Vollautomatisches Verfahren Steuererklärung ohne Belege - ab 2022

Für viele ist es jedes Jahr wieder ein Graus - doch künftig sollen Steuererklärungen deutlich einfacher werden: Die Bundesregierung will ein vollautomatisches System einführen, Belege müssen nicht mehr eingereicht werden.

Hinweisschild in Miesbach: Finanzämter sollen entlastet werden
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Hinweisschild in Miesbach: Finanzämter sollen entlastet werden


Die Bundesregierung will die jährliche Steuererklärung auf ein vollautomatisches Verfahren umstellen und Bürger und Finanzämter damit entlasten. Ab 2022 soll die Masse der unkomplizierten Steuererklärungen überwiegend maschinell erledigt werden. Ab dann sollen auch Belege wie Spendenquittungen nur noch auf Anforderung ans Finanzamt geschickt - und nicht wie jetzt zwingend eingereicht - werden müssen. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf will das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg bringen.

Nach den Plänen des Finanzministeriums soll die Rechtsgrundlage für die Volldigitalisierung zum 1. Januar 2017 stehen und dann bis 2022 flächendeckend umgesetzt werden. Die Reform ist Ergebnis einer 18-monatigen Debatte zwischen Bund und Ländern. Über Kernpunkte des nun bekannt gewordenen Gesetzesentwurfshatte der SPIEGEL bereits im September 2014 berichtet.

Mit der Reform will die Bundesregierung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen die Bürger jederzeit und papierlos mit dem Finanzamt kommunizieren können. Zum anderen sollen die Steuerprüfer von der Masse an relativ einfachen Fällen entlastet werden, um sich auf kompliziertere Fälle konzentrieren zu können. "Wir wollen die Bearbeitungszeiten verringern", hieß es in der Regierung.

Bereits 2014 hatte die große Koalition mit dem Einstieg in die vorausgefüllte Steuererklärung einen ersten Schritt hin zu einem vollautomatisierten Verfahren gemacht.

Beamte prüfen nur noch Stichproben

Am Ende soll nach den Vorstellungen der Regierung ein Steuerpflichtiger seine Daten im elektronischen Steuersystem Elster beim Finanzamt abrufen, prüfen und in seine digitale Steuererklärung übernehmen können. Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Ist die Steuererklärung fertig, wird sie per Knopfdruck an das Finanzamt übermittelt und dort maschinell geprüft. Der Steuerbescheid kommt dann idealerweise ebenfalls digital an den Steuerpflichtigen zurück.

"Das Ziel muss am Ende sein, dass wir die Mehrzahl der Fälle automatisiert bearbeiten können", sagte ein Vertreter des Finanzministeriums. Wer dem Computersystem des Fiskus allerdings nicht traut, kann jederzeit mit einem Klick eine Prüfung durch einen Sachbearbeiter beantragen. Auch wird es Stichproben geben. Dazu wird ein Risikofilter entwickelt, der nach noch festzulegenden Kriterien anschlägt - dann greift sich ein Finanzbeamter die verdächtige Steuererklärung heraus. In dem Fall könnten auch Belege angefordert werden, die man ebenfalls elektronisch übermitteln können soll.

Mit dem vollautomatischen System werden auch die Fristen für die Abgabe der Steuerklärung geändert - aber nur für jene, die einen Steuerberater beauftragen. Die sollen zwei Monate mehr Zeit bekommen. Statt dem 31. Dezember des Folgejahres gilt dann also Ende Februar als Stichtag. Wird die längere Frist überschritten, soll künftig eine Strafgebühr fällig werden.

fdi/Reuters/dpa

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