Druck aus Deutschland und Frankreich Juncker plant EU-weite Mindeststeuer für Firmen

Als Jean-Claude Juncker noch Premierminister von Luxemburg war, konnten Konzerne in seinem Land Steuern in Milliardenhöhe vermeiden. Als EU-Kommissionschef setzt er sich nun offenbar für eine europaweite Mindestabgabe für Firmen ein.

EU-Kommissionschef Juncker: Kehrwende bei der Körperschaftsteuer
AFP

EU-Kommissionschef Juncker: Kehrwende bei der Körperschaftsteuer


Die EU-Kommission erwägt offenbar erstmals, europaweit eine gemeinsame Untergrenze für die sogenannte Körperschaftsteuer vorzuschreiben. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Körperschaftsteuer ist eine Abgabe, die bestimmte juristische Personen, zum Beispiel Firmen, auf ihr Einkommen zahlen.

Kommissionschef Jean-Claude Juncker kommt demnach am Mittwoch mit den 27 anderen EU-Kommissaren zu einer Orientierungsdebatte über die künftige Unternehmensbesteuerung in Europa zusammen. Dabei werde auch das Thema Mindestbesteuerung eine Rolle spielen, heißt es in dem Bericht. Die Kommission reagiere auf eine Forderung Deutschlands und Frankreichs nach einem harmonisierten Mindestsatz in der Körperschaftsteuer.

Bislang wollte die EU lediglich die Bemessungsgrundlage in der Körperschaftsteuer vereinheitlichen. Eine Harmonisierung der Steuersätze lehnten die Mitgliedstaaten strikt ab. Doch unter dem Druck der sogenannten Luxleaks-Affäre hat ein Umdenken eingesetzt, berichtet das "Handelsblatt".

Vergangenes Jahr war bekannt geworden, dass Luxemburg ausländische Unternehmen wie das US-Versandhaus Amazon im großen Stil mit extrem günstigen steuerlichen Vorabsprachen ins Land lockt und damit anderen EU-Staaten massiv schadet. Viele Absprachen fallen in die Zeit zwischen 1995 bis 2013, in der Juncker Premierminister von Luxemburg war. Mit seiner Unterstützung sollen deutsche und internationale Konzerne insgesamt Steuerzahlungen in Milliardenhöhe vermieden haben.

Deutschland und Frankreich wollen sich das nicht länger bieten lassen. Wenn die Steuersätze auf ein extrem niedriges Niveau gedrückt würden, dann werde der Steuerwettbewerb unfair, zitiert die Zeitung aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums.

Die EU-Kommission will am 17. Juni einen Aktionsplan zur Unternehmensbesteuerung vorlegen. Bei der Mindestbesteuerung, hieß es in Brüssel, stehe man noch ganz am Anfang.

ssu



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 26.05.2015
1. Junckers ist genau der Richtige
Hacker werden ja auch als Sicherheitsspezialisten eingesetzt. Nichts ist wichtiger als den Feind genau zu kennen
KuGen 26.05.2015
2. Grotesk
Junker entwickelt Strategie gegen Junkersche Vergehen. Kann es noch abstruser werden ? ja, denn es ist die EU. Aber per heute gilt : ein neuer Gipfel ist erreicht
rizzorat 26.05.2015
3. bin ich voll dabei
wird aber eh nix weil die Wirtschaftslobby da gegen agitieren wird. Keine Chance das sowas durch geht.......
lezel 26.05.2015
4.
Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche. Schön, wenn Juncker nun dazu beiträgt, den Wettbewerb zu entzerren.
bergerangel 26.05.2015
5. Dieser Schuss
kann auch nach hinten los gehen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.