US-Konjunkturdaten: Schwung für Amerika

Es sind positive Nachrichten für Präsident Obama: Arbeitsmarkt, Industrie, Baubranche und Konsum in den USA haben sich zuletzt erfreulich entwickelt. Experten halten ein robustes Wirtschaftswachstum für möglich - trotz der Milliardenschäden durch Hurrikan "Sandy".

Bauarbeiten in Virginia: Branche erholt sich deutlich von ihrem Tief im Jahr 2011 Zur Großansicht
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Bauarbeiten in Virginia: Branche erholt sich deutlich von ihrem Tief im Jahr 2011

Washington - Die Arbeitsmarktdaten aus den USA stehen im Ruf, dass sie Wahlen entscheiden können. Mit Spannung blicken Republikaner wie Demokraten deshalb auf die offiziellen Jobzahlen, die am Freitag am frühen Nachmittag deutscher Zeit veröffentlicht werden. Barack Obama hat Grund zur Annahme, dass diese Zahlen ihm im Wahlkampf-Endspurt behilflich sein könnten.

Denn bereits an diesem Donnerstag wurden positive Daten zur Beschäftigung im privaten Sektor bekannt - sie gelten als Indikator für die Gesamtlage auf dem Jobmarkt. Und sie sind so gut wie lange nicht mehr. Im Oktober haben US-Firmen 158.000 neue Stellen geschaffen, das teilte die private Arbeitsvermittlung ADP mit. Es ist der stärkste Zuwachs seit Februar.

Die wirtschaftliche Lage spielt eine entscheidende Rolle bei der Präsidentschaftswahl. Herausforderer Mitt Romney wirft Obama vor, mit seiner Politik die wirtschaftliche Erholung des Landes zu behindern. Sechs Tage vor der Wahl kommen die positiven Meldungen von der US-Wirtschaft nun wie gerufen für Obama. Die Stimmung unter den Verbrauchern ist sogar auf dem höchsten Stand seit Februar 2008. Die Laune der Verbraucher gilt als richtungweisend für die Konjunkturentwicklung. Der Grund: Der private Konsum trägt fast 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung.

Die positive Entwicklung ist laut dem Forschungsinstitut Conference Board unter anderem auf die sinkenden Arbeitslosenzahlen zurückzuführen. "Die niedrigere Arbeitslosenquote und die Stabilisierung der Hauspreise geben den Konsumenten wieder mehr Vertrauen", so Richard Moody, Chefökonom der Finanzagentur Regions Financial Corp.

Umstritten ist noch, welche Auswirkungen Hurrikan "Sandy" auf die Wirtschaftsperformance haben wird. Der Wirbelsturm droht das Wachstum im vierten Quartal zu drücken, warnen Experten. Allein die Stadt New York kosten die Folgen der Naturkatastrophe täglich etwa 200 Millionen Dollar.

"Wir werden wahrscheinlich einen halben Prozentpunkt im vierten Quartal verlieren", schätzte der Wissenschaftler Peter Morici von der Universität Maryland. "Das kann das Wirtschaftswachstum bis auf rund ein Prozent drücken." Gemessen an der Gesamtlage sei ein halber Prozentpunkt eine Menge, fügte er hinzu. Zuletzt lagen die Schätzungen von Experten für das vierte Quartal im Schnitt bei einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,8 Prozent.

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft könnten zunächst gravierend sein, schrieb auch Paul Ashworth von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics in einer Analyse. Der Wiederaufbau dürfte dann aber im kommenden Jahr die Wirtschaft wieder ankurbeln. Dennoch werde unter dem Strich ein Verlust von zehn bis 20 Milliarden Dollar stehen, erwarten die Analysten von Eqecat.

JP Morgan: Selbst "Katrina" bremste die Wirtschaft nur kurz

Dagegen blieben die Ökonomen von JP Morgan bei ihrer Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2,0 Prozent zulegt. Die Fachleute verwiesen darauf, dass der verheerende Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 das Wirtschaftswachstum zwar erheblich verlangsamte, vor allem weil Ölraffinerien ausfielen und zwei Monate lang das Benzin deutlich teurer war. Allerdings erholte sich damals die Konjunktur auch wieder sehr rasch. "Sandy" habe zwar auch einige Raffinerien in Mitleidenschaft gezogen, schrieben die Analysten. Aber die Auswirkungen auf den Benzinpreis seien vermutlich nur kurzfristig.

Am Donnerstag gab es derweil noch weitere Konjunkturdaten aus Einzelbereichen der US-Wirtschaft, auch sie überwiegend positiv. Im Oktober verbesserte sich zum Beispiel auch die Stimmung in der US-Industrie. Der Einkaufsmanagerindex ISM stieg von 51,5 Punkten im Vormonat auf 51,7 Zähler, wie das Institute for Supply Management (ISM) mitteilte.

Auch die Produktivität ist gestiegen. Auf das Jahr hochgerechnet habe sie außerhalb der Landwirtschaft um 1,9 Prozent zugelegt, teilte das US-Arbeitsministerium auf Basis vorläufiger Daten mit. Volkswirte hatten mit einem etwas schwächeren Zuwachs von 1,8 Prozent gerechnet.

In der Baubranche gibt es ebenfalls deutliche Zeichen der Belebung. Die Ausgaben für privaten Wohnraum stiegen im September um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Vorjahresvergleich legten die Ausgaben für private Häuser um 25,7 Prozent zu, die für Apartments um 48,9 Prozent.

Die US-amerikanische Automobilindustrie meldete für den Monat Oktober Zuwächse - obwohl das Geschäft wegen des Hurrikans "Sandy" an der Ostküste mehrere Tage lang erlahmt war. Toyota meldete einen Umsatzanstieg um 16 Prozent, Volkswagen um 22 Prozent. Die Verkäufe von Chrysler stiegen um zehn Prozent, die von GM um fünf. Nur Ford konnte kaum von dem Aufwärtstrend profitieren.

Bereits Ende vergangener Woche hatte das Handelsministerium mitgeteilt, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal stärker gewachsen ist als von Experten erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Juli und September auf das Jahr gerechnet um zwei Prozent zu.

Die Erholung hat auch die Börse erreicht. Der Dow Jones-Index in New York stieg von 12397,38 Punkten Anfang Januar auf 13.239 Punkte an diesem Donnerstag.

cte/itz/dpa/Reuters

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insgesamt 144 Beiträge
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1.
b.oreilly 01.11.2012
was für eine entsetzliche Nachricht für all diejenigen, die hier seit Jahren den wirtschaftlichen Untergang Amerikas prophezeien!
2. Nicht trotz der Schäden
widower+2 01.11.2012
Zitat von sysopEs sind positive Nachrichten für Präsident Obama: Arbeitsmarkt, Industrie, Baubranche und Konsum in den USA haben sich zuletzt erfreulich entwickelt. Experten halten ein robustes Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr für möglich - trotz der Milliardenschäden durch Hurrikan "Sandy". Stimmung der US-Verbraucher so gut wie zuletzt 2008 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stimmung-der-us-verbraucher-so-gut-wie-zuletzt-2008-a-864789.html)
sondern teilweise wegen der Schäden. Die bedeuten jede Menge Arbeitsplätze für den Wiederaufbau. Die Staatskasse wird zwar weiter belastet, für die Konjunktur sind diese Schäden aber geradezu ein Zusatzmotor.
3. Augenwischerei
freethefreedomofpress 01.11.2012
Ich kann mir nicht vorstellen, dass besonders viele Amerikaner dieser Augenwischerei was abkaufen werden.
4.
eth_problembär 01.11.2012
Zitat von sysopEs sind positive Nachrichten für Präsident Obama: Arbeitsmarkt, Industrie, Baubranche und Konsum in den USA haben sich zuletzt erfreulich entwickelt. Experten halten ein robustes Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr für möglich - trotz der Milliardenschäden durch Hurrikan "Sandy". Stimmung der US-Verbraucher so gut wie zuletzt 2008 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stimmung-der-us-verbraucher-so-gut-wie-zuletzt-2008-a-864789.html)
So kurz vor der Wahl "überraschend positiven" Nachrichten würde ich mit Vorsicht genießen. Ich wäre nicht überrascht, wenn da der derzeitige Präsident seinen Einfluss geltend macht und in den nächsten Wochen plötzlich gegenteilige (die wahren) Fakten ans Licht kommen.
5.
kimba2010 01.11.2012
Zitat von sysopEs sind positive Nachrichten für Präsident Obama: Arbeitsmarkt, Industrie, Baubranche und Konsum in den USA haben sich zuletzt erfreulich entwickelt. Experten halten ein robustes Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr für möglich - trotz der Milliardenschäden durch Hurrikan "Sandy". Stimmung der US-Verbraucher so gut wie zuletzt 2008 - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stimmung-der-us-verbraucher-so-gut-wie-zuletzt-2008-a-864789.html)
*hust* fast wie bestellt so kurz vor der Wahl *hust*
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