Handelsstreit Trumps Finanzminister versucht China zu besänftigen

US-Präsident Donald Trump hat China mit Strafzöllen brüskiert. Nun versucht Finanzminister Mnuchin offenbar, eine Eskalation der Krise zu verhindern - und spricht mit dem chinesischen Ministerpräsidenten.

Steven Mnuchin
REUTERS

Steven Mnuchin


Im Handelsstreit zwischen den USA und China loten beide Seiten die Chancen für eine Annäherung aus. Der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Liu He und US-Finanzminister Steven Mnuchin telefonierten am Samstag wegen des Themas.

Chinesischen Staatsmedien zufolge bekräftigte Liu dabei zwar die Entschlossenheit der Führung in Peking, die Interessen des Landes zu verteidigen. Zugleich aber habe der frühere Wirtschaftsberater von Präsident Xi Jinping die Hoffnung geäußert, dass sich eine Eskalation verhindern lasse und die gegenseitigen Handelsbeziehungen stabil blieben. Beide Regierungen hätten weitere Gespräche vereinbart, meldete die Nachrichtenagentur Xinua. Laut der Zeitung "Global Times" ging das Telefonat von Mnuchin aus.

Der jüngste Schlagabtausch zwischen den Wirtschaftssupermächten hatte an den Finanzmärkten Ängste vor einem internationalen Handelskrieg befeuert. Firmen aus China und aus anderen Ländern müssen seit Freitag auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren in die USA neue Zölle zahlen. Für die EU und eine Reihe anderer Staaten wie Kanada und Mexiko, gibt es vorläufige Ausnahmen.

China sieht die Zölle deshalb vorallem als Angriff auf seine Wirtschaft - und bereitet im Gegenzug Zölle auf US-Produkte wie Früchte und Wein im Wert von drei Milliarden Dollar vor. Diese Vergeltungsmaßnahmen werden weithin als moderat gewertet. Doch schmerzhaftere Schritte könnten folgen. Im Gespräch sind Abgaben auf Flugzeuge, Autos, Halbleiter und Sojabohnen. Letzteres wäre ein Schlag für die US-Landwirtschaft und könnte die in Washington regierenden Republikaner in manchen Bundesstaaten unter Druck setzen. Im November stehen Kongresswahlen an, bei denen die Republikaner ihre Mehrheit verteidigen wollen.

Kampf um geistiges Eigentum

Zusätzlich zu den Stahl- und Alu-Zöllen gibt es im Streit mit China noch eine zweite Front. So kündigte US-Präsident Donald Trump kürzlich höhere Zölle an, die sich speziell gegen die Volksrepublik richten. Betroffen sind Produkte im Wert bis zu 60 Milliarden Dollar. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach sich China mit Hilfe diskriminierender Lizenzvereinbarungen widerrechtlich Technologie von amerikanischen Firmen aneignet. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer brachte die Angelegenheit vor die Welthandelsorganisation (WTO).

Die Regierung in Peking bestreitet, Ansprüche ausländischer Firmen auf geistiges Eigentum zu verletzen. Sie wartet nun auf die nächsten Schritte der Amerikaner. In den kommenden zwei Wochen wird eine detaillierte Liste mit den betroffenen chinesischen Produkten erwartet. Anschließend gilt eine Frist von 30 Tagen, in denen Lighthizer Reaktionen einholt und Änderungen vornehmen kann.

Die Auseinandersetzungen sind auch für große US-Technologiekonzerne heikel, die in China große Geschäfte machen. Elektronik- und Technologieerzeugnisse sind Chinas wichtigste Importartikel im Handel mit den USA. Hardware-Hersteller wie Apple lassen einen Großteil ihrer Produkte in der Volksrepublik bauen, um sie in anderen Staaten zu verkaufen.

Apple-Chef Tim Cook rief die Regierungen beider Länder auf, "kühlen Kopf" zu bewahren. Ein ähnlicher Appell kam von Cooks Kollege Larry Fink vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Beide Topmanager äußerten sich auf einer dreitägigen Wirtschaftskonferenz in Peking, wo auch die Chefs von IBM, Google und dem Chiphersteller Qualcomm erwartet wurden.

stk/Reuters

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.