Arbeitskampf-Statistik Deutsche streiken häufiger

Lokführer, Flugbegleiter, Erzieher - die Arbeitskämpfe des vergangenen Jahrs schlagen sich auch in der Statistik nieder. Ausgerechnet in einem skandinavischen Land wird aber fast 18-mal so viel gestreikt.

Kundgebung während Kita-Streik im Mai 2015
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Kundgebung während Kita-Streik im Mai 2015


Die Arbeitnehmer in Deutschland streiken tendenziell häufiger als früher - aber immer noch relativ selten. Im Zeitraum von 2006 bis 2015 fielen im Schnitt wegen Streiks sieben Arbeitstage im Jahr pro 1000 Arbeitnehmern aus. Das ist das Ergebnis von Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.

Das IW Köln legt für die Statistik stets einen Zehnjahreszeitraum zugrunde. Im Vorjahr hatte die Statistik für den Zeitraum von 2005 bis 2014 noch einen Durchschnitt von nur vier Streiktagen pro 1000 Arbeitnehmern im Jahr ergeben. Das verdeutlicht, dass im Jahr 2015 in Deutschland außergewöhnlich viel gestreikt wurde - unter anderem traten Angestellte im Öffentlichen Dienst, Lokführer, Piloten und Erzieher in den Ausstand.

Im internationalen Vergleich mit Staaten der Industrieländerorganisation OECD streiken die Deutschen aber immer noch selten. Hier liegt überraschenderweise Dänemark an der Spitze - mit durchschnittlich 120 ausgefallenen Arbeitstagen je 1000 Arbeitnehmern. In Frankreich sind es mit 117 fast genau so viel, hier sind allerdings im Gegensatz zu Deutschland politische Streiks erlaubt. Auch in Kanada, Belgien und Spanien wird bedeutend häufiger die Arbeit niedergelegt als in der Bundesrepublik.

Weniger gestreikt wird hingegen in der Schweiz und in Österreich mit einem beziehungsweise zwei Streiktagen je 1000 Arbeitnehmern im Jahr. In Japan und der Slowakei wurde seit 2006 statistisch gesehen so gut wie überhaupt nicht gestreikt.

Das IW Köln zieht für die Statistik Daten der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und der OECD, vor allem aber nationale Statistiken heran. Daher seien sie nur eingeschränkt vergleichbar, schreiben die Studienautoren des IW.

fdi/dpa



insgesamt 45 Beiträge
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eryx 06.06.2016
1.
Und die Deutschen streiken so herrlich ordentlich! Alles wird brav angekündigt, man entschuldigt sich, ist doch oft etwas peinlich berührt, wenn man jemanden auf den Schlips tritt und meistens ist es auch relativ schnell vorbei. Das Streikrecht ist wichtig und gut, aber im Moment hat man doch oft eher den Eindruck, dass es nur eine gewisse Tradition ist. Man streikt ein paar Tage und am Ende treffen sich die Akteure recht fix in der Mitte. Natürlich: Ausnahmen gibt es auch. Siehe Lokführer.
dreamrohr2 06.06.2016
2. ...D streikt öfter...
aber nicht oft genug!!! Die paar IGM Demos sind ein Furz im Vergleich zu den Streiks in Frankreich. Und hier hört auch die Freiheit eines Bürgers in D schon auf. Die Gewerkschaften sind leider mit nicht zu gut qualifizierten Personen ausgestattet, als dass sich diese weitere Gedanken um die Gesamtstruktur des Sozialen Umfelds und die Auswirkung der erlangten Abschlüsse, machen könnten. Denn ansonsten würden die mal vernünftige Lohnerhöhungen verhandeln und nicht mickrige 5%, welche auch noch auf 2 Jahren verteilt sind. Auf Guthaben sind keine Zinsen mehr erhältlich, die Preise für Energie allgemein steigen ins Unermessliche, die Steuerliche Belastung ist immer noch viel zu hoch für die mittleren Einkommen und die Banken und Geldsäcke betrügen den Staat an jeder Ecke. Beschämender aber ist, dass der Finanzminister wohlwissend NICHTS gegen diese Strukturen unternimmt, aber den Bürger erwürgt, wo es nur geht. Man müsste viel mehr streiken und viel intensiver.
salsabiker 06.06.2016
3. Selber schuld.
Egal welche Beschwerden gleich kommen das keine Streikmentalität vorhanden ist, selber schuld. Es muß immer auch "Idioten" geben die prekäre Jobs annehmen und diese Leute sind genau so mitschuld an dem System wie die Leute, die ihre Lobbys äußerst wirksam einschalten.
Le Commissaire 06.06.2016
4. Frankreich als Mahnung
Zitat von dreamrohr2aber nicht oft genug!!! Die paar IGM Demos sind ein Furz im Vergleich zu den Streiks in Frankreich. Und hier hört auch die Freiheit eines Bürgers in D schon auf. Die Gewerkschaften sind leider mit nicht zu gut qualifizierten Personen ausgestattet, als dass sich diese weitere Gedanken um die Gesamtstruktur des Sozialen Umfelds und die Auswirkung der erlangten Abschlüsse, machen könnten. Denn ansonsten würden die mal vernünftige Lohnerhöhungen verhandeln und nicht mickrige 5%, welche auch noch auf 2 Jahren verteilt sind. Auf Guthaben sind keine Zinsen mehr erhältlich, die Preise für Energie allgemein steigen ins Unermessliche, die Steuerliche Belastung ist immer noch viel zu hoch für die mittleren Einkommen und die Banken und Geldsäcke betrügen den Staat an jeder Ecke. Beschämender aber ist, dass der Finanzminister wohlwissend NICHTS gegen diese Strukturen unternimmt, aber den Bürger erwürgt, wo es nur geht. Man müsste viel mehr streiken und viel intensiver.
Kein Wunder, dass Frankreich seit Jahren nicht auf die Beine kommt. Kaum macht dort mal ein Politiker einen vernünftigen Vorstoß, gibt's einen Generalstreik.
Le Commissaire 06.06.2016
5.
Mir fehlen Italien und Griechenland in der Statistik. Italien habe ich in den vergangenen Jahren als recht stabil wahrgenommen (als Tourist empfinde ich das Land als wesentlich besser organisiert als Deutschland, sogar fahren zum Beispiel die Züge pünktlich und die meisten Städte sind sauber, beides gibt es ja bei uns kaum noch). Griechenland scheint mir dazu das Gegenteil zu sein. Das Land steckt nach wie vor einer großen Krise, trotzdem regieren viele Leute eingeschnappt, wenn ein Politiker darauf regieren möchte. Sofort wird gestreikt.
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