Steuerreform Schäuble macht gegen FDP-Prestigeprojekt mobil

Der Bund hat nach Informationen des SPIEGEL im vergangenen Jahr rund 36 Milliarden Euro an neuen Krediten aufgenommen - und damit 13 Milliarden Euro weniger als geplant. Doch 2010 droht ein Schuldenrekord. Finanzminister Schäuble stellt deshalb die von der FDP geforderten Steuersenkungen in Frage.

Wolfgang Schäuble: Der Finanzminister muss 86 Milliarden Euro neue Schulden machen
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Wolfgang Schäuble: Der Finanzminister muss 86 Milliarden Euro neue Schulden machen


Hamburg - Sie sind noch einmal halbwegs glimpflich davongekommen: Nach vorläufigen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums nahmen Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und sein Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) im vergangenen Jahr rund 36 Milliarden Euro an neuen Krediten auf. Der Bund hat damit weniger Schulden gemacht als zuletzt angenommen. Ursprünglich war für 2009 eine Neuverschuldung von 49,1 Milliarden Euro vorgesehen.

Ursache für die geringere Schuldenaufnahme ist die etwas bessere Konjunkturentwicklung. Aufgestellt wurde der Etat 2009 unter der Annahme, die Wirtschaft würde um sechs Prozent schrumpfen. Tatsächlich fiel die Rezession etwas schwächer aus. Dadurch sanken die Steuereinnahmen nicht ganz so stark wie befürchtet, und auch die Kosten für die Finanzierung zusätzlicher Arbeitsloser blieben unter den Erwartungen.

Deutlich schlimmer wird es aber wohl in diesem Jahr kommen: Es droht eine Nettokreditaufnahme in Höhe von 86 Milliarden Euro. Finanzminister Schäuble würde damit zum absoluten Schuldenmeister - bislang hat den Titel der CSU-Politiker Theo Waigel inne. Er nahm 1996 rund 40 Milliarden Euro an neuen Krediten auf.

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Nicht zuletzt angesichts des drohenden Rekorddefizits und der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung streiten Union und FDP heftig über die im Koalitionsvertrag für 2011 vorgesehene Steuerreform. Nach Informationen des SPIEGEL plant das Bundesfinanzministerium bereits, das Projekt zu verschieben.

Die Überlegungen, in die auch schon Ressortchef Wolfgang Schäuble einbezogen ist, sehen vor, das Vorhaben zwar schon in diesem Jahr zu beschließen, aber anders als verabredet erst nach 2011 in Kraft treten zu lassen. Die Einnahmeausfälle von bis zu 20 Milliarden Euro seien für die angespannten öffentlichen Haushalte ein oder zwei Jahre später besser zu verkraften, heißt es zur Begründung.

Schäuble zog die von der FDP kategorisch geforderte Entlastung um insgesamt 24 Milliarden Euro in einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel am Sonntag" erneut in Zweifel. Zugleich kündigte er Sparmaßnahmen an. "Ob eine so umfangreiche steuerliche Entlastung realistisch ist, kommt zum einen darauf an, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung im Mai darstellt und zum zweiten darauf, zu welchen Einsparungen die Koalition bereit ist. Beides wird nicht voneinander zu trennen sein", sagte der CDU-Minister.

Ähnlich hatte sich der scheidende baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU) am Freitag gegenüber SPIEGEL ONLINE geäußert. "Ich rate zu einer sehr nüchternen Haushaltspolitik", sagte der künftige EU-Kommissar. Mit Blick auf die Prognosen und die anstehende Steuerschätzung sehe er derzeit für 2011 "keinen Spielraum für nennenswerte Entlastungen".

Schäuble schließt Erhöhung der Mehrwertsteuer aus

Die FDP beharrt darauf, die im Koalitionsvertrag unter Finanzierungsvorbehalt gesetzten Steuerpläne unabhängig vom Ergebnis der Steuerschätzung im Mai umzusetzen. Schäuble sagte, jeder müsse wissen, dass "wir weitere Impulse für mehr Wachstum durch Steuersenkungen nur dann setzen können, wenn wir auf der Ausgabenseite entsprechend einsparen".

Der Minister kündigte erneut ein Sparprogramm an. "Wir werden die Bürger auf Kürzungen vorbereiten müssen", sagte Schäuble. Konkrete Maßnahmen nannte er weiterhin nicht. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in dieser Wahlperiode schloss der Finanzminister aus. Auch denke in der Koalition niemand über eine Besteuerung der Schicht- und Feiertagszuschläge nach: "Das wird nicht kommen."

Ab 2011 müsse der Bund mit dem Abbau des Rekorddefizits von 86 Milliarden Euro beginnen. "Das allein wird schwierige Sparmaßnahmen zur Folge haben, für die wir Akzeptanz in der Bevölkerung schaffen müssen", sagte der CDU-Politiker. Der Koalition werde diese Aufgabe "viel politische Klugheit und weniger Geschwätzigkeit abverlangen", fügte er hinzu.

Die laufende Diskussion über das Ausmaß weiterer Steuersenkungen führe "nicht zur Aufklärung und zur Akzeptanz in der Bevölkerung", sagte er in Anspielung auf den Koalitionsstreit. "Wir brauchen keinen Neustart. Es genügt vollauf, wenn wir die öffentlichen Auseinandersetzungen beenden."

böl/AFP

Forum - Soll der Staat die Steuern auf Pump senken?
insgesamt 1701 Beiträge
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Seite 1
spitzbube 24.10.2009
1.
Eines Tages muß die Zeche bezahlt werden. Ich bin nicht mehr der Jüngste, vielleicht trifft es mich ja nicht mehr. Aber die Jungen, die können einem schon leid tun! Warum nicht sparen? Am Wehretat z.B., schließlich sind wir nicht gerade von Feinden umgeben.
winfried ugi, 24.10.2009
2. Soll der Staat die Steuern auf Pump senken?
Zitat von sysopSteuergeschenke wurden vor der Wahl dem Wähler avisiert, jetzt sollen sie realisiert werden. Die Finanzierung solcher Genüsse freilich stößt auf Probleme. Soll der Staat die Steuern auf Pump senken?
Diese Frage ist doch völlig überflüssig, da die FDP doch vor der Wahl den Zusammenhang genau erklärt hat: 1. Steuern um mindestens 35 Mrd € runter. 2. Durch die Steuerentlastung springt die Wirtschaft wieder an (Leistungsträger leisten wieder und so..) 3. Durch die angesprungene Wirtschaft sprudeln die Steuern wieder und es kommt mehr herein als vorher. 4. Allen geht es viel besser als vorher und jeder kann sich seinen Strandurlaub wieder leisten, den die bösen Sozis etc. uns gestohlen hatten... Wahrscheinlich habe ich das alles falsch verstanden und die Ähnlichkeit mit der wundersamen Geldvermehrung durch die Finanzindustrie (Derivatisierung von Derivat-Derivaten) nicht gesehen.
Diagen 24.10.2009
3.
Zitat von sysopSteuergeschenke wurden vor der Wahl dem Wähler avisiert, jetzt sollen sie realisiert werden. Die Finanzierung solcher Genüsse freilich stößt auf Probleme. Soll der Staat die Steuern auf Pump senken?
Nein.
Palmstroem, 24.10.2009
4. Weniger Einnahmen auf Pump ist unlogisch
Zitat von sysopSteuergeschenke wurden vor der Wahl dem Wähler avisiert, jetzt sollen sie realisiert werden. Die Finanzierung solcher Genüsse freilich stößt auf Probleme. Soll der Staat die Steuern auf Pump senken?
Die Frage ist absolut unlogisch. Man kann nur Ausgaben auf Pump machen. Und Einnahmen sind nun mal keine Ausgaben. Ja, es kann durchaus sein, daß geänderte Steuersätze sogar zu Mehreinnahmen führen, die aber nur dann weniger Pump erforden, wenn die Ausgaben nicht weiter stärker steigen, als die Einnahmen.
frubi 24.10.2009
5.
Zitat von spitzbubeEines Tages muß die Zeche bezahlt werden. Ich bin nicht mehr der Jüngste, vielleicht trifft es mich ja nicht mehr. Aber die Jungen, die können einem schon leid tun! Warum nicht sparen? Am Wehretat z.B., schließlich sind wir nicht gerade von Feinden umgeben.
Ich bin Jahrgang 86 und mache mir eher Sorgen wie meine Kinder mal mit den Schulden umgehen werden. Die werden ja nicht weniger. Im Gegenteil. Die Schulden die meine Generation zu schultern hat ist nichts im Vergleich zu dem was die kommenden Generationen tragen müssen. Die Politiker müssen verdammt nochmal gesetzlich dazu verpflichtet werden keine neuen Schulden mehr machen zu dürfen. Was passiert denn, wenn wir neue Schulden für Wachstum ausgeben? Wer garantiert uns den Wachstum? Keiner. Mal eine ganz andere Frage: Bei wem haben wir überhaupt Schulden? Wo leihen wir uns das Geld? Aus einer Quelle oder aus vielen kleinen Quellen? Kann man das irgendwo nachlesen? Da bitte ich doch um eine private Nachricht. Zum Verteidigungsetat: Den könnten wir wirklich kürzen. Sollten wir aber, wie geplant, mehr Soldaten nach Afghanistan schicken und dazu noch eventuell schweres Gerät dann steigen die Aussgaben. Da haben wir Bürger leider keinen Einfluss drauf. Nur wir als Büger werden von der afghanischen Bevölkerung für den Einsatz verantwortlich gemacht bzw. Deutschland als Ganzes.
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