Kalte Progression Heimliche Steuererhöhung kostet Bürger Milliarden

Der Steuersatz steigt, die Inflationsrate steigt - und der Bürger hat am Ende trotz Gehaltserhöhung weniger in der Tasche. Durch die kalte Progression gehen Steuerzahlern laut Bundesfinanzministerium jährlich rund drei Milliarden Euro verloren. Das ist mehr als bislang angenommen.

Steuerformular: Ungelöstes Problem des deutschen Systems
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Steuerformular: Ungelöstes Problem des deutschen Systems


Hamburg - Im komplexen deutschen Steuersystem gehört die kalte Progression seit langem zu den ungelösten Problemen: Mit steigendem Einkommen erhöht sich auch der Steuersatz, zugleich wird ein Teil des zusätzlichen Lohns durch die Inflation aufgefressen. Gleicht eine Gehaltserhöhung lediglich die Inflation aus, so hat der Steuerzahler deshalb am Ende sogar weniger Geld in der Tasche.

Allein zwischen 2011 und dem Ende des laufenden Jahres gehen dem Bürger durch die kalte Progression insgesamt neun Milliarden Euro verloren. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") unter Berufung auf eine Anfrage des Linken-Politikers Axel Troost beim Bundesfinanzministerium. Auch im kommenden Jahr werde die Belastung drei Milliarden Euro betragen.

Der Wert liegt der "SZ" zufolge über bisherigen Schätzungen, die überwiegend von einem Wert unter drei Milliarden Euro ausgegangen seien. Besonders betroffen seien Einkommensgruppen mit einem Jahreseinkommen zwischen 55.000 und 65.000 Euro, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den Berliner Ökonomen Frank Hechtner. Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem Jahresbrutto von 60.000 Euro verliere zwischen 2011 und 2014 insgesamt 488 Euro. Einen Alleinstehenden mit einem Jahresbrutto von 30.000 Euro koste die kalte Progression im selben Zeitraum gut 207 Euro.

Die Bundesregierung wollte die kalte Progression zumindest abmildern, scheiterte mit dem Vorhaben jedoch Ende 2012 im Bundesrat. SPD und Grüne lehnten es als sozial unausgewogen ab und forderten im Gegenzug eine Anhebung des Spitzensteuersatzes für Top-Verdiener.

dab



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insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
christophe_le_corsaire 08.04.2013
1. Des einen Dividende..
..ist des anderen kalte Progression. BTW: Was ist eine "Gehaltserhöhung"? Kenn´ich nicht...
burgundy2 08.04.2013
2.
Zitat von sysopDPADer Steuersatz steigt, die Inflationsrate steigt - und der Bürger hat am Ende trotz Gehaltserhöhung weniger in der Tasche. Durch die kalte Progression gehen Steuerzahlern laut Bundesfinanzministerium jährlich rund drei Milliarden Euro verloren. Das ist mehr als bislang angenommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuern-kalte-progression-kostet-buerger-jedes-jahr-milliarden-a-893027.html
Da hilft nur eins: Eine Steueroase ansteuern!
mps58 08.04.2013
3. Danke SPD, Danke Grüne!
Vielen Dank Rot-Grün, dass ihr uns Arbeitnehmern unser Geld vorenthalten habt. Wir wissen das zu schätzen, ihr braucht das Geld ja für sozialdemokratisch gemanagte Großprojekte wie den Berliner Flughafen und für eure sozialistischen Freunde in Frankreich und ihre südlichen Verbündeten, sowie für Kohlesubventionen und andere zukunftsweisende Projekte.
prophet46 08.04.2013
4. Steuerprüfergewerkschaft
Danke für die Steuerprogression an die rot-grüne Mehrheit im Bundesrat und ihr Tackgeber Madame NW.
-fussel- 08.04.2013
5. wundert es...
...irgendjemanden wirklich was hier steht. Die Inflation im letzten Jahr hat auch so schon ausgereicht, um Vermögen auf Konten schrumpfen zu lassen, wenn man nicht sein gesamtes Gehalt ausgegeben hat. Irgendwoher muss die ständige Gewinnerhöhung der Unternehmen ja kommen... wobei dass sowieso ein Witz ist in einem System mit begrenzen Ressourcen und begrenzen Platzen unendlichen Wachstum anzustreben.
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