Steuerhinterziehung Wie deutsche Banken um Schweizer Schwarzgeld buhlen

Doppelmoral im Steuerstreit: Offiziell bekennen sich deutsche Banken zum Anti-Geldwäsche-Gesetz. Doch in Wahrheit nehmen manche von ihnen offenbar gerne Schwarzgeld von Schweizer Kunden entgegen, wie ein Test der Züricher "Handelszeitung" zeigt.

Von Claude Baumann

Grenzübergang bei Konstanz: "Unser Finanzamt wird sich nicht für Sie interessieren"
DPA

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In der Bankfiliale stehen noch die leeren Mineralwasserflaschen und Kaffeetassen der letzten Besucher auf dem Tisch. Offenbar läuft das Geschäft gut. Später wird denn auch die Kundenberaterin sagen, dass der Andrang enorm sei, und 90 Prozent der Neukunden aus der Schweiz kämen. Kein Wunder, wenn die Wünsche der Klientel so viel Gehör finden.

Die Schweizer "Handelszeitung" wollte wissen, wie schwierig es für Eidgenossen ist, ein Bankkonto in Deutschland zu eröffnen und unversteuertes Geld darauf zu deponieren - in einer Zeit, in der keine Woche mehr vergeht, ohne dass die Schweiz nicht am Pranger der internationalen Steuerhinterziehungsdebatte steht.

Die Resultate des nicht repräsentativen Tests sind verblüffend: Die meisten Schweizer Banken sind auf eine resolute Weißgeld-Strategie umstiegen. In Deutschland herrscht dagegen Unbekümmertheit. In den deutschen Geldhäusern dominiert dem Testergebnis zufolge genau jene Mentalität, mit der die ominösen "Swiss Banker" jahrzehntelang das Schwarzgeld der ausländischen Klientel in Empfang nahmen. Dabei werden Politiker in der Bundesrepublik nicht müde, in medienwirksamen Auftritten die früheren Steuerpraktiken der Schweizer Banken zu geißeln. Doppelmoral im Steuerstreit?

Fonds in der Karibik

Die Versuchsanlage ist denkbar simpel: Auf die Reise nach Bayern und Baden- Württemberg begab sich der Autor als 50-jähriger Schweizer Unternehmer, der auf Grund von Einkünften in Deutschland ein Konto bei einer lokalen Bank eröffnen will. Zudem möchte er von den in Deutschland günstigeren Gebühren und darüber hinaus rund 100.000 Franken anlegen, die derzeit noch in einem Fonds in der Karibik liegen. Pikantes Detail: Das Geld aus Übersee ist in der Schweiz nicht deklariert.

Ob in Lindau, Waldshut, Friedrichshafen oder Konstanz - überall wird dem Besucher ein herzlicher Empfang bereitet. Bei einer Commerzbank-Filiale am Bodensee etwa kommt man rasch zur Empfehlung eines zinsfreien Girokontos, das bei monatlichen Eingängen ab 1200 Euro sogar umsonst ist; zu günstigen Konditionen gibt es auch EC- und Kreditkarte, die im ganzen EU-Raum kommissionsfrei verwendet werden können.

Als die Rede aufs unversteuerte Geld kommt, reagiert der Kundenberater zunächst etwas verunsichert. Er bittet um ein wenig Geduld. Er wolle sich mit einem Kollegen absprechen, sagt er. Dann, nach ein paar Minuten, stößt der Filialdirektor zum Gespräch dazu. Eine entsprechende Überweisung aus dem Ausland sei überhaupt kein Problem, sagt er, zumal es nicht Aufgabe der Bank sei, die Steuersituation des Kunden zu prüfen. "Wir sind nicht verpflichtet, danach zu fragen", betont er und ergänzt: "Selbst wenn Sie mir versichern, dass Ihr Geld versteuert ist, weiß ich ja nicht, ob das stimmt." Punkt.

Das boten deutsche Banken im Beratungsgespräch

Institut Konto Gebühr EC-/Kreditkarte Stellung-
nahme der Bank
BW Bank BW
extend
Online 2,50 Euro pro Monat Ja Bank widmet sich der Schwarzgeld-Thematik"
Commerzbank Giro-
konto
Bei monatlichem Geldeingang von 1200 Euro kostenlos Ja "Keine Konten für Kunden mit unversteuerten Geldern"
Deutsche Bank Best-
Konto
9,99 Euro pro Monat Ja Kein weiterer Kommentar
Hypo-
vereinsbank
Konto Klassik Bei 1500 Euro pro Quartal auf dem Konto kostenlos Ja "Kunden werden nach Gesetz identifiziert"
Sparkasse Giro direkt Online 2,90 Euro pro Monat Ja "Unversteuerte Gelder werden nicht angenommen"
Volksbank Konto-
Direkt plus
Ab monatlichem Geldeingang von 500 Euro kostenlos Ja "Bank hält sich an Standards und identifiziert Kunden"

Quelle: HZ/Firmenangaben

Einige Tage später wird ein Sprecher am Hauptsitz der Commerzbank Chart zeigen in Frankfurt am Main gegenüber der "Handelszeitung" erklären: "Wir führen keine Konten für Kunden, die uns nicht versteuerte Einlagen andienen. Vielmehr besitzt die Commerzbank ein Regelwerk, das die weltweit gültigen Compliance-Mindeststandards für den Konzern definiert." Diese Standards, so der Sprecher weiter, umfassten unter anderem eine globale Policy zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung, und darin seien auch Handlungsempfehlungen für Mitarbeiter enthalten.

Die Realität ist indes eine andere, wie der Test eindrücklich zeigt. In der Commerzbank-Filiale am Bodensee denkt der Filialdirektor bereits in globalen Dimensionen und empfiehlt Konten in Dollar oder Franken, um bei der Überweisung Währungsverluste zu vermeiden. Zur weiteren Diskretion ist die Bank auch bereit, die gesamte Geschäftskorrespondenz gegen eine jährliche Gebühr von 250 Euro zurückzubehalten. Es ist ein Service, den früher vor allem Schweizer Banken ihrer ausländischen Klientel anboten. So ließ sich jeglicher Verdacht der Behörden im Ausland zerstreuen.

Alles bloß ein Einzelfall? Der Gang zu einer Volksbank-Filiale in einem Ort bei Friedrichshafen zeigt, dass das Vorgehen der Commerzbank keineswegs unüblich ist. Selbst am Mittwochnachmittag, an dem die Bank eigentlich geschlossen ist, empfängt der Kundenberater den potentiellen Klienten aus dem südlichen Nachbarland. Einer Kontoeröffnung steht auch hier nichts im Wege, zumal die Volksbank einige Erfahrung mit Schweizer Kunden hat. Sie bietet die Möglichkeit, Franken-Beträge auf ein Volksbank-Konto bei der Schweizer Postfinance einzuzahlen, wo das Geld dann in Euro gewechselt und nach Deutschland transferiert wird.

Auch bei der Volksbank bereitet der unversteuerte Geldbetrag aus der Karibik keinerlei Probleme. "In Deutschland gelten Sie als Steuerausländer", stellt der Bankmitarbeiter gegenüber dem Besucher klar. "Unser Finanzamt wird sich nicht für Sie interessieren." Schließlich empfiehlt der Volksbank-Berater aber doch, allenfalls einen Schweizer Steuerberater zu konsultieren. Bloß, den kümmert es wenig, ob ein Schweizer unversteuertes Geld im Ausland hortet. So driftet die Angelegenheit vollends in die Grauzone ab.

Befürchten muss der Schweizer Kunde in Deutschland so oder so wenig. Die Schweiz unterscheidet im Inland nach wie vor zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug. Die Banken sind nur im Fall von Betrug gezwungen, das Bankgeheimnis aufzuheben und Daten auszuliefern - nicht aber bei Steuerhinterziehung, da es sich dabei um ein verwaltungsrechtliches Vergehen handelt. Unter diesen Prämissen ist bei Verdacht auf Steuerhinterziehung im Ausland auch kein Amtshilfegesuch möglich.

Dies bestätigt indirekt auch der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin: "Legen europäische Bürger ihr Geld bei einer deutschen Bank an, werden Auskünfte über die Zinseinnahmen an die Heimatländer der Anleger erteilt", sagt er. Im Fall der Schweiz geschehe das jedoch nicht. "Nach dem bilateralen Abkommen zwischen der EU und der Schweiz verzichtet die Schweiz auf entsprechende Auskünfte von deutschen Kreditinstituten", betont der Sprecher.

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insgesamt 47 Beiträge
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Seite 1
Reziprozität 24.05.2012
1.
Tja, es ja nun nicht gerade so, als ob es dieses Phänomen erst seit heute oder gestern gibt: http://forum.spiegel.de/f5/steuerfluechtlinge-haerter-bekaempfen-3273-342.html#post1990082
uezegei 24.05.2012
2.
Man könnte böse sein und behaupten: im größten deutschen Bankhaus und im Kanzleramt gab jahrelang ein Schweizer den Ton an, da wundert es doch nicht, dass es so kommt.
Nebhrid 24.05.2012
3. Doppelmoral
Zitat von sysopDPADoppelmoral im Steuerstreit: Offiziell bekennen sich deutsche Banken zum Anti-Geldwäsche-Gesetz. Doch in Wahrheit nehmen manche von ihnen offenbar gerne Schwarzgeld von Schweizer Kunden entgegen, wie ein Test der Züricher "Handelszeitung" zeigt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,834894,00.html
oder doch eher schon Betrug!
AFH 24.05.2012
4. .
Naja, hier versagt ja eher der Schweizerische Gesetzgeber. Trotzdem kommt mir als Schweizer die Deutsche Haltung etwas merkwürdig rüber - über Steuerhinterzieher herziehen, aber ausländischen Steuerhinterzieher mit der eigenen Landesbank hofieren? Rechtlich wohl ok, aber moralisch ist das doch eher "Wasser predigen, Wein trinken".
montaxx 24.05.2012
5. Endlich!
Endlich haben auch die deutschen Banker von ihren gewieften schweizerischen Kollegen dazugelernt.Aber mal im Ernst:Ich bin gegen Schwarzgeld,in welchem Land auch immer.Eines Tages wird auch die Schweiz für den automatischen Informationsaustausch sein.Schließlich gehen ihr ja auch reichlich Steuereinnahmen flöten.flöten...
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