Verkehrsoffensive Straßenbau treibt Landpreise in die Höhe

Der Bund will mehr in die Infrastruktur investieren als je zuvor. Was Autofahrer und Bahnkunden freut, hat einen Preis: Nach SPIEGEL-Informationen werden Tausende Hektar Fläche versiegelt.

Autobahnen in Deutschland
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Autobahnen in Deutschland


Fast 270 Milliarden Euro sollen in den kommenden Jahren in die Infrastruktur des Bundes fließen - von Autobahnen über Schienenwege bis hin zu Wasserstraßen. So sieht es der Bundesverkehrswegeplan 2030 vor. Davon profitieren Unternehmen und Privatleute.

Was in der Euphorie über den forcierten Ausbau der Infrastruktur jedoch oft vergessen wird: Zusätzliche Straßen führen zur Versiegelung der Landschaft.

Würden die bereits fest eingeplanten und alle im Verkehrswegeplan vorgesehenen Straßenprojekte tatsächlich realisiert - also auch die des weiteren Bedarfs, für die es bislang keine ausreichende Finanzierung gibt -, wären bald rund 23.000 Hektar zusätzlich versiegelt. Dies entspricht nahezu drei Viertel der Fläche Münchens. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Besonders betroffen sind demnach Niedersachsen (4417 Hektar), Bayern (4306 Hektar) und Nordrhein-Westfalen (2942 Hektar). Mögliche neue Landes- und kommunale Straßen sind dabei nicht mitgerechnet.

Allerdings führt der Aus- und Neubau von Straßen nicht nur zur Versiegelung der Landschaft. Wird irgendwo geteert, muss es sogenannte Kompensationsmaßnahmen für die Natur geben. Die notwendigen Ausgleichsflächen sind oft beträchtlich.

Wie aus einer weiteren Antwort des Ministeriums auf Anfrage der Grünen ersichtlich wird, entspricht die insgesamt benötigte Fläche beim geplanten Weiterbau der Küstenautobahn A20 einem Vielfachen der versiegelten. Eine Konsequenz des hohen Flächenverbrauchs: Die Pachtpreise für Ackerland steigen massiv.

"Mit den Plänen der Bundesregierung betonieren wir nicht nur einen erheblichen Teil unseres Landes. Es wird auch zunehmend schwieriger für Bauern, weil immer mehr Flächen für Ausgleichsmaßnahmen gebraucht werden", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bundestag Valerie Wilms.

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insgesamt 17 Beiträge
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Direwolf 09.09.2016
1. Also wirklich
Liebe Readktion, wie kommt ihr eigentlich auf die Idee, dass die VB und VB-E Projekte des Verkehrswegeplans stehenden Projekte "fest eingeplant" und "finanziert" sind? Der Verkehrswegeplan enthält keine Finanzierungs- oder Umsetzungszusage. Er ist ein Pool von Projekten, aus dem die umzusetzenden Projekte nach Maßgabe der verfügbaren Ressourcen ausgewählt werden. Mehr ist das nicht. Nebenbei gesagt enthält der BVWP kaum mehr Neubau. Wenn überhaupt ist es Ausbau, d.h. es werden ein paar Meter neben dem Seitenstreifen zusätzlich versiegelt. Nicht gerade ökologisch wertvolle Flächen würde ich sagen
evenlonger70 09.09.2016
2.
Selbst wenn da jetzt 0,01 % der Gesammtfläche (grobe Schätzung meinerseits) mehr versiegelt wird, sind immer noch weit über 90 % der Fläche Deutschlands "unversiegelt". Das mag in einer Stadt wohl anders sein, aber Deutschlandweit stellt dies wohl kein Problem dar. Das alles aus irgendwelchen Gründen immer teurer wird ist ja auch nicht ganz neu und wird wohl auch so weitergehen.
penie 09.09.2016
3. 23.000 Hektar + Kompensationsflächen: Wo ist das Problem?
23.000 Hektar sind weniger als 1 Promille der Gesamtfläche Deutschlands. Das verteilt auf 15 Jahre ... Kompensationflächen werden nicht "verbraucht", sondern begrünt bzw. renaturiert. Um so besser. Da demnächst die Subventionen für "Bio"sprit reduziert werden, werden die Bauern gerne dadurch frei werdende Ackerflächen gegen Bares zur Verfügung stellen.
joG 09.09.2016
4. Man könnte natürlich....
....wie bei den Stromtrassen alles unter der Erde verbauen. Alternativ könnte man in den Städten höher bauen lassen. Sonst müssen wir die Wirtschaft mit schlechterer Logistik und Infrastruktur betreiben. Das wird eine Herausforderung.
fluxus08 09.09.2016
5. Auch hier zeigen die Grünen wieder,
wie sie sich selbst am besten produzieren und dabei weniger die Umwelt, sondern sich selbst im Fokus haben. "Mit den Plänen der Bundesregierung betonieren wir nicht nur einen erheblichen Teil unseres Landes. Es wird auch zunehmend schwieriger für Bauern, weil immer mehr Flächen für Ausgleichsmaßnahmen gebraucht werden", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bundestag Valerie Wilms. Gut 10% der Flächen, der Bundesrepublik Deutschland sind versiegelt, wobei man aber zunehmend feststellt, dass nicht nur alte Gewerbebauten, sondern auch alte Wohnbauten abgerissen werden, um sie neu zu bebauen. Vor einigen Jahren haben die Grünen zusammen mit der SPD eine Autobahnanbindung in Bremen verhindert, weswegen sich jetzt tagtäglich km lange Staus durch die Stadt ziehen, statt die Anbindung abzukürzen und den Verkehr am fließen zu halten. In Staus verdoppelt sich der Kraftstoffverbrauch von Pkws/Lkws gerne mal. Was also, ist daran umweltschonend? Außer sich selbst in Szene zu setzen, natürlich nichts.
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