Trotz Brexit Briten blockieren Kampf gegen Steueroasen

Europa will Steueroasen bekämpfen, doch ausgerechnet die Briten stellen sich quer. Nach SPIEGEL-Informationen wollen sie trotz Brexit den Vorsitz in einem entscheidenden EU-Gremium.

Cayman Islands
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Cayman Islands


Trotz ihrer Entscheidung für einen EU-Ausstieg wollen die Briten die Steuerpolitik der Union auch künftig entscheidend mitbestimmen. Nach Informationen des SPIEGEL streben sie den Vorsitz der Arbeitsgruppe Verhaltenskodex beim Rat der Europäischen Union an, die über den schädlichen Steuerwettbewerb der Mitgliedstaaten wacht. Für den einflussreichen Posten haben sie Mike Williams, einen Karrierebeamten aus dem britischen Finanzministerium, in Stellung gebracht. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Die Nominierung trifft bei den übrigen Mitgliedsländern auf Widerstand, weil die Briten seit dem Brexit-Beschluss wichtige Fortschritte im Kampf gegen Steueroasen blockieren. Bei der Erstellung einer schwarzen Liste verdächtiger Steuerparadiese verhindern sie bisher erfolgreich, dass ein Steuersatz von null, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, als Verdachtskriterium zählt. Mehrere britische Überseegebiete - wie Bermuda, die Cayman Islands und die British Virgin Islands - locken so Steuersparer aus der ganzen Welt an.

Die Arbeitsgruppe Verhaltenskodex ist für die Erstellung der schwarzen Liste zuständig. Dort fordern die Briten auch, dass nicht mehr die EU-Kommission, sondern allein die EU-Länder für die Verhandlungen mit den Steuerparadiesen zuständig sind. So könnten sie, so lautet wohl das Kalkül, mit ihrem nationalen Vetorecht in Steuerdingen für sie unliebsame Entwicklungen stoppen.

Dieses Thema stammt aus der neuen SPIEGEL-Sonderausgabe zur Bundestagswahl - erhältlich ab Dienstagmorgen und schon heute ab 15 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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rei/pau

insgesamt 194 Beiträge
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Seite 1
epicentre 16.12.2016
1. Keine Überraschung
Das einzige Geschäftsmodell, daß GB nach dem Brexit effizient betreiben werden kann, ist Steuerdumping. Bereits heute ist GB am unteren Ende der Unternehmenssteuern. Viele der offshore Oasen sind historisch mit GB verbunden. Die EU sollte GB sofort rausschmeißen. Die EU wird sich erholen. England nicht schnell.
jr125gr 16.12.2016
2. Brexit und unsere Steuerpolitik bestimmen wollen?
Baden die Engländer zu heiß? Einerseits beklagen sie das die EU ihnen zu teuer ist andererseits wollen sie die Steueroasen erhalten? Haben die mal an die Bürger gedacht die Arm sind oder an die Arbeitsplätze die das Kostet?
magic88wand 16.12.2016
3. Nicht mehr lange
In zwei Jahren - ab dem Brexit - gibt es nichts mehr zu blockieren für die Briten. So lange können wir noch aushalten, wenn man bedenkt, dass jahrzehntelang Nullkommanichts gegen Steueroasen getan wurde, auch von Deutschland.
bibabuzelmann 16.12.2016
4. Sorry aber langsam reichts ...
Wieso kann sich da ein Engländer "in Stellung bringen", obwohl sie aus der EU rauswollen? Wer sagt es Ihnen schonend, dass sie nichts mehr zu melden haben?
epiktet2000 16.12.2016
5. Allein Großbritannien?
Wie sieht's denn aus mit den Steuer-"Oasen" Luxemburg, Niederlande, Irland?
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