Steuern und Finanzen 2018 wird gut für Ihren Geldbeutel

Weniger Steuern, mehr Rente, verbesserte Rechte für EU-Bürger: 2018 können Sie automatisch oder mit einfachen Mitteln finanziell mehr rausholen. Hier sind ein paar Tipps und Vorsätze - garantiert leicht gemacht.

Supermarktkasse
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Eine Kolumne von


Weniger arbeiten, endlich mehr entspannen. Oder die neuen Laufschuhe im Stadtpark ausprobieren.

Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind etwas Feines. Ich habe Ihnen sechs finanzielle Vorsätze zusammengestellt, die leicht und schnell umzusetzen sind (damit der innere Schweinehund keine Chance hat). Außerdem spülen sie Ihnen nachhaltig mehr Geld in die Haushaltskasse. Hinzu kommen Tipps für zusätzliches Geld, das Sie quasi nur mitnehmen müssen, das ohne viel Aufwand auf Ihrem Konto landen sollte.

Angefangen mit den Vorteilen, die uns Europa bringt:

  • Mit Kreditkarte bezahlen: Ab dem 13. Januar 2018 dürfen Händler beim Onlineshoppen keine zusätzlichen Gebühren mehr erheben, wenn Sie mit gängigen Kreditkarten wie Visa oder Mastercard bezahlen - ein neues EU-Recht, das uns Kunden hilft. Besonders nützlich sind die neuen Regeln beim Buchen von Flugreisen. Bei vielen Billigairlines war die Abzocke über Kreditkartengebühren üblich.
  • Vorteil nach Kartenklau: Wird ihre Bank- oder Kreditkarte geklaut und der Dieb schafft es, damit zu bezahlen, bevor sie die Karte gesperrt haben, müssen Sie sich künftig (auch ab dem 13. Januar) mit nur noch höchstens 50 Euro am Schaden beteiligen. Bislang waren es 150 Euro. Entsprechendes Europarecht muss in Deutschland jetzt umgesetzt werden.
  • Telefonnepp stoppen: Angerufen werden und beim Rückruf in teure Kostenfallen tappen - auch das soll ab Mitte Januar deutlich erschwert werden. Ihr Mobilfunkanbieter muss bei Anrufen in 22 Länder künftig erstmal eine Kostenansage vorschalten. Die Vorwahlen mancher Länder ähneln deutschen Städtevorwahlen, zum Beispiel Serbien (00381), die Vorwahl von Rostock ist 0381; oder Madagaskar (00261), Koblenz 0261.
    Wenn Sie die Kostenansage hören, können Sie einfach kostenlos auflegen. Außerdem hat die Bundesnetzagentur in den vergangenen Monaten für einige Zigtausend dieser Abzock-Telefonnummern die Abrechnung und das Inkasso verboten. Sie müssen nichts zahlen.
  • Nach Herzenslust streamen: Keine Sorge mehr vor Langeweile im Griechenland-, Spanien- oder Polen-Urlaub. Ab März können Sie die abonnierten Streaming-Dienste wie Netflix, Spotify oder Maxdome ohne Zusatzkosten auch in allen 27 EU-Ländern nutzen. Das sogenannte Geoblocking ist dann verboten, durch das einige Inhalte nur in bestimmten Ländern zugänglich sind.
Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Hier müssen Sie ein bisschen aktiv werden - und können sparen

  • Stromanbieter wechseln: Während bei den Gasversorgern zu Jahresbeginn nur vereinzelt die Preise gestiegen sind, wird der Strom vor allem in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfahlen und Baden-Württemberg oft teurer. Aber kein Problem - wechseln Sie einfach den Anbieter. Frei nach den Bremer Stadtmusikanten: "Etwas Besseres als einen teuren Anbieter findest du überall".
  • Krankenkasse wechseln: Bei etlichen Krankenkassen sinken 2018 die Zusatzbeiträge - im Schnitt um 0,1 Prozent. Bei einem Bruttoverdienst von 4000 Euro im Monat wären das vier Euro. Zwischen der teuersten und der preiswertesten Krankenkasse liegt aber häufig ein Beitragsunterschied von einem Prozent, also in diesem Beispiel 40 Euro im Monat. Die können Sie durch einen Kassenwechsel sparen.

Hier bekommen Sie automatisch mehr Geld

  • Steuern sparen: Bei gleichem Einkommen müssen sie künftig weniger Steuern zahlen. Die Einkommensgrenze, ab der Sie einen bestimmten Steuersatz zahlen müssen, steigt nämlich - um 1,65 Prozent für jede Grenze. Für die ersten 9000 Euro Einkommen müssen Sie als Single gar keine Steuern mehr zahlen. 2017 galt das nur für 8820 Euro. Für Ehepaare ist doppelt so viel Einkommen steuerfrei.
  • Sozialbeiträge sparen: Sie verdienen 4000 Euro brutto? Dann müssen Ihr Arbeitgeber und Sie künftig vier Euro weniger im Monat in die Rentenkasse einzahlen, Sie bekommen zwei Euro pro Monat mehr ausgezahlt. Wenn Sie viel verdienen, etwa 6500 Euro brutto im Monat, werden Sie allerdings mehr Rentenbeiträge zahlen müssen, weil die Grenze ansteigt, bis zu der Sie Rentenbeiträge bezahlen müssen.
  • Endlich mehr Lohn: Der Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde gilt künftig für Arbeitnehmer aller Branchen. Tarifverträge, die 2017 noch Löhne darunter vorsahen, müssen angepasst werden.
  • Kindergeld kassieren: Ab 2018 gibt es pro Kind und Monat zwei Euro mehr. Der Teil des Kinderfreibetrags, der das Existenzminimum des Kindes sichern soll, erhöht sich um 36 Euro für jeden Elternteil, also insgesamt um 72 Euro auf 4788 Euro für beide Eltern. Hinzu kommt der Freibetrag für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf von 1320 Euro pro Kind und Elternteil, sodass ein Elternpaar 2018 auf einen Freibetrag von 7428 Euro kommt.
  • Endlich Rente: Wenn Sie ab 2018 eine Erwerbsminderungsrente beziehen, weil Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können, gibt es etwas mehr Rente. Der Gesetzgeber tut nämlich so, als ob Sie bis 62 Jahre und drei Monate wie bisher durchgearbeitet hätten.
  • Mehr Rente für alle: Für Rentner soll es ab dem Sommer mehr Geld geben. Drei Prozent mehr prognostiziert die Deutsche Rentenversicherung. Ganz sicher ist das noch nicht.
  • Etwas mehr Hartz IV: Wer mit Hartz IV oder einer Grundrente auskommen muss, erhält als Alleinstehender künftig als Regelsatz 416 statt 409 Euro. Immer noch nicht auskömmlich. Paare erhalten pro Nase bis zu 374 Euro, 6 Euro jeweils mehr - und Kinder 3 bis 5 Euro mehr. Im Laufe des Jahres kann das Geld dann auch an der Supermarktkasse abgehoben werden.

Besser bauen - aber nicht notwendig billiger

  • Cleverer bauen: Wenn Sie bauen wollen, müssen Ihnen Firmen künftig deutlich detailliertere Baubeschreibungen aushändigen, sodass sie dann Preise besser vergleichen und schlechte Leistungen besser beweisen können. Eine Excel-Tabelle hilft. Außerdem muss der Handwerker künftig verbindlich zusagen, wann er fertig ist. Gilt aber nur für private Bauherren, nicht für Planer von Flughäfen oder Tiefbahnhöfen.
  • Richtig bezahlen: Handwerkerrechnungen sollten Sie wegen der möglichen Steuerersparnis immer überweisen und nicht bar bezahlen. Barzahlen wird künftig bei hohen Summen auch lästiger, weil in der Eurozone keine 500-Euro-Scheine mehr gedruckt werden.

Und dann...

Es hat geklappt, Sie dürften so tatsächlich etwas mehr Geld in der Tasche haben. Zur Nachhaltigkeit ist es jetzt nur noch ein kleiner Schritt: Sie könnten sich ab jetzt zum Beispiel jeden Monat ein Thema vornehmen, das Ihnen für wenig Arbeit viel Geld einbringt. Ich verrate Ihnen schon mal das Februar-Thema: die neue superleichte Steuererklärung. Mit dem ersten gesparten Geld könnten Sie zum Beispiel einen neuen Computer kaufen. Geräte bis 952 Euro brutto können Sie ab Januar sofort von der Steuer absetzen.



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
stadtmusikant123 30.12.2017
1. Preissteigerungen vergessen
Wenn man von Mieterhöhungen, allgemeinen Preissteigerungen wie bei Lebensmitteln, Strom usw. absieht - wird alles gut!
stoffi 30.12.2017
2. Alles Quatsch, von wegen mehr Rente
Was an Juli dazu kommt, wurde schon an Erhöhungen der Wohn und Energiekosten im Januar aufgefressen, was zur Folge hat, das dieses MEHR zum weniger im Jahr 2018 wird.
phoenix! 30.12.2017
3. Der Vorteil nach Kartenklau ist ...
... falsch dargestellt: Bei grober Fahrlässigkeit, z. B. PIN notiert, haftet man nach wie vor!
hotgorn 30.12.2017
4.
Wieso bekommen Paare, die nicht einmal verheiratet sein müssen, eigentlich weniger Hartz4 als alleinstehende Hartz4 Empfänger? Der Staat spar bei Paaren Mietkosten und Heizkosten sind auch geringer aber sie werden mit einem Geldmalus belegt, irgendwie blöd.
Spiegelleserin57 30.12.2017
5. alles hat seinen Preis,
weniger in die Rente einzahlen geht gar nicht denn man erhält dann auch weniger Rente... Krankenkassen haben individuelle Spielräume die eben nicht in Vertrag stehen und wer ständig wechselt wird sie eben auch nicht erhalten. Auch Kassen und Versicherungen schauen eben wer wie lange dort Kunde ist. 9000€ im Jahr muss man verdienen..witzig... mal umgerechnet auf den Monat sind pro Monat 750€ BRUTTO. Gibt es keine besseren Vorschläge wie man sinnvoll sparen kann? Es wäre besser auch Details zu erwähnen da alles seinen Preis hat. Was nutzt es wenn ich bei der Versicherung auf den Euro schaue und spare aber im Versicherungsfall dann eine Absage bekomme weil der Anspruch eben nicht in den Bedingungen steht , dann werden Augen aber ganz groß!
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