Endlich verständlich Das sollten Sie zum Thema Steuern wissen

Vom Einkauf bis zur Erbschaft: Steuern begleiten uns ein Leben lang. Warum müssen wir sie zahlen, wieso ist das Steuerrecht so kompliziert, und was fängt der Staat mit den Milliarden an? Die wichtigsten Zahlen und Fakten - endlich verständlich.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Seit wann und wozu gibt es Steuern?
  2. Welche Arten von Steuern gibt es?
  3. Wer muss Steuern zahlen?
  4. Wer bekommt die Steuereinnahmen?
  5. Was wird mit Steuern finanziert?
  6. Was bestimmt die Steuerbelastung?
  7. Wie gerecht ist die Besteuerung?
  8. Zahlen wir immer mehr Steuern?
  9. Könnte das Steuersystem nicht einfacher sein?
  10. Wie werden Vermögen besteuert?
  11. Was lässt sich von der Steuer absetzen?
  12. Wer muss eine Steuererklärung machen und wann gibt es Geld zurück?
  13. Wie werden Steuern vermieden und hinterzogen?
  14. Welche Steuerreformen werden gefordert?
  15. Wo finden Steuerzahler Hilfe?

1. Seit wann und wozu gibt es Steuern?

Der Einzelne muss etwas zum Gemeinwesen beisteuern: Dieser Gedanke ist mindestens 5000 Jahre alt. Schon Hochkulturen wie die Ägypter und Mesopotamier kannten Frühformen von Steuern - oft in Form von Naturalien. So wird der sogenannte Zehnt an der Ernte und anderen Einnahmen schon im Alten Testament erwähnt, später wurde er lange von der Kirche beansprucht. Eine andere Form waren unentgeltliche Arbeitsdienste der Bevölkerung, die beispielsweise in Ägypten zum Bau der Pyramiden eingefordert wurden.

Mit dem Geld als Zahlungsmittel verbreitete sich dann langsam ein Steuersystem im heutigen Sinne. Allerdings wurden dessen Kriterien lange von Herrschern bestimmt, die damit auch ihren oftmals luxuriösen Lebensstil finanzierten. Ein Beispiel ist die "Bartsteuer", mit der Zar Peter der Große ab 1698 gegen die aus seiner Sicht rückständige Gesichtsbehaarung seiner Landsleute vorging.

Im Laufe der Zeit regte sich jedoch zunehmend Widerstand gegen solche Herrscherwillkür. So stand am Anfang des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs die Boston Tea Party, bei der Kolonialisten aus Protest gegen Besteuerung durch die britische Krone Teeladungen im Hafenbecken versenkten. Auch mit der französischen Revolution begehrten Bauern nicht zuletzt gegen die hohen Abgaben an Grundherren und Kirche auf.

Bis heute lässt sich über die Berechtigung vieler Steuern streiten (siehe Frage 8). Insgesamt aber sind die Steuer-Prinzipien gerechter und einheitlicher geworden. In Deutschland kamen dabei viele Impulse aus Preußen - etwa das Prinzip einer Besteuerung nach Leistungsfähigkeit.

Mittlerweile werden Steuern in der Abgabenordnung so definiert:

"Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein." (§ 3 AO)

Steuern dienen also der Finanzierung des Staates insgesamt, nicht aber einem bestimmten Zweck. Das unterscheidet sie von Gebühren, die beispielsweise für die Müllabfuhr erhoben werden. Außerdem muss klar geregelt sein, wer sie zu zahlen hat.

Mit den Steuern finanziert der Staat zunächst seine Institutionen, etwa die Polizei. Ein erheblicher Teil fließt auch in Sozialausgaben (siehe Frage 5) und dient damit der Umverteilung. Schließlich können Steuern auch der Lenkung dienen. So wird beispielsweise die hohe Tabaksteuer auch damit begründet, dass sie Bürger vom gesundheitsschädlichen Rauchen abhalten soll.

2. Welche Arten von Steuern gibt es?

In Deutschland gibt es je nach Zählweise bis zu 40 verschiedene Steuern - und mehrere Möglichkeiten, sie einzuteilen. Aus Sicht der Steuerzahler ist die Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Steuern anschaulich:

  • Direkte Steuern belasten Einkommen oder Vermögen unmittelbar, also ohne Umweg. Gefordert werden sie direkt von den sogenannten Steuerträgern -Verbrauchern oder Unternehmen, die durch die Steuern auch wirtschaftlich belastet werden. Der Steuerträger ist damit gleichzeitig der sogenannte Steuerschuldner.

    Die weitaus bedeutendste direkte Steuer ist die Einkommensteuer mitsamt ihren Unterformen Lohnsteuer, Kapitalertragsteuer und Körperschaftsteuer. Auf sie wird zusätzlich der Solidaritätszuschlag erhoben. Die Einkommensteuer wird grundsätzlich persönlich vom Steuerträger ans Finanzamt gezahlt oder - wie bei der Lohnsteuer und der Kapitalertragsteuer - unmittelbar vom Einkommen des Steuerträgers abgezogen. Auch die Erbschaft- und Schenkungsteuer oder die Hundesteuer gehören zu den direkten Steuern.
  • Indirekte Steuern belasten Verbraucher hingegen über einen Umweg: Ans Finanzamt überweisen müssen sie zwar Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen verkaufen. Die schlagen die Steuern allerdings auf die Preise auf und wälzen sie so auf die Kunden ab - die also letztlich die wirtschaftlich Belasteten sind. Steuerschuldner und Steuerträger sind also unterschiedliche Personen.

    Die wichtigste indirekte Steuer ist die Umsatzsteuer, die in Form der Mehrwertsteuer auf fast alle Waren und Dienstleistungen fällig wird (ausgenommen sind zum Beispiel Briefmarken oder Mieten). Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe von Steuern auf bestimmte Güter wie die Tabaksteuer, die Stromsteuer oder die Kaffeesteuer. Sie werden zusammengefasst als Verbrauchsteuern bezeichnet.

Die Umsatzsteuer und die allein von Arbeitnehmern zu zahlende Lohnsteuer machen alleine gut zwei Drittel der gesamten Steuereinnahmen des Staates aus.

3. Wer muss Steuern zahlen?

Der leitende Angestellte eines Dax-Konzerns, die erfolgreiche Firmengründerin, die Sechsjährige am Eisstand im Freibad, ja, selbst der untergetauchte Ausreisepflichtige: Alle tragen zu den Steuereinnahmen bei, denn alle sind Verbraucher. Schließlich wird auf fast alle Waren und Dienstleistungen Mehrwertsteuer fällig, auf zahlreiche weitere noch zusätzlich Verbrauchsteuern. So gesehen gilt: Bis auf wenige Ausnahmen zahlen alle Menschen indirekte Steuern.

Meist wird der Begriff des "Steuerzahlers" aber enger gefasst, etwa in der Debatte über die Steuerpolitik. Dann sind damit diejenigen gemeint, die direkte Steuern zahlen müssen - also grundsätzlich alle Menschen und Unternehmen, die Einkommen erzielen.

Im Detail ist aber sehr unterschiedlich, worauf Privatpersonen wie viele direkte Steuern zahlen müssen:

  • Arbeitnehmer bezahlen auf ihren Lohn oder ihr Gehalt Lohnsteuer plus Solidaritätszuschlag. Diese werden vom Arbeitgeber vom Bruttolohn abgezogen und direkt ans Finanzamt überwiesen.
  • Selbstständige bezahlen auf den Gewinn aus ihrer Tätigkeit Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag. Die Höhe ergibt sich aus der Steuererklärung der Selbstständigen und wird diesen vom Finanzamt per Steuerbescheid mitgeteilt.
  • Rentner müssen grundsätzlich Steuern bezahlen - im Gegenzug können Arbeitnehmer die Rentenbeiträge steuerlich absetzen. Diese sogenannte nachgelagerte Besteuerung von Renten wird seit 2005 schrittweise eingeführt: Wer 2005 oder früher in Rente ging, kann 50 Prozent seiner ersten Jahresrente als Freibetrag abziehen. In jedem weiteren Jahr wird dieser Anteil jedoch kleiner, für Neurentner des Jahres 2017 sind es noch 26 Prozent. Erst wer im Jahr 2040 oder später in Rente geht, wird diese stets voll versteuern müssen."
  • Anleger zahlen auf ihre Gewinne wie Zinsen oder Dividenden entweder eine pauschale Kapitalertragsteuer von 25 Prozent - oder ihren persönlichen Einkommensteuersatz, falls dieser niedriger ist.
  • Auto- und Motorradbesitzer zahlen Kraftfahrzeugsteuer.

Auch bei Unternehmen gibt es unterschiedliche Formen der direkten Besteuerung:

  • Einzelunternehmen gehören einer Person, die auf den Gewinn Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag zahlt.
  • Personengesellschaften sind Unternehmen, die mindestens zwei Personen (Gesellschaftern) gehören. Der Gewinn des Unternehmens wird gemäß ihren Anteilen auf die Gesellschafter aufgeteilt, die darauf Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag zahlen.
  • Kapitalgesellschaften zahlen auf ihren Gewinn eine Körperschaftsteuer von 15 Prozent.
  • Alle Unternehmen zahlen Gewerbesteuern auf den sogenannten Gewerbeertrag, der auf Grundlage des Gewinns berechnet wird.

4. Wer bekommt die Steuereinnahmen?

Die Steuereinnahmen kassiert der Staat, der in dieser Rolle auch als Fiskus bezeichnet wird. Für den Bund machen Steuern derzeit mehr als 90 Prozent der gesamten Einnahmen aus. Der Rest stammt unter anderem aus dem Gewinn der Bundesbank und der LKW-Maut.

* ohne MwSt-Eigenmittel der EU und Konsolidierungshilfen;
** nicht veranlagte Steuern vom Ertrag, Körperschaft- und Abgeltungsteuer auf Zins- und Veräußerungserträge;
*** ohne Ergänzungszuweisungen, BNE-Eigenmittel der EU, Zuweisungen ab die Länder für den Wegfall der Kfz-Steuer;

Innerhalb von Deutschland werden die Steuereinnahmen zwischen verschiedenen staatlichen Ebenen verteilt: dem Bund, den Ländern und Gemeinden.

Im Jahr 2016 kamen Bund und Länder jeweils auf rund 289 Milliarden Euro an Steuereinnahmen, die Gemeinden auf rund 100 Milliarden Euro. Auf viele Steuern hat dabei nur eine Gebietskörperschaft Anspruch. So stehen beispielsweise dem Bund sämtliche Einnahmen aus der Energiesteuer zu, die Länder kassieren die gesamte Erbschaftsteuer, und die Gemeinden haben alleiniges Anrecht auf die Grundsteuer.

Die besonders ertragreichen Lohn- und Umsatzsteuern (siehe Frage 2) gehören dagegen zu den sogenannten Gemeinschaftsteuern, deren Einnahmen verteilt werden. So gehen von der Lohnsteuer je 42,5 Prozent an Bund und Länder und 15 Prozent an die Gemeinden.

Ein weiteres Instrument zur Verteilung der Einnahmen ist der Länderfinanzausgleich. Er dient dem im Grundgesetz verankerten Ziel einer "Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse". Bislang erhalten finanzschwache Bundesländer dabei zunächst einen Teil der Einnahmen aus der Umsatzsteuer. Anschließend werden anhand mehrerer Kennziffern Ausgleichszahlungen zwischen sogenannten Geber- und Nehmerländern festgelegt, durch die am Ende alle annähernd die gleichen Mittel zur Verfügung hatten.

Der Finanzausgleich ist seit Langem umstritten, auch, weil seit den Neunzigerjahren wenige Geberländer immer mehr zahlen mussten. Ab 2020 wird das System deshalb in seiner heutigen Form abgeschafft. Der Ausgleich erfolgt dann im Wesentlichen schon durch die Verteilung der Umsatzsteuereinnahmen, an denen die Länder künftig einen erhöhten Anteil erhalten.

5. Was wird mit Steuern finanziert?

Wenn Bürger Steuern zahlen, empfinden sie das häufig als Verlust. Der Staat nimmt ihnen etwas weg, so fühlt es sich zumindest an. Doch das Geld der Steuerzahler ist natürlich nicht weg, sondern wird vom Staat genutzt, um seine Aufgaben zu erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel die Gewährleistung der inneren Sicherheit durch Polizei und Justizapparat, aber auch die Bereitstellung von Infrastruktur wie Straßen, Brücken oder Gleisen. Auch die Bildung in Schulen und Universitäten will bezahlt werden, ebenso wie Sozialleistungen für arbeitslose, kranke oder behinderte Menschen.

Immer wieder kommt es aber auch vor, dass der Staat das Geld der Steuerzahler nicht optimal einsetzt. Ob ein fehlgeplanter Flughafen, ein zu teures Konzerthaus oder ein Spaßbad, das zu wenig Besucher anzieht: Öffentliche Investitionen gehen manchmal auch daneben. Der Bundesrechnungshof und die jeweiligen Landesrechnungshöfe überprüfen deshalb, wie der Staat mit dem Geld der Steuerzahler umgeht - und rügt mögliche Verschwendung.

Pro Einwohner gibt der Staat im Jahr rund 16.000 Euro aus, 2016 waren es insgesamt 1326 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf die soziale Sicherung. Dazu zählen aber vor allem Leistungen wie die Rente, das Arbeitslosengeld und die gesetzliche Krankenversicherung, die zu einem Großteil nicht über Steuern, sondern durch Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert werden.

Die steuerfinanzierten Sozialleistungen wie Hartz IV, Grundsicherung im Alter oder Wohngeld machen nur einen vergleichsweise geringen Teil der staatlichen Sozialausgaben aus. So kostet das Arbeitslosengeld II (besser bekannt als Hartz IV) pro Jahr rund 40 Milliarden Euro - was etwa drei Prozent der gesamten Staatsausgaben entspricht.

Ab 1974 neue Darstellung wegen Einbeziehung von Sozialversicherung und kommunalen Zweckverbände sowie neuen Haushaltsregeln für Gemeinden und Gemeindeverbände;
Ab 1998 ohne Krankenhäuser und Hochschulkliniken mit kaufmännischem Rechnungswesen und Zusatzversorgungskassen der Sozialversicherung;
2002*: Einschließlich einmaliger Versteigerungserlöse des Bundes aus Mobilfunklizenzen im Jahr 2000 in Höhe von 50,8 Mrd. EUR. Diese wurden im selben und kommenden Jahr zur Schuldentilgung verwendet;

Interessant ist, wie sich die Ausgabenstruktur im Laufe der Zeit verändert hat: Für Verteidigung etwa wurde in den Achtzigerjahren pro Kopf mehr Geld ausgegeben als heutzutage - was vor allem daran liegt, dass die Zahl der Bürger durch die Wiedervereinigung gewachsen ist. Auch die viel gescholtenen Subventionen an Unternehmen gingen seit den Neunzigerjahren deutlich zurück. Zuletzt sind auch die Kosten für Zinszahlungen wegen der Niedrigzinsphase deutlich gesunken. Schuldenmachen ist für den Staat also erheblich billiger geworden.

6. Was bestimmt die Steuerbelastung?

Wie hoch die Belastung durch die Lohnsteuer und Sozialbeiträge bei einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer ist, wird im Wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: der Höhe des Einkommens und dem Steuertarif.

Nicht das gesamte Bruttoeinkommen muss versteuert werden. Zahlreiche persönliche Lebensverhältnisse werden berücksichtigt, zum Beispiel:

  • Familienstand
  • Kinder
  • Kosten für Altersvorsorge und Krankenversicherung (teilweise)
  • Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz
  • Behinderung, Krankheit, Pflegebedürftigkeit (auch in der Familie)
  • Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder Partei
  • Unterhaltsverpflichtungen für Ex-Partner

Berücksichtigt werden diese persönlichen Verhältnisse, indem die Kosten dafür entweder ganz, teilweise oder pauschal durch Freibeträge vom Bruttoeinkommen abgezogen werden. Eingeteilt werden diese in Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen. (Details dazu finden Sie bei Frage 11).

Was dann noch übrig bleibt, wird als zu versteuerndes Einkommen oder Bemessungsgrundlage bezeichnet und nach dem Steuertarif versteuert. Dieser ist bei der Einkommensteuer progressiv - das heißt, für jeden zusätzlich verdienten Euro wird ein höherer Anteil an Steuern fällig. Bei verheirateten Steuerzahlern wird das Einkommen beider Partner durch Ehegattensplitting zusammengerechnet und dann halbiert. Jeder Ehepartner versteuert also das gleiche Einkommen - unabhängig davon, wie viel er selbst verdient hat.

* Der Eingangssteuersatz greift ab einem Jahreseinkommen von 8.652 Euro;
** Der Spitzensteuersatz beginnt ab einem Jahreseinkommen von 53.666 Euro:
*** Durchschnittssteuersatz = effektive Steuerbelastung

An der Kurve für den Grenzsteuersatz lässt sich ablesen, wie viel Cent für einen zusätzlichen Euro bei einem bestimmten Einkommen zu zahlen sind. Für die ersten 8651 Euro mussten 2016 keine Steuern bezahlt werden - das ist der Grundfreibetrag. Danach steigt der Steuersatz für jeden zusätzlich verdienten Euro an, bis er für einen ledigen Alleinverdiener bei 53.666 Euro den Spitzensteuersatz von 42 Prozent erreicht. Ab einem Einkommen von 254.447 greift dann die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent.

An der Kurve für den Durchschnittssteuersatz lässt sich ablesen, wie viel Prozent des Einkommens insgesamt an Steuern gezahlt werden müssen. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 54.000 Euro waren das 2016 rund 26 Prozent - während der Grenzsteuersatz bereits bei 42 Prozent lag. Je höher das zu versteuernde Einkommen ist, desto stärker nähern sich Grenz- und Durchschnittssteuersatz dabei an.

Die Steuerprogression ist auch der Grund, warum sich das Ehegattensplitting gerade für Paare mit großen Einkommensunterschieden lohnt - ein entsprechend großer Teil des Einkommens des Besserverdienenden wird dann mit dem niedrigen Steuersatz des Schlechterverdienenden versteuert. Im Extremfall beträgt die Steuerersparnis dadurch rund 16.000 Euro, wenn ein Ehepartner 513.000 Euro oder mehr verdient und der andere nichts. Bereits bei einem Einkommen von 108.000 Euro sparen Paare in dieser Konstellation 8400 Euro. Ob ein Ehepaar Kinder zu versorgen hat oder nicht, spielt beim Splitting keine Rolle.

Auf die so errechnete Steuer kommt noch der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent.

Eine wichtige Rolle bei der Abgabenlast für Arbeitnehmer spielen auch die Sozialbeiträge, also die Zahlungen an Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Arbeitnehmer zahlen dafür rund 19,5 Prozent - und zwar von ihrem Bruttoeinkommen, nicht von dem niedrigeren zu versteuernden Einkommen. Allerdings gilt das derzeit nur bis zu einem Jahreseinkommen von 52.200 Euro.

Wer mehr verdient, zahlt einen geringeren Anteil seines Bruttoeinkommens in die Sozialkassen. Grund dafür sind die Beitragsbemessungsgrenzen. Sie liegen derzeit bei 52.200 Euro (Kranken- und Pflegeversicherung) beziehungsweise bei 76.200 Euro (Rentenversicherung West, im Osten 68.400 Euro). Sozialbeiträge müssen nur für ein Einkommen bis zu dieser Grenze gezahlt werden.

7. Wie gerecht ist die Besteuerung?

Als gerecht wird ein Steuer- und Abgabensystem von den meisten empfunden, wenn sich die Höhe der Belastung nach der Leistungsfähigkeit richtet: Wer viel hat, kann und soll auch mehr für das Gemeinwesen leisten.

In einer Hinsicht ist die Frage nach der Gerechtigkeit der Besteuerung also schnell beantwortet: Hohe Vermögen werden in Deutschland so gut wie gar nicht besteuert. Eine Vermögensteuer wird nicht mehr erhoben, und die Erbschaftsteuer lässt sich gerade für Hochvermögende relativ leicht umgehen - dementsprechend wenig bringt sie dem Staat auch ein (siehe Frage 10). Gemessen an den Vermögen ist die Besteuerung in Deutschland also ausgesprochen ungerecht.

Bleibt die Frage, wie gerecht die Besteuerung in Deutschland gemessen an den Einkommen ist. Hier berücksichtigen nur direkte Steuern die Leistungsfähigkeit des Einzelnen, also vor allem Lohn- und Einkommensteuer: Mit steigenden Einkommen steigen auch die Steuersätze (siehe Frage 6). Bei den indirekten Steuern, allen voran der Mehrwertsteuer, ist das anders. Ob nun ein Millionär oder ein Obdachloser einen Schokoriegel kauft: Der Fiskus bekommt das Gleiche. Für ein vollständiges Bild muss also die gesamte Steuerbelastung berücksichtigt werden.

Zudem sollten die Beiträge zu den Sozialversicherungen berücksichtigt werden, auch wenn dabei ein wichtiger Unterschied zu Steuern nicht vergessen werden darf: Wer hohe Rentenbeiträge einzahlt, bekommt dafür später auch eine hohe Rente. Lediglich in der gesetzlichen Krankenversicherung erwirbt man für unterschiedliche Beiträge die gleichen Ansprüche.

Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Freien Universität Berlin haben die Belastung durch Steuern und Sozialbeiträge im Jahr 2015 untersucht. Sie teilten die deutsche Bevölkerung gemäß ihrem Einkommen in zehn gleich große Gruppen ein. Als Grundlage diente das Bruttoeinkommen - egal, ob aus Arbeit, Besitz oder staatlichen Transferleistungen.

Das Ergebnis: Der Anteil, den jede Einkommensgruppe an allen Steuern und Sozialbeiträgen in Deutschland zahlt, entspricht ungefähr ihrem Anteil am gesamten Bruttoeinkommen - mit einer leichten Entlastung der Ärmeren: Nur die oberen 40 Prozent zahlen (etwas) mehr Steuern und Sozialabgaben, als es ihrem Einkommen entspricht - mit einer wichtigen Einschränkung: Das oberste Prozent wird gemessen am Einkommen weniger stark belastet.

Aus diesem Blickwinkel erscheint die Belastung der Einkommen durch Steuern und Sozialbeiträge in Deutschland im Großen und Ganzen gerecht.

*) Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag, Unternehmensteuern; **) Mehrwertsteuer, Versicherungsteuer, Verbrauchsteuern, Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, Kfz-Steuer; ***) Äquivalenzgewichtet mit der neuen OECD-Skala

Die Forscher untersuchten auch, welcher Anteil des individuellen Einkommens für Steuern und Sozialbeiträge ausgegeben werden muss. Hierzu teilten sie die Bevölkerung in 100 gleich große Gruppen.

Auch hier erscheint die Belastung der Einkommen weitgehend gerecht verteilt. Ärmere zahlen zwar kaum Einkommensteuer, bei ihnen schlagen aber die indirekten Steuern stark zu Buche. Besserverdienende werden durch Einkommensteuer und Sozialbeiträge stärker belastet, bei ihnen fallen aber die indirekten Steuern nicht so stark ins Gewicht.

* enthält Arbeitgeberbeiträge; ** Werte polynomisch geglättet; *** Äquivalenzgewichtet mit der neuen OECD-Skala

Allerdings offenbart dieser Blickwinkel auch Auffälligkeiten ganz unten und ganz oben: Die ärmsten fünf Prozent müssen einen deutlich höheren Teil ihres Einkommens für Steuern ausgeben als die nächsten fünf Prozent. Und bei den obersten 15 Prozent sinkt die Belastung im Verhältnis zum Einkommen deutlich - Grund ist die Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung. Zudem machen die Forscher darauf aufmerksam, dass die Statistik bei den Superreichen verzerrt ist, weil die Gewinne ihrer Unternehmen oft großteils nicht an sie ausgeschüttet werden. Dadurch bleibt ihr Einkommen relativ gering, obwohl sie ihr Vermögen deutlich mehren.

8. Zahlen wir immer mehr Steuern?

Diesen Eindruck kann man zumindest sehr schnell bekommen. Fast jedes Jahr werden in deutschen Medien Rekordsteuereinnahmen vermeldet. Wie der Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorrechnet, ist das Steueraufkommen zwischen 1970 und 2016 in 43 von 47 Jahren gestiegen. Nur viermal ging es zurück: 2001, 2002, 2004 und 2009.

Die Summen, um die es geht, scheinen riesig: Im Jahr 2015 nahm der deutsche Staat - also Bund, Länder und Gemeinden - rund 700 Milliarden Euro Steuern ein. Hinzu kamen noch Sozialversicherungsbeiträge von 470 Milliarden Euro.

Diese Zahlen sind deutlich höher als noch vor 10, 20 oder 30 Jahren. Allerdings ist das auch kein Wunder: Denn in einer wachsenden Volkswirtschaft steigen die Steuereinnahmen automatisch. Weil Steuersätze prozentual berechnet werden, lässt jede Preis- und Lohnerhöhung auch die Steuereinnahmen steigen. Dasselbe gilt, wenn Unternehmen mehr umsetzen und höhere Gewinne machen. 19 Prozent Mehrwertsteuer auf 300.000 verkaufte Autos bringen dem Staat mehr Geld als auf 250.000 verkaufte Autos.

Wenn man die Steuerbelastung mit dem Einkommen beziehungsweise der Wirtschaftsleistung vergleicht, ergibt sich deshalb auch ein ganz anderes Bild: Dann wird deutlich, dass die Steuerquote seit den Siebzigerjahren relativ konstant bei 21 bis 23 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt. Damit rangiert Deutschland international im Mittelfeld.

Eine kleine Abweichung gab es nur Anfang der Nullerjahre: Damals hatte die rot-grüne Bundesregierung die Einkommen- und Unternehmensteuern erheblich gesenkt: Entsprechend fiel die Steuerquote unter 21 Prozent. Weil die Wirtschaft zugleich vergleichsweise langsam wuchs, gingen sogar die absoluten Steuereinnahmen ausnahmsweise zurück.

Etwas stärkere Schwankungen gab es bei den Sozialversicherungsabgaben, also den Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zur Kranken-, Renten- Pflege- oder Arbeitslosenversicherung. Machten diese Abgaben im Jahr 1970 noch 11,8 Prozent des BIP aus, stieg die Abgabenquote bis 1997 auf 19 Prozent. Erst seit Mitte der Nullerjahre hielt sie sich konstant unter 17 Prozent.

Zusammengenommen ist die Belastung aus Steuern und Abgaben in Deutschland gerade für die Mittelschicht vergleichsweise hoch. Sie liegt aber immer noch niedriger als in den Neunzigerjahren und in etwa auf dem Niveau von 1980.

9. Könnte das Steuersystem nicht einfacher sein?

Eine Vereinfachung des deutschen Steuersystems wird seit Jahrzehnten gefordert. So sagte der CDU-Politiker Friedrich Merz 2003, jeder Bürger müsse seine Einkommensteuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können. Als Beleg für die Komplexität der bestehenden Regeln wird auch immer wieder die Aussage zitiert, der Großteil der weltweiten Steuerliteratur stamme aus Deutschland. Dabei handelt es sich jedoch um einen Mythos.

Kaum umstritten ist hingegen, dass die Steuergesetzgebung an vielen Stellen logischer sein könnte. Das wohl bekannteste Beispiel sind die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze von 7 und 19 Prozent. Durch sie kostet beispielsweise eine im Stehen am Imbiss verzehrte Bratwurst weniger als im Sitzen, Hausesel werden höher besteuert als Maulesel.

Komplizierte Regelungen gibt es auch dazu, welche Kosten sich steuerlich absetzen lassen (siehe Frage 11). Bei einer repräsentativen Umfrage der Universität Erlangen-Nürnberg sagten 71 Prozent der befragten Arbeitnehmer denn auch, ihnen sei eine Vereinfachung des Steuerrechts wichtiger als Steuersenkungen.

Eine Streichung von Ausnahmen und Sonderregeln ließe sich auch mit der Steuergerechtigkeit begründen. Denn oft können sich nur Wohlhabendere und Unternehmen eine Beratung leisten und so alle Möglichkeiten zum Steuersparen ausschöpfen (siehe Frage 13). Die übrigen Bürger zahlen hingegen mehr.

Die Vielzahl an Regeln liegt auch daran, dass Politiker immer wieder anfällig für die Forderungen von Interessensgruppen sind. Das zeigte etwa 2009 die FDP, auf deren Betreiben hin die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen gesenkt wurde. Zuvor hatte der Hotelunternehmer August Baron von Finck der Partei mehr als eine Million Euro gespendet.

Ein Grundproblem fast aller Reformbemühungen ist zudem, dass sie auch Verlierer produzieren. Entweder muss der Staat sich von liebgewonnen Einnahmen trennen (siehe Frage 8) oder zumindest ein Teil der Steuerzahler zahlt plötzlich mehr.

Dieses Problem gilt auch für immer wieder erhobene Forderungen nach einer sogenannten Flat Tax, das heißt einem einheitlichen Steuersatz für alle. Bekannt wurde ein Konzept des Verfassungsprofessors Paul Kirchhof für die Union, das ab einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro eine Einheitssteuer von 25 Prozent vorsah.

Eine Flat Tax bei der Einkommensteuer würde einen bislang progressiven, also stetig ansteigenden, Tarif ersetzen. Dadurch sinkt die Steuerlast für Besserverdienende, was zu deutlichen Einnahmenverlusten führt. Zugleich kann die Belastung von Geringverdienern steigen, deren Steuersatz bislang unter dem neuen Tarif lag.

Kirchhofs Konzept scheiterte im Wahlkampf 2005. Ihm half dabei wenig, dass er auch möglichst alle Vergünstigungen und Ausnahmeregelungen im Steuerrecht streichen sollte. Umgesetzt wurde hingegen unter SPD-Finanzminister Peer Steinbrück die Abgeltungsteuer, eine 25-prozentige Flat Tax auf Zinsen und Dividenden. Kritiker sehen sie jedoch als Bevorzugung von Kapital gegenüber Arbeit und fordern seit L angem eine Rückkehr zur progressiven Besteuerung.

10. Wie werden Vermögen besteuert?

In Deutschland werden Vermögen vergleichsweise behutsam besteuert - und zwar auf drei Wegen:

Zum einen müssen Privatpersonen auf Zinseinnahmen, Dividenden und Gewinne, die beim Verkauf von Aktien oder anderen Wertpapieren entstehen, die sogenannte Abgeltungsteuer von 25 Prozent zahlen. Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag. Die Steuer wird direkt von der Bank an den Fiskus abgeführt - sofern kein Freistellungsauftrag über den gesetzlichen Sparerpauschbetrag von 801 Euro (bei Verheirateten 1602 Euro) gestellt wurde. Bis 2008 war das noch anders: Damals mussten Zinseinnahmen als Einkommen versteuert werden, wodurch der Steuersatz schon für Normalverdiener deutlich über 25 Prozent lag und bis zu 42 Prozent betragen konnte.

Die Abgeltungsteuer wurde unter anderem eingeführt, um Steuerflucht und Steuervermeidung zu verhindern. "Besser 25 Prozent von X, als 42 Prozent von nix", sagte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Mittlerweile wird die Abgeltungsteuer von vielen Seiten kritisiert, weil sie Kapitaleinkommen im Vergleich zu Arbeitseinkommen bevorzugt.

Auch die zweite Steuer, die Vermögen betrifft, wird heftig diskutiert: Die Erbschaftsteuer wurde mehrmals reformiert, zuletzt im Jahr 2016. Grundsätzlich geht sie sehr schonend mit den Vermögen um - unter anderem durch hohe Freibeträge. So müssen Ehe- und eingetragene Lebenspartner nur Erbschaften versteuern, die 500.000 Euro übersteigen. Für Kinder liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro, und Enkelkinder können immer noch 200.000 Euro steuerfrei erhalten.

Besonders umstritten ist immer wieder der Umgang mit Firmenvermögen. Doch auch hier gilt selbst nach der jüngsten Reform: Rund 99 Prozent aller Firmenerben können sich ohne weitere Prüfung weitgehend oder komplett von der Erbschaftsteuer befreien lassen, sofern sie für einige Jahre nicht in großem Stil Mitarbeiter entlassen oder Gehälter kürzen.

Entsprechend sind die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer vergleichsweise gering: Im Jahr 2016 lagen sie bei 6,9 Milliarden Euro.

Die dritte Steuer auf Vermögen ist die Grundsteuer. Sie wird von den jeweiligen Gemeinden auf das Eigentum an Grundstücken erhoben. Ihre Höhe unterscheidet sich stark und kann von der Gemeinde weitgehend selbst durch den sogenannten Hebesatz festgelegt werden.

Bis 1996 gab es außerdem eine Vermögensteuer, sie betrug zuletzt ein Prozent. Die damalige Regierungskoalition aus Union und FDP setzte die Steuer jedoch aus, nachdem das Bundesverfassungsgericht sie in ihrer damaligen Form für verfassungswidrig erklärt und eine Neuregelung gefordert hatte. Die Richter bemängelten damals, dass Immobilien im Vergleich zu anderem Vermögen zu niedrig besteuert würden.

Immer wieder wurde seitdem über eine Wiedereinführung der Vermögensteuer diskutiert. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) könnte bei einer solchen Steuer in Höhe von einem Prozent dem Staat jährliche Einnahmen von 10 bis 20 Milliarden Euro bringen. Allerdings besteht dabei die Schwierigkeit, Immobilien- und andere Sachvermögen regelmäßig korrekt zu bewerten.

11. Was lässt sich von der Steuer absetzen?

Das deutsche Steuerrecht ist auch deshalb so kompliziert, weil es so viele Ausnahmen kennt. Ob Handwerkerrechnung, Putzhilfe, der neue Laptop oder das Benzin für den Weg zur Arbeit - es lässt sich so vieles absetzen, dass Normalbürger schon mal den Überblick verlieren.

Dabei gibt es für jede Ausnahme eine gute Begründung: Mal sollen vermeintliche Ungerechtigkeiten beseitigt oder benachteiligte Personengruppen unterstützt werden wie etwa bei der Pendlerpauschale. Mal geht es der Politik um eine steuerliche Lenkungswirkung, zum Beispiel dann, wenn durch die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen die Wirtschaft angekurbelt und Schwarzarbeit eingedämmt werden soll. Oder wenn durch Steuervorteile für Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden soll.

Das Problem dabei ist: Nur wer sich gut auskennt, kann alle Absetzmöglichkeiten nutzen. Wer schlechter informiert ist oder kein Geld für den Steuerberater hat, verpasst womöglich Steuersparmöglichkeiten. So entstehen neue Ungerechtigkeiten im System.

Die wichtigsten Posten, die sich steuerlich absetzen lassen:

Werbungskosten sind all jene Kosten, die zur "Erwerbung" von Einkommen anfallen - also alles, was man zum Arbeiten braucht. Dazu zählt etwa die Pendlerpauschale: Jeder Kilometer zwischen Wohnort und Arbeitsplatz verringert das zu versteuernde Einkommen um 30 Cent, allerdings nur auf dem Hinweg. Auch Kosten für Büromaterial und Fachliteratur gehören dazu, ebenso Gewerkschaftsbeiträge. Unter bestimmten Umständen kann man auch das Arbeitszimmer zu Hause, eine Zweitwohnung oder die Arbeitskleidung als Werbungskosten absetzen - und noch einiges mehr.

Werbungskosten mindern das zu versteuernde Einkommen. Das heißt, sie werden vom Einkommen abgezogen, bevor die Steuerbelastung errechnet wird. Wer zum Beispiel 50.000 Euro Bruttoeinkommen pro Jahr hat und Werbungskosten von 5000 Euro geltend macht, muss nur noch 45.000 Euro versteuern. Wer Werbungskosten von weniger als 1000 Euro pro Jahr hat, muss sich nicht die Mühe machen, alle Belege einzureichen. Bis zu dieser Grenze greift ein entsprechender Pausch(al)betrag.

Auch mit Sonderausgaben lässt sich das zu versteuernde Einkommen reduzieren. Zu diesen Ausgaben zählen zum Beispiel Kosten für die Kinderbetreuung wie Kita-Gebühren, Unterhaltszahlungen oder Spenden. Auch sogenannte Vorsorgeaufwendungen gehören dazu, also etwa Kosten für die Kranken- und Pflegeversicherung. Beiträge zur Rentenversicherung und zur Riester-Rente lassen sich bis zu bestimmten Höchstbeträgen ebenfalls absetzen.

Der dritte große Postenblock, der das zu versteuernde Einkommen mindert, sind die außergewöhnlichen Belastungen. Darunter fallen Umstände im Privatleben, die dazu führen, dass der Steuerpflichtige mehr Geld zum Leben braucht als im Normalfall. Das kann zum Beispiel eine Schwerbehinderung, eine Krankheit oder Pflegebedürftigkeit sein - auch bei anderen Familienmitgliedern. Oft kann jedoch nicht der volle Kostenbetrag von der Steuer abgesetzt werden, sondern nur ein Teil, der mitunter kompliziert berechnet wird - oder, wie im Fall der Behinderung, ein fester Betrag, der sich nach dem Grad der Behinderung richtet.

Während Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen nur das zu versteuernde Einkommen senken, gibt es auch Ausgaben, die Arbeitnehmer direkt von ihrer Steuerschuld abziehen können. Dabei spricht man von Steuerermäßigungen. Dazu gehören vor allem die Handwerkerkosten: Ob frische Tapeten, eine Heizungsreparatur oder ein neues Parkett im Wohnzimmer: Für Handwerkerarbeiten in der selbst genutzten Eigentumswohnung oder im eigenen Haus lassen sich 20 Prozent des Arbeitslohns direkt von der Steuerschuld abziehen - bis zu einem Höchstbetrag von 1200 Euro pro Jahr.

Ein Beispiel: Angenommen, Sie müssten bei einem Bruttoeinkommen von 50.000 Euro nach Abzug von Werbungskostenpauschale und Sonderausgaben rund 9000 Euro Steuern pro Jahr zahlen. Weil Sie im vergangenen Jahr aber das Eigenheim renoviert und Handwerkerrechnungen für insgesamt 3500 Euro gesammelt haben, können sie nun 20 Prozent davon von der Steuerschuld abziehen. Die beträgt damit also nur noch 8300 Euro. Wichtig ist dabei, dass nur die Arbeitskosten abgesetzt werden können und diese auf der Rechnung getrennt ausgewiesen werden müssen. Außerdem muss die Rechnung per Überweisung bezahlt worden sein.

Zusätzlich zu den Handwerkerrechnungen lassen sich auch sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. Dazu zählen zum Beispiel Haushaltshilfen oder Gärtner. Auch hier dürfen 20 Prozent der Kosten direkt von der Steuerschuld abgezogen werden - bis zu einem Höchstbetrag von 4000 Euro. Auch hier gilt: nur auf Rechnung und per Überweisung.

12. Wer muss eine Steuererklärung machen und wann gibt es Geld zurück?

Oft zahlen Bürger mehr Steuern als sie eigentlich müssten. Bei Angestellten kann die vom Arbeitgeber einbehaltene Lohnsteuer beispielsweise zu hoch sein, weil Belastungen wie die tägliche Fahrt zur Arbeit noch nicht berücksichtigt wurden (siehe Frage 11). Die Steuerschuld vieler Selbsständiger verringert sich, wenn sie in einem Jahr weniger Gewinn als erwartet oder gar Verluste gemacht haben.

Um in solchen Fällen Geld zurückzuerhalten, ist eine Steuererklärung erforderlich. Darin können Steuerzahler geltend machen, durch welche Faktoren ihre Steuerlast reduziert wurde. Im Normalfall muss die Einkommensteuererklärung bis zum 31. Mai des Folgejahres, ab 2018 dann bis zum 31. Juli des Folgejahres abgegeben werden.

Verpflichtend ist eine Steuererklärung aber nur, wenn der Steuerzahler möglicherweise zu wenig gezahlt hat. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn die steuerpflichtigen Nebeneinkünfte mehr als 410 Euro im Jahr betragen oder mehr als ein Arbeitgeber existiert. Ansonsten ist die Abgabe hingegen freiwillig, für sie besteht eine Frist von vier Jahren.

Meist lohnt sich eine Steuererklärung: Von rund 13,1 Millionen unbeschränkt Steuerpflichtigen, die ausschließlich Einnahmen aus nichtselbsständiger Arbeit und eventuell Kapitaleinkünfte erzielten, erhielten 11,4 Millionen im Jahr 2012 eine Erstattung. Im Durchschnitt betrug sie 901 Euro. Eine Nachzahlung mussten dagegen nur 1,5 Millionen Steuerpflichtige leisten. Diese lag im Schnitt bei 965 Euro. Die Höhe der zu erwartenden Erstattung lässt sich mithilfe eines Steuerberaters, Lohnsteuerhilfevereins oder einer Steuersoftware errechnen.

Einen festen Termin für die Rückerstattung gibt es nicht, je nach Finanzamt können die Zeiträume erheblich schwanken. Ein kleiner Trost: Ab 15 Monaten Wartezeit kommen zu der ausstehenden Summe monatlich 0,5 Prozent Zinsen hinzu.

13. Wie werden Steuern vermieden und hinterzogen?

Steuerzahlungen entgehen dem Staat durch legale und illegale Praktiken: Zum einen nutzen Privatleute und Unternehmen allerlei Sonderregeln und Schlupflöcher, um ihre Steuerlast zu mindern. Zum anderen werden Steuern schlicht hinterzogen, bestimmte steuerpflichtige Einkünfte dem Staat also verheimlicht. Der Grat zwischen zulässigen und rechtswidrigen Steuertricks kann dünn sein und sorgt immer wieder für Diskussionen.

Die Summe der jährlich in Deutschland hinterzogenen Steuern schätzt der Ökonom Friedrich Schneider auf gut 13 Milliarden Euro. Weit verbreitet ist Schwarzarbeit, bei der dem Staat Steuern und Sozialabgaben vorenthalten werden. Sie gehört zusammen mit anderen illegalen Tätigkeiten wie Drogen- oder Menschenhandel zur sogenannten Schattenwirtschaft, die laut Berechnungen von Schneider und dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung rund zehn Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung im Jahr 2017 entspricht.

Steuerhinterziehung ist strafbar, wobei hinterzogene Summen bis 50.000 Euro meist zu Geldstrafen führen. Bei höheren Beträgen sind Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren möglich. Straffrei kommen Steuerhinterzieher davon, wenn sie sich vor dem Beginn von Ermittlungen selbst anzeigen und ihre Steuerschulden nachzahlen. Allerdings können solche Selbstanzeigen als fehlerhaft abgelehnt werden, wie im Fall des zu einer Haftstrafe verurteilten FC-Bayern-Managers Uli Hoeneß.

Die Zahl der Selbstanzeigen ging deutlich in die Höhe, nachdem deutsche Behörden ab 2006 mithilfe gestohlener Kundendaten gegen die Inhaber von Bankkonten in Liechtenstein und der Schweiz vorgingen. Zu den Betroffenen gehörte auch der frühere Post-Chef Klaus Zumwinkel. Mittlerweile haben die Schweiz und andere Länder auf internationalen Druck ihr lange streng gehütetes Bankgeheimnis aufgeweicht.

Ebenfalls durch Datenlecks wurden in jüngster Zeit die Steuertricks internationaler Unternehmen bekannt. Konzerne wie Amazon oder Apple verteilten ihre Gewinne so trickreich auf verschiedene Länder, dass sie am Ende nur minimale Steuerzahlungen leisten mussten.

Neue internationale Abkommen sollen solche Manöver künftig erschweren. Doch während normale Arbeitnehmer schon heute wenig Möglichkeiten zur Steuerminderung haben, dürften sich besonders Konzerne auch weiterhin ein Wettrennen mit dem Fiskus liefern. Denn oft nutzen sie Gesetzeslücken, die der Staat erst aufwendig schließen muss.

14. Welche Steuerreformen werden gefordert?

Bei den Steuerdebatten in Deutschland geht es meist darum, mehr Gerechtigkeit zwischen verschiedenen Einkommensgruppen herzustellen. So stieg 2016 die Belastung bei Geringverdienern bis zu einem Jahreseinkommen von 13.670 Euro rund vier Mal stärker als danach. Dadurch entsteht der sogenannte Mittelstandsbauch, den Politiker durch eine Begradigung des Tarifverlaufs verringern wollen.

Ein Problem für Durchschnittsverdiener ist die sogenannte kalte Progression. Sie bedeutet im weiteren Sinn, dass die Steuerbelastung der Bürger stärker wächst als die Einkommen. Denn solange die Gehälter steigen, der Tarifverlauf aber gleichbleibt, zahlen immer mehr Bürger den Spitzensteuersatz. Erreichte man diesen noch 2005 erst beim Doppelten des Durchschnittslohns, reicht inzwischen schon das 1,6-fache.

Besonders ungünstig ist es, wenn die Gehaltserhöhung durch steigende Preise aufgefressen wird. Dann kann sich der Bürger unterm Strich zwar nicht mehr leisten, hat nun aber eine prozentual höhere Steuerbelastung. Das ist die kalte Progression im engeren Sinn.

Unter Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wurde nur eine kleinere Korrektur des Tarifverlaufs beschlossen. Viele Ökonomen fordern, das Problem endgültig durch einen sogenannten Tarif auf Rädern zu lösen, der regelmäßig an die Entwicklung der Preise angepasst würde. Kritiker befürchten jedoch, dass solche automatischen Anpassungen die Inflation befördern könnten.

Eine Entlastung für alle Steuerzahler würde die Abschaffung des 5,5-prozentigen Solidaritätszuschlags auf den Steuerbetrag aus Einkommen-, Kapitalertrag- und Körperschaftsteuer bedeuten. Der "Soli" wird heute meist mit der Finanzierung der deutschen Einheit verbunden, wurde aber ursprünglich auch mit den Kosten des zweiten Golfkriegs begründet. Bislang ist strittig, ob und in welchem Tempo der Zuschlag tatsächlich abgebaut wird.

Als ungerecht wird auch das Ehegattensplitting kritisiert (siehe Frage 6). Es bedeutet, dass die Einkommen von Ehepartnern zunächst zusammengezählt und dann halbiert werden. Die aus diesem Betrag errechnete Einkommensteuer wird dann verdoppelt. Durch den progressiven Steuertarif zahlen die Eheleute zum Teil deutlich geringere Steuern als Ledige oder Alleinverdiener.

Die Regelung gilt nicht nur als unfair gegenüber Unverheirateten, sondern auch als Hindernis für Gleichberechtigung. Denn der Steuervorteil ist umso größer, je weiter die Gehälter der Ehepartner auseinanderliegen. Die Reformvorschläge reichen von einer kompletten Abschaffung bis zu einer Ausweitung auf ein sogenanntes Familiensplitting, von dem auch unverheiratete Paare mit Kindern profitieren würden.

Wiederkehrende Debatten gibt es darüber, ob und wie Wohlhabende besser besteuert werden können. Eine Möglichkeit wäre die Anhebung des Spitzensteuersatzes von heute 42 Prozent, der bis zum Jahr 1999 noch bei 53 Prozent lag. Andere Konzepte zielen auf die verstärkte Besteuerung von Vermögen ab.

So könnte die 1997 abgeschaffte Vermögensteuer wiedereingeführt werden. Möglich wäre auch eine Ausweitung der Erbschaftsteuer, bei der für Unternehmer zahlreiche Ausnahmeregelungen gelten. Schließlich gibt es seit Langem Forderungen nach Abschaffung der sogenannten Abgeltungsteuer. Durch sie werden Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden pauschal mit 25 Prozent besteuert, was als Bevorteilung gegenüber progressiv besteuerten Arbeitseinkommen gilt.

Ein Problem bei vielen Steuerreformen ist, dass sie für die Ärmsten keine Auswirkungen haben. Dabei handelt es sich um Menschen, deren Einkommen komplett unterhalb des Freibetrags liegen und damit gar nicht besteuert werden. Um solche Bürger zu unterstützen wird als Alternative zu Steuersenkungen die Streichung von Gebühren, etwa für Kitas, die Reduzierung von Sozialabgaben oder die Ausweitung von Sozialleistungen gefordert.

15. Wo finden Steuerzahler Hilfe?

Die Steuererklärung ist für viele eine ähnlich lästige Pflicht wie der Termin beim Zahnarzt, bei einigen sogar genauso gefürchtet - obwohl die Mehrheit am Ende eine mehr oder weniger große Rückzahlung vom Finanzamt erhält.

Kein Wunder: Das deutsche Steuersystem ist kompliziert, kennt viele Ausnahmen und Sonderregelungen. (Siehe Fragen 6 und 11). Selbst im einfachsten Fall - einem Angestelltenverhältnis ohne weitere Einkünfte - fühlen sich viele schlicht überfordert. Dazu kommt, dass man nicht einfach jemanden aus dem Freundeskreis bitten kann, die Steuererklärung zu machen oder auch nur dabei zu helfen - das verbietet das Steuerberatungsgesetz.

Dennoch können sich Steuerzahler helfen lassen. Je nach persönlichen Umständen reicht die Preisspanne dafür von kostenlos bis ziemlich teuer:

  • Angehörige dürfen kostenlos helfen. Dazu zählen (auch geschiedene) Ehepartner, Verwandte bis zum dritten Grad (Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel, Neffen, Nichten, Onkel, Tanten), Schwiegereltern, Schwager und Schwägerin. Sie dürfen im Steuerformular als Mitwirkende genannt werden und sogar im Namen des Steuerpflichtigen mit dem Finanzamt korrespondieren.
  • Auch das Finanzamt selbst hilft kostenlos - allerdings nur sehr begrenzt: Die Sachbearbeiter beantworten zum Beispiel, in welchem Formular eine Angabe einzutragen ist. Dazu haben die Finanzämter Service-Stellen eingerichtet, oftmals sind sie auch telefonisch zu erreichen. Allerdings dürfen die Finanzbeamten keine Steuerberatung im eigentlich Sinn leisten - also etwa Rat geben, wie man möglichst wenig Steuern zahlt.
  • Vor allem bei relativ einfachen Steuerfällen wie Arbeitnehmern ohne weitere Einkünfte hilft eine Steuersoftware. Meist ist es mit solchen Programmen einfacher, die Daten einzugeben, als mit den offiziellen Formularen. Besonders hilfreich ist, dass zumeist die Daten des Vorjahres übernommen werden können und nicht jedes Jahr alles neu eingegeben werden muss. Zusätzlich bietet die Software Tipps, wie Steuern gespart werden können. Entsprechende Produkte kosten etwa 15 bis 40 Euro.
  • Arbeitnehmer, Rentner und Beamte können Mitglied in einem Lohnsteuerhilfeverein werden - wenn sie nicht zusätzlich Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit haben oder die Einnahmen aus Vermietungen und Kapitalvermögen mehr als 13.000 Euro betragen. Arbeitnehmer müssen lediglich Belege sammeln, der Verein füllt die Steuererklärung aus, schickt sie ans Finanzamt, prüft den Steuerbescheid und legt, wenn nötig, Einspruch oder sogar Klage ein. Die Mitgliedschaft kostet außer einer Aufnahmegebühr einen Jahresbeitrag, der sich meist nach dem Einkommen staffelt. Im Durchschnitt liegt der Jahresbeitrag bei rund 150 Euro. Lohnsteuerhilfevereine findet man auf den Webseiten der beiden Dachverbände: Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) (LINK: http://www.nvl.de/) und Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) (LINK: https://www.bvl-verband.de/ ).
  • Steuerberater: Zu ihnen kann prinzipiell jeder Steuerpflichtige gehen - für viele Selbstständige oder Arbeitnehmer mit komplizierten Konstellationen ist es auch ratsam. Es ist allerdings auch die kostspieligste Hilfe. Dafür haften Steuerberater unter Umständen auch für fehlerhafte Beratung. Sie erstellen die Steuererklärung, prüfen den Bescheid, legen wenn nötig Klage ein und beraten darüber hinaus in steuerlichen Fragen. Wie viel ein Steuerberater kostet, ist in einer Vergütungsverordnung geregelt. Konkret hängt es von der Höhe der Einkünfte ab, der Komplexität des Falls, dem Umfang des Auftrags - und nicht zuletzt einem ziemlich hohen Ermessensspielraum des Steuerberaters. Für einen durchschnittlichen Fall bei Einkünften von 30.000 Euro betragen die Kosten laut "Finanztip" rund 280 Euro. Seit Juli 2016 dürfen Steuerberater auch weniger oder mehr verlangen als in der Verordnung geregelt ist - außer es geht um ein Verfahren vor dem Finanzgericht.

Autoren: David Böcking, Florian Diekmann und Stefan Kaiser

Dokumentation: Holger Wilkop

Redaktion: Yasmin El-Sharif

Schlussredaktion: Thomas Fuchs, Dörte Karsten und Christine Sommerschuh

Grafiken: Guido Grigat, Aída Márquez Gonzales, Anna van Hove

Fotos: Nasser Manouchehri

Mitarbeit: Insa Winter

Layout: Katja Braun, Hanz Sayami

Programmierung: Guido Grigat, Frank Kalinowski, Chris Kurt


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GRÜBELMONSTER 14.06.2017
1. Verwendung der Steuermittel...
Hmmm.... Irgendwie hatte ich mir mehr erwartet... Das ist ja fast wie "Die Sendung mit der Maus".... im Sinne der Regierenden... irgendwie.... Damit Steuern zahlen wieder mehr Spaß machen soll... Klingt komisch, is´ aber so! Denn: Bei "Subventionen sind deutlich zurückgegangen" und "Wohin fließen die Mittel" da fehlen mir einige sehr große Positionen bzw. die Positionen werden zwar erwähnt, aber eher im Sinne von großen "Tarn-Posten". Ich will das mal gerne erklären: Vieles an Fördermitteln (seinerzeit Abwrackprämie für Kfz oder auch Beihilfen zur ökologischen Sanierung von Häusern usw.....) geht auf "politische Willen" zurück. Ob es dem vordergründig kommunizierten "höheren Zweck" dient, ist - befürchte ich - zumindest fraglich. Auf jeden Fall spülen solche Maßnahmen stets sehr viel Geld in die Kassen der jeweils dadurch begünstigten Wirtschaftszweige. Die Aufzählung ließe sich ziemlich lang fortführen, aber ich möchte mich auf ein ganz besonders "Heißes Eisen" fokussieren: Kosten der Flüchtlings- / Migrationspolitik. Denn unabhängig von "Wir schaffen das!" kostet das nicht nur eine ganze Menge Geld.... es wird mir viel zu wenig davon gesprochen, in wessen Taschen diese Gelder letztlich landen. Es wird mir viel zu wenig (bis gar nicht....) darüber Auskunft gegeben, welche Summen fließen an: Hersteller von Wohncontainern / Eigentümer entsprechend angemieteter Immobilien; Sicherheits-Unternehmen; Catering-Dienste; Anwälte (die "Bleibe-Ansprüche" durch ´zig Instanzen vertreten); Organisationen wie ProAsyl u.ä. ....usw. usw. .... bis hin zum gesamten Gesundheitswesen!!!! Das sind alles Branchen, die direkt oder indirekt finanziell von der aktuellen Politik profitieren. Mit ein bisschen Dreistigkeit lässt sich das sogar als "Kleines Wirtschaftswunder durch Humanität" verkaufen. Nur sollte man doch bitte dem geneigten Wähler insofern Reinen Wein einschenken, dass er dieses Wachstum ziemlich teuer mit eigenen Mitteln erkauft......... falls ich mich nicht sehr irre.... Daher bitte ich den SPIEGEL seine Recherchen in Richtung "Wohin fließt wie viel Geld?" zu intensivieren und detailliert zu berichten! Vielen Dank!!!
Georg_Alexander 14.06.2017
2. Das ist schlicht Unsinn
Wie sich Ihr Einkommen zusammensetzt ist komplett egal, "entscheidend ist, was am Ende des Jahres hinten herauskommt". Die kalte Progression entsteht einzig dadurch, dass die Steuerkurve "durchschnittlicher Steuersatz" nicht automatisch an die Kaufkraft angepasst wird, daher ist bei laufender Geldentwertung und gleichzeitig erhöhtem Einkommen (d. h. man landet im steileren, progressiveren Bereich der Steuerkurve) u. U. die Progression stärker als der reale Kaufkraftzuwachs: Dann kann man sich von dem höheren Einkommen jetzt weniger leisten als voher... (Ist vielleicht kein Steuerberaterdeutsch, aber vielleicht etwas verständlicher ;-) Mein Vorschlag zur Gerechtigkeit und Transparenz: Eine "Steuerkurve auf Rädern" (wie in "Endlich verständlich" beschrieben), allerdings nicht automatisch sondern von hoffentlich verantwortungsvollen Politikern bei Bedarf jährlich neu parametrisiert. Die Deckelung der Progression durch Spitzensteuersatz muss allerdings komplett abgeschafft werden, das ist nur ganzjährig Weihnachten für die ganz Reichen: Gegen Unendlich strebende Einkommen müssen auch nahezu unendlich mit Steuern belastet werden! Noch eins im Wahlkampf: Wer von Steuererhöhung oder -senkung redet, ohne die Zielgruppe dazuzunennen, ist ein Scharlatan...
leodgr 14.06.2017
3. Nr. 2, letzter Satz
37,7% Lohn-/Einkommensteuer werden keineswegs "allein von Arbeitnehmern" bezahlt...
Der Gras Experte 14.06.2017
4. Netter Versuch
Der Beitrag versucht einen einfachen Einblick in das komplexe deutsche Steuersystem zu gewähren. Leider befinden sich im Text laufend Fehler in der Wortwahl, wodurch mögliche Interpretationen fehlgeleitet werden können. So heißt es bei der Frage der Gerechtigkeit "wer viel hat, muss auch mehr für die Gemeinschaft leisten" Bloß exerzieren in Deutschland keine Vermögenssteuer (im eigentlichen Sinne). Somit wäre es passender zu sagen "wer viel verdient, sollte mehr für die Gemeinschaft abgeben"
Georg_Alexander 14.06.2017
5. Es ging eher um
Zitat von leodgr37,7% Lohn-/Einkommensteuer werden keineswegs "allein von Arbeitnehmern" bezahlt...
die Zielgruppen innerhalb der Steuerkurve: Je nach Anpassung der Steuergesetze TRIFFT es eher die Geringverdiener oder BEGÜNSTIGT eher die Bestverdiener - selten umgekehrt. Es ist also schon ein prinzipieller Unterschied, ob Herr Lindner "DIE Steuern" senken will oder Frau Wagenknecht!
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