Bahnstreik GDL lehnt zweiten Vergleichsvorschlag ab

Neuer Versuch, den Bahn-Streik zu beenden: Das Landesarbeitsgericht in Frankfurt hat dem Konzern und der GDL einen Vergleichsvorschlag unterbreitet. Doch die Gewerkschaft bleibt stur.

Streikende Lokführer (in Berlin): Bahn-Streik droht auch am Wochenende
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Streikende Lokführer (in Berlin): Bahn-Streik droht auch am Wochenende


Frankfurt am Main - Ein schnelles Ende des GDL-Streiks ist nicht in Sicht. Vor dem Landesarbeitsgericht Hessen ist ein neuer Vergleichsversuch gescheitert, mit dem der Arbeitskampf der Lokführer beendet werden sollte. Die Gewerkschaft GDL lehnte den Vorschlag des Gerichts ab und verlangte am Freitag eine Entscheidung der zweiten Instanz.

Gemäß der Empfehlung des Gerichts hätten sich die Parteien bis zum 15. Dezember auf den Einigungsweg begeben und auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG einbeziehen müssen. Der Vorsitzende Richter Michael Horcher hatte den Streitparteien am Freitagmittag einen entsprechenden Vorschlag gemacht, mit der Bitte "um wohlwollende Prüfung". Anschließend berieten Deutsche Bahn und GDL getrennt über den Vorschlag - und die GDL sagte nein.

Zuvor hatte sich das Gericht rund zweieinhalb Stunden von den beiden Parteien über ihre Positionen informieren lassen. Während die Bahnvertreter nochmals ihre Ansicht vortrugen, der bis Montag angesetzte Arbeitskampf sei unverhältnismäßig und der Aufruf verstoße in Teile gegen die Friedenspflicht, verteidigte die Gewerkschaft ihr Vorgehen.

EVG will an Schlichtung teilnehmen

Bereits am Donnerstagabend war die Vorinstanz am Arbeitsgericht Frankfurt am Main mit einem Vergleichsvorschlag gescheitert und hatte zuletzt mit einem Urteil den Streik der GDL als rechtmäßig und verhältnismäßig anerkannt. Lehnen die Parteien nun erneut ab, entscheidet das Landesarbeitsgericht, ob der Streik fortgesetzt werden kann.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) erneuerte derweil ihre Bereitschaft, sich an einem Schlichtungsverfahren mit der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL zu beteiligen. Dies gelte allerdings nur "unter der Voraussetzung der Freiwilligkeit und der Einbeziehung eines eigenen Schlichters/Mediators der EVG", heißt es in einem Schreiben des EVG-Vorsitzenden Alexander Kirchner vom Freitag an die Bahn.

Am Donnerstag hatte das Unternehmen die EVG schriftlich gebeten, sich zu einem möglichen Schlichtungsverfahren zu erklären. Kirchner sagte in Berlin, für die EVG gelte nach wie vor das Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Am Ende des Verfahrens müssten für die gleiche Berufsgruppe "einheitliche Tarifverträge" gelten.

Die GDL pocht dagegen auf Tarifpluralität: Sie möchte nicht nur für die Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen wie die Zugbegleiter "eigenständige Tarifverträge" bei der Bahn aushandeln.

Leere Züge trotz Streik bei der Bahn

Sollte es keine schnelle Einigung geben, trifft der Ausstand am Wochenende voraussichtlich Millionen Reisende. Zwar lief der Notfahrplan der Deutschen Bahn am Freitag, es fuhr ein Drittel der üblichen Fernzüge. "Allerdings sind die Züge relativ leer", sagte eine Sprecherin des Staatskonzerns. Auch im Regionalverkehr hätten sich viele Reisende auf den Streik eingestellt und Alternativen gesucht.

Fernbusse, Mietwagen und Mitfahrzentralen haben angesichts des längsten Ausstands in der Geschichte der Bahn deutlich mehr Buchungen als sonst. Besonders betroffen vom ausgedünnten Bahnverkehr ist Berlin, wo am Wochenende die Feiern zum 25. Jubiläum des Mauerfalls mit rund einer Million Besuchern geplant sind. Der Ausstand soll noch bis Montag dauern.

mik/dpa



insgesamt 61 Beiträge
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takahe 07.11.2014
1. Prinzip
Genau, weg mit allen Subunternehmen und Leiharbeitern bei der Bahn oder alle gleich entlohnen. Was für die Gewerkschaft gelten soll muss auch für das Unternehmen gelten!
Stäffelesrutscher 07.11.2014
2.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Will die EVG allen Bahnern soviel Geld verschaffen wie Norbert Hansen?
Leser161 07.11.2014
3. Kommt auf den Vorschlag an
Bzw. vielleicht könnte man einfach mal das Pressegetöse runterfahren. Wer jetzt welchen Vorschlag gemacht oder abgelehnt hat hat für mich als Laien Null Informationsgehalt, selbst wenn ich die Details wüsste. Ansonsten wünsche ich Herrn Weselsky viel Erfolg.
dieter-ploetze 07.11.2014
4. GdL will für ihre Mitglieder Tarifverträge
und da ausser Lokführern noch Zugpersonal Mitglieder sind will sie eben auch für diese einen Tarifvertrag. so einfach ist das.und das wird von der bahn abgelehnt, fuer Zugpersonal sei allein die EVG zuständig.das ist der grundkonflikt und hätte bei Durchsetzung der bahnmeinung gravierende folgen für das Streikrecht.da sucht sich dann ein unternehmen die Gewerkschaft aus mit der es verhandeln will.am ende gründen betriebe vermehrt kleine handzahme Gewerkschaften und verhandeln nicht mit anderen.das wäre eine aushebelung des Streikrechtes.
retterdernation 07.11.2014
5. Einer gegen alle...
manche Leute haben nach der Wende nicht so ganz unser Wirtschaftssystem verstanden und spielen sich jetzt aus totalem Eigensinn, als Arbeiterführer auf. In den Augen der Betroffenen sieht das wie starrsinniger Terrorismus aus! Und es gibt viele Betroffene... die Null Verständnis für dieses kompromisslose Vorgehen der GdL haben.
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