. Das heißt, dass die Finanzbehörden hinterzogene Steuern auch noch nach zehn Jahren einfordern können.


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