Zürich - Es war doch so schön an der "Goldküste", dem nordöstlichen Ufer des Zürichsees. Wer sich hier eine der teuren Immobilien leisten konnte, wurde in den Abendstunden mit wunderbaren Sonnenuntergängen belohnt. Und wer noch dazu Ausländer war, und reich, und nicht in der Schweiz arbeitete, genoss das Privileg der Pauschalversteuerung.
Das heißt: Er zahlte keine Einkommensteuer, sondern eine pauschale Summe, deren Höhe mit dem lokalen Finanzamt ausgehandelt wurde. Als Bemessungsgrundlage galt mindestens das Fünffache der Wohnkosten. Ein phantastischer Deal sei das für viele Reiche gewesen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".
Doch damit ist seit dem 1. Januar 2010 Schluss. Als erster Kanton hat Zürich die Sonderregelung abgeschafft, zumindest für Staats- und Gemeindesteuern. Und die Reichen reagierten prompt: Nach Angaben der zuständigen Finanzdirektion waren Ende 2008 noch 201 Pauschalbesteuerte im Kanton Zürich registriert. 92 von ihnen sind inzwischen weggezogen.
Einige seien ins Ausland gegangen, doch die meisten hätten andere Kantone vorgezogen, in denen die Pauschalbesteuerung nach wie vor gilt. Besonders attraktiv sei das benachbarte Kanton Schwyz gewesen, gab die Finanzdirektion bekannt.
Wie sich die Wegzüge der Reichen auf die Kantonskasse auswirken, lasse sich derzeit schwer abschätzen, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ"). Wahrscheinlich werden die öffentlichen Kassen eher davon profitieren - schließlich dürften sich für die Villen an der "Goldküste" schnell neue Besitzer finden, die dann deutlich mehr Steuern bezahlen werden.
Für reiche Ausländer dürfte das Privileg der Pauschalbesteuerung künftig auch in anderen Kantonen wegfallen. Nach einer Volksinitiative der Alternativen Liste wurde das Privileg in Zürich gekippt. Nach Angaben der "NZZ" sind mittlerweile in einem Dutzend weiterer Kantone Vorstöße oder Initiativen anhängig, die das gleiche Ziel verfolgen.
hut
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