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Steuersünder in Deutschland: Zahl der Selbstanzeigen steigt auf mehr als 26.000

Hinweisschilder in Bayern: Mehr Selbstanzeigen - aus Angst vor Strafen Zur Großansicht
DPA

Hinweisschilder in Bayern: Mehr Selbstanzeigen - aus Angst vor Strafen

Allein in Baden-Württemberg zeigten sich im vergangenen Jahr 6191 Steuerhinterzieher an. Auch in vielen anderen Bundesländern schossen die Zahlen in die Höhe - ebenso wie die Einnahmen, die daraus für die Behörden resultierten.

Berlin - Prominente Steuerbeichten wie die von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß sorgten 2013 für Aufsehen - und für zahlreiche Nachahmer. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr mehr als 26.000 Steuersünder in Deutschland selbst angezeigt. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Demnach zeigten sich allein in Baden-Württemberg bis zum 16. Dezember 6191 Menschen wegen Steuerbetrugs an.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen waren es vom 11. Januar 2013 bis 2. Januar 2014 insgesamt 4509 Menschen. In Bayern entschieden sich 3973 Menschen für eine Steuerselbstanzeige. In Berlin zählte das Finanzministerium 966 Fälle - das waren dreimal so viele, wie noch 2012. In Hessen verfünffachte sich die Zahl der Selbstanzeigen auf 2844.

Am wenigsten Menschen offenbarten sich laut der Umfrage in Ostdeutschland dem Fiskus: So gab das Ministerium in Sachsen-Anhalt 33 Steuersünder an, in Mecklenburg-Vorpommern waren es 21.

Die Abgaben, die Steuerhinterzieher zurückzahlten, um einer Strafe zu entgehen, bescherten den Ländern einen Geldsegen: Die höchsten zusätzlichen Einnahmen verbuchte Hessen mit 588 Millionen Euro. Bayern kam auf 230 Millionen Euro. Rein rechnerisch hat damit jeder Steuerhinterzieher nachträglich knapp 58.000 Euro bezahlt.

Steueranwälte hatten SPIEGEL ONLINE schon im Januar von einem Boom der Selbstanzeigen zum Jahresanfang berichtet.

aar/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1. ich hasse das Wort Steuersünder
logabjörk 04.02.2014
oder gibt es auch Bankeinbrechersünder???
2. Schweizer sind erfolgreicher:
mitbestimmender wähler 04.02.2014
Wer sich in der Schweiz seit 2010 selbst anzeigt, muss nur die hinterzogenen Steuern plus Verzugszinsen nachzahlen – für maximal 10 Jahre. Die sonst übliche Busse entfällt. Die Möglichkeit besteht allerdings nur einmal im Leben. Die Schweizer sind damit weit weniger streng als die Deutschen, haben aber damit 3150-3600 abgeschlossene Verfahren bei 8 Millionen BürgernIm Jahr. DEUTSCHLAND HOLT SICH TROTZ STRENGE UND DROHUNGEN 30% WENIGER BEZOGEN AUF DIE BÜRGERZAHL ;-) Erfolgreich wären 36ooo- 45ooo Selbstanzeigen, aber sicher nicht nur 26ooo
3. na ja
Meckerliese 04.02.2014
Und trotz erhöhter Einnahmen macht H. Schäuble schon wieder Schulden. Da kann kommen so viel wie will - unsere Regierung kann nicht sparen. Grauenhaft ist das. Deshalb gibts auch so viele Steuerhinterzieher weil sie sehen was der Staat mit dem Geld treibt. Dass es nur verdummbeutelt wird.
4. Ich bin...
Stefnix 05.02.2014
...wirklich erstaunt - man hat fast den Eindruck, daß bei uns fast jeder nicht-Hartz4-Bezieher Steuern hinter zieht? Ja, wo lebe ich eigentlich?
5. Abschaffen diese Selbstanzeige !
ProDe 05.02.2014
Das ist ein fragwuerdiger Deal mit Kriminellen. Was soll diese Sonderbehandlung - gibt es sonst bei keiner Straftat.
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Daten und Fakten zur Steuerhinterziehung
Wie viel Steuern hinterziehen die Deutschen?
Steuerhinterziehung ist laut Deutscher Steuergewerkschaft zum Volkssport geworden. Auf 30 Milliarden Euro schätzt die Organisation das Volumen der jährlichen Steuerhinterziehung in Deutschland.
Was ist Steuerhinterziehung?
Steuern hinterzieht, wer gegenüber den Finanzbehörden keine, falsche oder unvollständige Angaben macht und dadurch Steuern verkürzt oder Steuervorteile erlangt. Daneben beschreibt das Gesetz besonders schwere Fälle der Steuerhinterziehung, für die ein besonders hoher Strafrahmen zur Verfügung steht. Das ist etwa der Fall, wenn jemand eine Stellung als Amtsträger ausnutzt oder als Mitglied einer Bande Umsatzsteuern hinterzieht.
Wann macht man sich strafbar?
Ein Bürger macht sich strafbar, wenn er selbst Steuern hinterzieht oder sich an der Tathandlung eines anderen beteiligt. In diesem Fall spricht man von Mittäterschaft, Anstiftung oder Beihilfe. Auch der Versuch einer Hinterziehung ist strafbar.
Müssen Steuersünder ins Gefängnis?
Steuerhinterzieher müssen nicht zwangsläufig ins Gefängnis. Gesetzlich wird Steuerhinterziehung mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht. In besonders schweren Fällen kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen. Welche Strafe im Einzelfall ausgesprochen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, maßgeblich jedoch von der Höhe des hinterzogenen Betrages. Aber auch Beweggründe und Ziele des Täters, sein Vorleben oder das Verhalten nach der Tat kommen in Bertacht - etwa ein Bemühen, den Schaden wiedergutzumachen.
Wie vermeidet man eine Bestrafung?
Wer unrichtige oder unvollständige Angaben beim Finanzamt berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt, bleibt insoweit straffrei. Man spricht in diesem Rahmen von einer "Selbstanzeige". Dabei gilt aber, dass eine Selbstanzeige dann wirkungslos ist, wenn sie in einer Phase erstattet wird, in der sich das Entdeckungsrisiko bereits konkretisiert hat, also beispielsweise, wenn dem Steuerpflichtigen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bereits bekanntgegeben wurde oder die Betriebsprüfung oder Steuerfahndung bei ihm erscheint.
Wie funktioniert eine Selbstanzeige?
Eine bestimmte Form der Selbstanzeige ist nicht vorgeschrieben. Es empfiehlt sich, den Rat eines Experten, zum Beispiel eines Steuerberaters, hinzuzuziehen, da viele Details zu beachten sind.
Verjährt das Delikt?
Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich nach den allgemeinen strafrechtlichen Vorschriften fünf Jahre. In einem besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung sind es zehn Jahre. Die strafrechtliche Verjährungsfrist beginnt, wenn die Tat beendet ist. Davon unabhängig ist die steuerliche Verjährungsfrist. Diese beträgt zehn Jahre. Das heißt, dass die Finanzbehörden hinterzogene Steuern auch noch nach zehn Jahren einfordern können.


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