Britische Jungferninseln Ist 'ne Steueroase, darf aber nicht so heißen

Eigentlich wollte die Europäische Union die Britischen Jungferninseln auf ihre schwarze Liste der Steueroasen setzen - nun hat das Vereinigte Königreich das offenbar verhindert.

Britische Jungferninseln
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Britische Jungferninseln


Das Vereinigte Königreich hat laut einem Zeitungsbericht dafür gesorgt, dass die Britischen Jungferninseln von der Europäischen Union (EU) nicht auf die schwarze Liste der Steueroasen gesetzt werden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung ("SZ") unter Berufung auf Papiere der zuständigen EU-Gremien.

Die EU-Finanzminister wollen am Dienstag ihre schwarze Liste aktualisieren - und sie unter anderem um die Jungferninseln ergänzen, die zum britischen Überseegebiet gehören. Auf der karibischen Inselgruppe sind laut "SZ" mehr als 400.000 Briefkastenfirmen registriert, darunter viele der Rechtsanwaltskanzlei Mossack Fonseca, deren Arbeit durch die sogenannten Panama Papers enthüllt worden war.

Auf der schwarzen Liste landen all jene Staaten, die bei der Ermittlung von Steuerhinterziehern nicht ausreichend mit der EU zusammenarbeiten oder dieser nicht zumindest ausreichende Zusagen zur künftigen Zusammenarbeit gemacht haben.

Die Britischen Jungferninseln galten aus Sicht vieler EU-Staaten lange nicht als kooperativ genug. Laut "SZ" empfand noch zwei Tage vor der entscheidenden Sitzung der EU lediglich Großbritannien die Zusagen aus der Karibik als ausreichend. Vor allem Deutschland und Frankreich hätten die Rolle der Britischen Jungferninseln kritisch gesehen. Letztlich aber hätten sie dann doch eingelenkt und den Zwergstaat von der schwarzen Liste genommen.

Orlando Smith, der Premierminister der Britischen Jungferninseln, hatte zuvor in einem Brief erklärt, es sei "niemals die Absicht" der Jungferninseln gewesen, "ein potenziell schädliches Steuerregime zu betreiben".

ssu

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
disponieren 13.03.2018
1. 1.Satz
Der erste Satz des Artikels stimmt nicht, wenn ich das richtig verstehe. Die britische Regierung hat dafür gesorgt, dass die Jungferninseln von der Liste gestrichen werden, nicht, dass sie darauf gesetzt werden.
rizzorat 13.03.2018
2. Britischer Einfluss
auf EU Entscheidungen die über deren Austrittsdatum hinausgehen sollten tunlichst unterbunden werden.
klausi_maiermüller 13.03.2018
3. Es gibt eine deutsche Variante der britischen Jungferninseln!
Die deutsche Variante heißt Monheim und liegt am Rhein in NRW - Spiegel und Spiegel/online berichteten mehrfach. Wegen der extrem niedrigen Steuersätze für Firmen haben dort eine ganze Reihe von Konzernen und Groß-Firmen ihre steuerpflichtige Adresse abgemeldet. Mittlerweile gibt es sogar umgewandelte Wohnhäuser mit vielen Briefkästen! Nur eines der vielen Beispiele: Oxea ist der Drittgrößte Arbeitgeber in Oberhausen - ein Chemiekonzern. Oberhausen muss die Umweltverschmutzung ertragen, Bürger vor den Folgen schützen und sanieren; Oberhausen muss die Infrastruktur stellen; die Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser etc, etc, für die Arbeiter und deren Familien; Oberhausen muss bei Langzeitarbeitslosen die Hartz4-Kosten tragen, Oberhausen fehlt Geld zur Toilettensanierung i8n den Schulen usw. usw. usw. Und die deutschen "Jungferninseln", die deutsche Steueroase Monheim? Dorthin hat Oxea die steuerpflichtige Anschrift und Teile der Konzernzentrale verlegt. Oxea spart Millionen; Monheim kassiert trotz paradiesische Steuersätze Geld; und andere Bürger und Gemeinden (z.B. Oberhausen) bezahlen deren Zeche!
geschädigter5 13.03.2018
4. Warum
Diese Steueroase gehört aber sowas von mit auf die Liste! Man kann hier Frau May verdeutlichen, dass die EU schon ohne die Briten arbeitet.
erzengel1987 13.03.2018
5. Die machen sich lächerlich...
Mehr ist dazu nicht zu sagen. Steuerbetrug großer Firmen wird weiterhin zugelassen und tolleriert. Wenn der kleine Mann 1 Cent nicht zahlt, kann dieser bereits mit Haftstrafen rechnen. Überspitzt formuliert aber große Firmen, da muss niemand mit auch nur ansatzweise eine Geldstrafe im Cent bereich rechnen. Hier gilt es dringend das bestehende Unrecht zu beseitigen. Zudem England da entgegenzukommen halte ich für Falsch die sind kein EU Land mehr.
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