Steuervermeidung US-Konzerne horten zwei Billionen an Gewinnen im Ausland

Zu Hause zahlen sie 35 Prozent, anderswo nur sechs Prozent. Deshalb haben US-Konzerne einer Studie zufolge gut zwei Billionen Dollar im Ausland geparkt. Spitzenreiter ist Apple.

Hafen auf den Bermudas: Fast drei Viertel haben Töchter in Steueroasen
Corbis

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Die 500 größten US-Konzerne horten laut einer neuen Studie Gewinne in Höhe von 2,1 Billionen Dollar im Ausland, auf die sie in der Heimat insgesamt 620 Milliarden Dollar Steuern zahlen müssten. Zu diesem Ergebnis kamen die Nichtregierungsorganisationen Center for Tax Justice und US Public Interest Research Group Education Fund, indem sie Angaben gegenüber der US-Börsenaufsicht auswerteten.

Den Ergebnissen zufolge betreiben nahezu drei Viertel der Unternehmen Tochterfirmen in Ländern wie den Bermudas, Irland, Luxemburg und den Niederlanden. Spitzenreiter ist demnach Apple Chart zeigen, das 181,1 Milliarden Dollar außerhalb des Landes geparkt hat und bei einer Rückführung des Geldes in die USA 59,2 Milliarden Dollar an Steuern zahlen müsste.

Der Industriekonzern General Electric Chart zeigen kommt der Studie zufolge auf 119 Milliarden, der Softwarehersteller Microsoft Chart zeigen auf 108,3 Milliarden und die Pharmafirma Pfizer Chart zeigen auf 74 Milliarden Dollar. Laut ihren Angaben gegenüber den Behörden zahlten die Konzerne im Ausland durchschnittlich nur sechs Prozent an Unternehmenssteuern, wohingegen in der Heimat 35 Prozent fällig würden.

Die Studienautoren forderten, der US-Kongress solle "entschiedene Schritte ergreifen, um Konzerne von der Nutzung von Steueroasen abzuhalten". Dadurch werde "grundsätzliche Fairness ins Steuersystem zurückkehren, das Defizit sinken und die Funktionsfähigkeit der Märkte verbessert".

dab/Reuters

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Bueckstueck 06.10.2015
1. Obacht!
Was wohl die GOPler, allen voran das schrille Toupé dazu sagen, dass man die reichen Konzerne fair besteuern sollte?
appenzella 06.10.2015
2. Steuervermeidung?
Oder doch eher Steuerbetrug? Naja, darf man wohl so nicht sagen, ist ja formaljuristisch legal. Letztlich sind es Politiker, die Steuergesetze verabschieden, die zum legalen Betrug einladen. Und die Stimmung in der steuerzahlenden Bevölkerung wird immer ungehaltener, und die Politiker können so gar nicht verstehen, warum ihr Ansehen in der Bevölkerung immer weiter schwindet.
kimmberlie67 06.10.2015
3. US-Konzerne horten zwei Billionen an Gewinnen im Ausland
wer so etwas verbreitet ist wohl der Meinung BRD-Konzerne horten ihre Gewinne im Inland! Ich habe den Eindruck das Sommerloch ist wieder da.
Chatzi 06.10.2015
4. Steuergerechtigkeit?
Das ist ja lachhaft! Solange es Politiker gibt, die sich von Lobbyisten für ihre Zwecke benutzen lassen, wird es eine solche niemals geben!
Kater Bolle 06.10.2015
5. Hier ist unser Herr Juncker....
noch etwas schuldig. Einmal hat er in Luxemburg Steuerhinterziehung in gewaltigen Ausmaß organisiert. Zum anderen ist der noch eine Lösung schuldig, das in Europa ohne Ausnahmen die Steuervermeidungsmodelle kippt. Vor dem Gesetz sind alle gleich, auch vor den Steuergesetzen. Wenn hier Konzernen der Weg zur fast 0-Steuer geebnet wird und der Handwerksmeister die Steuer entsprechend der Steuergesetze in seinem Land zahlt, ist das ein Wettbewerbsnachteil. Auch sind solche Steuerermäßigungen ein massiver Verstoß gegen Wettbewerbsrecht = Eine Subvention. Das gehört doch zu den Werten der EWU so etwas zu vermeiden. Aber da will keiner ran. Verdacht: Die stecken unter einer Decke.
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