Medienbericht Zahl der Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern bricht ein

Die stark verschärften Regeln für Steuersünder zeigen offenbar Wirkung: Laut "Handelsblatt" gab es 2016 bislang nur rund 4400 Selbstanzeigen.

Akten im Finanzamt Straubing  (Archivbild)
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Akten im Finanzamt Straubing (Archivbild)


Das zweite Jahr in Folge ist die Zahl der Selbstanzeigen von Steuerbetrügern stark zurückgegangen. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf die 16 Länderfinanzministerien. Demnach hätten sich 2016 bislang nur 4373 Steuerhinterzieher selbst beim Finanzamt angezeigt. 2014 hatte es mit rund 40.000 Selbstanzeigen noch einen Rekord gegeben, im vergangenen Jahr war die Zahl bereits auf nur noch rund 15.000 gesunken.

Ein Grund für die Entwicklung dürften die seit Januar 2015 stark verschärften Regeln für Steuersünder sein. Für sie ist es seither deutlich teurer, mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen. Die Neuregelung hatte 2014 nach Überzeugung der Finanzbehörden zu einem Vorzieh-Effekt geführt.

Außerdem ist der Druck auf Steuerhinterzieher in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Vor allem Nordrhein-Westfalen zeigt sich hartnäckig. Das Land hat seit 2010 elf Datenträger mit Daten mutmaßlicher Steuersünder erworben. Allein bei der Finanzverwaltung NRW seien seither mehr als 23.000 Selbstanzeigen mit Bezug zu Konten in der Schweiz eingegangen, sagte Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Das Land habe damit rund 1,2 Milliarden Euro eingenommen, bundesweit seien es sogar rund sechs Milliarden Euro gewesen.

Die Deutsche Steuergewerkschaft forderte Bund und Länder auf, Hochverdiener und Einkommensmillionäre mindestens so scharf zu kontrollieren wie lohnsteuerpflichtige Arbeitnehmer. "Lohneinkünfte und Rentenbezüge werden bis auf den letzten Euro elektronisch an das Finanzamt gemeldet und geprüft, während Hochverdiener mit Einkünften über 500.000 Euro nur alle sechs bis sieben Jahre mit einer umfassenden Steuerprüfung rechnen müssen", sagte Gewerkschaftschef Thomas Eigenthaler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

In einigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein sind die Selbstanzeigen dem "Handelsblatt"-Bericht zufolge im laufenden Jahr um fast 80 Prozent gegenüber 2015 zurückgegangen. Die meisten Selbstanzeigen gab es den Angaben zufolge 2016 mit bislang 1151 in Baden-Württemberg, gefolgt von Niedersachsen mit 926 und Nordrhein-Westfalen mit 655. In Bayern zeigten sich demnach 379 Personen selbst an. Allerdings könnten die Zahlen noch steigen, da Bayern, Hessen, Sachsen und Thüringen Selbstanzeigen nur quartalsweise erfassen.

max/dpa



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alternativloser_user 27.12.2016
1. ...
simple Lösung: Mehr Steuerfahnder einstellen und jeden der mehr als ne Viertelmillion im Jahr verdient alle 2-3 Jahre kontrollieren. Und wer beim bescheissen erwischt wird zahlt die Steuern nach und das zwanzigfache des hinterzogenen Geldes als Strafe obendrauf. Ausserdem gibts direkt 2 Jahr Knast auf Bewährung mit 10 Jahren Bewährungszeit. Und wer dann nochmal beim hinterziehen erwischt wird geht direkt 4 Jahre in den Bau. DAS stört die Hinterzieher nämlich wirklich. Über Geldstrafen lachen die meisten. Die Selbstanzeigen würden sowas von in die Höhe gehen. Aber so ein Gesetz wird nie kommen. Liegt vermutlich daran dass die Politker ja die Interessen der gesamten Bevölkerung vertreten von denen ca. 80% garnicht erst die Möglich haben Steuern zu hinterziehen da die ja automatisch mit jedem Monatsgehalt direkt beglichen werden. So richtig gut Steuern hinterziehen können eigentlich nur Selbstständige, Leute mit eigenem Unternehmen und Leute mit vielen Kapitaleinkünften. Kurz gesagt: die Reichen die ohnehin genug haben.
Grummelchen321 27.12.2016
2. kein
Wunder die gutenSteuerfahnder gehen in Rente.Die Gruppen aufgelöst.Der Staat hat also kein interesse daran die Bonzen zu überführen.
th.diebels 27.12.2016
3. Klasse
Hochverdiener werden nur alle fünf bis sechs Jahre erfasst und überprüft ! Das gibt mir aber sehr zu denken !
justusn 27.12.2016
4. Gut oder schlecht?
Da esc für Steuerpflichtige teurer wird, verzichten diese auf die Selbsranzeige. Hmm. Also bleibt es bei der Menge der Steuerhinterzieher? Blöd, weil jeder zusätzlich eingenommene Steuerzahler kann wieder verausgabt werden (,falls er es nicht schon ist...). Oder ist es eher so, dass weniger Steuern hinterzogen werde, weil es mittlerweile so teuer geworden ist? Eine qualifizierte Studie wäre sinnvoll. Der Artikel dürftig.
karljosef 27.12.2016
5. Alle Hartzer müssen damit rechnen, dass ihre Konten täglich überprüft werden
Dafür ist Personal vorhanden! Die Konten der Reichen gehören aber zu deren Privatsphäre! Wie heißt es im Grundgesetz: Art 3 (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Man sollte ergänzen (entsprechend George Orwell, Animal Farm) Manche Menschen sind gleicher...
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