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Studie: OECD fordert strengere Besteuerung von Reichen

Reichenmesse Miljonair Fair in Amsterdam (Archiv): Sonderabteilungen in Finanzämtern gefordert Zur Großansicht
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Reichenmesse Miljonair Fair in Amsterdam (Archiv): Sonderabteilungen in Finanzämtern gefordert

Weltweit gibt es immer mehr Reiche, sie werden immer wohlhabender. Aber die meisten Länder besteuern sie nicht streng genug, rügt die OECD. Auch in Deutschland fehlen demnach spezialisierte Abteilungen in den Finanzämtern.

In den meisten Industrieländern sind die Steuerbehörden offenbar nicht angemessen auf die Prüfung von Wohlhabenden eingerichtet. Zu diesem Schluss kommt die OECD in einer vergleichenden Studie - und mahnt die Steuerbehörden, ihrer reichen Klientel aufmerksamer auf die Finger zu schauen als bislang.

Die Industrieländerorganisation untersucht regelmäßig die Steuerverwaltungen ihrer Mitglieder. Die nun erschienene Studie "Tax Administration 2015" ist bereits die sechste derartige Publikation, sie vergleicht dabei sowohl die Strukturen als auch die Effektivität der Steuerbehörden in 56 Ländern.

Bereits in der Vorgängerstudie von 2009 war die steuerliche Behandlung von Reichen einer der untersuchten Aspekte - verbunden mit einem konkreten Ratschlag für die Steuerbehörden. In der nun erschienenen Studie ziehen die Autoren allerdings ein ernüchtertes Fazit über die Umsetzung: "Obwohl die Zahl und der Wohlstand der Reichen in den vergangenen Jahren offensichtlich deutlich gewachsen ist, haben nur relativ wenige Steuerbehörden spezielle Abteilungen für sie eingerichtet, wie es in der Studie von 2009 empfohlen wurde."

Konkret hatten nur 17, also rund ein Drittel der 56 untersuchten Länder eigene Abteilungen in den Steuerbehörden eingerichtet - Deutschland gehört nicht dazu. Und nur in fünf Staaten seien jene Abteilungen auch gut ausgestattet: Australien, Indonesien, Großbritannien, die USA - und ausgerechnet Griechenland. Das Krisenland hat eine entsprechende Abteilung demnach im Laufe des Jahrs 2013 eingerichtet.

Integrität des gesamten Systems gefährdet

Als reich im Sinne der OECD-Studie gelten Einzelpersonen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar, sogenannte High Net Worth Individuals. Die Studie zitiert Zahlen des World Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini und der Royal Bank of Canada aus dem Jahr 2013. Demnach ist die Zahl der Reichen auf der ganzen Welt mit Ausnahme von Lateinamerika in den vergangenen Jahren stark gestiegen - ein Befund, der auch von anderen Vermögensstudien bestätigt wird.

Gerade diese Personengruppe ist für die Steuerbehörden eine Herausforderung, stellt die Studie fest. Nicht selten seien deren Besitz und Geschäfte ausgesprochen komplex strukturiert, zudem böten sich den Reichen Möglichkeiten, mit ausgeklügelten Modellen Steuern zu vermeiden oder zu hinterziehen. Wie der Fiskus mit ihnen umgehe, habe Auswirkungen auf die Integrität des gesamten Steuersystems.

Daher halten die OECD-Experten es für sinnvoll, in eigenen Abteilungen das erforderliche Know-how zu bündeln, um die Wohlhabenden zu prüfen. In diesen Abteilungen sollten speziell geschulte Beamte zusammengezogen werden. Diese sollten auch einen regelmäßigen Dialog mit den Wohlhabenden oder deren Steuerberatern aufrechterhalten.

Ebenfalls für wichtig erachten die Studienautoren, dass die Finanzbeamten auf dem neuesten Stand sind, was ausgeklügelte Steuersparmodelle betrifft. Zudem sei es nötig, die Zusammenarbeit der Steuerbehörden über Grenzen hinweg zu verbessern.

fdi

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insgesamt 488 Beiträge
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1. Was biitschön nutzen Steuern...
franxinatra 13.08.2015
wenn sich die Betreffenden die wiederholen können, indem sie sich durch Abschreibungenangebote wieder 'arm' rechnen können; hatte auch keiner durchschaut, als die SPD eine Reichensteuer forderte....
2. Vergleichen Sie nur einmal die Steuern
oberallgaeuer 13.08.2015
auf Kapitalerträge (25 %) mit den Lohnsteuersätzen. Das sagt schon alles.
3. Vielleicht sollte man
jadenew1 13.08.2015
doch erst einmal die Steuerersparnisschlupflöcher ein für Alle mal eliminieren. Wer reich genug ist, kann auch wie jeder Andere auch, seine Steuern bezahlen. Aber dies wird natürlich nicht passieren, da wäre der Aufstand vorprogrammiert.
4.
tetaro 13.08.2015
"In den meisten Industrieländern sind die Steuerbehörden offenbar nicht angemessen auf die Prüfung von Wohlhabenden eingerichtet" In den meisten Industrieländern sind die Wohlhabenden diejenigen, die den meisten politischen Einfluss ausüben. Deshalb könnte man die Wohlhabenden eigentlich auch gleich auffordern, sich selbst angemessen zu besteuern.... Es wird deshalb einfach nie passieren.
5. Keep calm and relax
emobil 13.08.2015
So lange die politischen Verhältnisse in praktisch allen Ländern der EU so liegen wie sie nun mal liegen können die oberen 3 - 5% der Bevölkerung weiterhin ganz ruhig schlafen. Und unter einer CDU/ SPD-Regierung ändert sich eh nichts - und in den Finanzämtern schon mal gar nicht. Der Laie hat kaum realistische Vorstellungen davon, wie es bei den Betriebsprüfungen aussieht; da wird schon seit Jahren gekürzt statt ausgebaut. Und in spätestens 4 Wochen ist diese Meldung wieder gänzlich vergessen.
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