Europaweite Spar-Proteste: Dutzende Verletzte bei Streiktag-Krawallen

Bei europaweiten Anti-Spar-Protesten mit Millionen Demonstranten ist es am Abend zu schweren Krawallen gekommen. In Lissabon, Rom, Madrid und Barcelona gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, Dutzende Menschen wurden verletzt.

Streiks in Südeuropa: Demonstranten gegen Polizei Fotos
DPA

Lissabon/Madrid/Rom - In Portugal war es bei den Anti-Spar-Protesten zunächst weitgehend friedlich geblieben. Am Abend allerdings eskalierte eine Kundgebung in der Hauptstadt Lissabon, nachdem Demonstranten mit Steinen, Flaschen, Böllern und Farbbeuteln nach Polizisten geworfen hatten. Die Beamten gingen danach massiv gegen die Demonstranten vor und setzten dabei Hunde, Schutzschilder und Schlagstöcke ein.

Laut der Nachrichtenagentur Lusa hätten Polizisten sogar Schüsse in die Luft gefeuert, um die Gruppe der Protestierenden auseinanderzutreiben. Im Zentrum der portugiesischen Hauptstadt sollen laut Medienberichten zudem mehrere Feuer gelegt worden sein.

74 Verletzte in Spanien

Der Chef der Mitte-Rechts-Regierung, Pedro Passos Coelho, sagte, er habe den Einsatz der Polizei nicht gesehen und wolle ihn deshalb vorerst nicht kommentieren. Polizeisprecher Jairo Campos rechtfertigte unterdessen den Einsatz: "Die Beamten wurden 45 Minuten lang provoziert", sie seien "in Gefahr" gewesen. Laut Behörden gab mehrere Festnahmen.

Auch in Madrid und Barcelona kam es im Anschluss an Kundgebungen zu gewaltsam Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. In Madrid versammelten sich rund 1000 Personen auf dem Neptun-Platz in der Nähe des Parlaments. Randalierer bewarfen Polizisten mit Gegenständen, die Beatmen gingen mehrfach mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor.

In Barcelona warfen Demonstranten laut Medienberichten Steine auf Polizisten, zudem seien zwei Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt worden. In Spanien wurden bei Demonstrationen während eines landesweiten Generalstreiks nach Angaben der Behörden insgesamt 74 Menschen verletzt, darunter 18 Polizeibeamte. Etwa 120 Streikende wurden nach Zusammenstößen mit der Polizei festgenommen. Insgesamt hatten laut Innenministerium 800.000 Menschen an den Kundgebungen in ganz Spanien teilgenommen. Die Gewerkschaften sprachen allein in Madrid und Barcelona von zwei Millionen.

Von Guerilla-ähnlichen Szenen sprachen Reporter in Rom. Schüler und Studenten warfen Steine, Flaschen und Sprengsätze auf die Polizei, die Sicherheitskräfte rückten mit gepanzerten Fahrzeugen vor. In Turin wurden drei Polizisten bei Krawallen verletzt, einer von ihnen schwer.

Die Gewerkschaften in ganz Europa hatten zu Streiks und Protesten gegen die strikte Sparpolitik in ihren Ländern aufgerufen. Millionen Beschäftigte legten in mehreren Euro-Krisenländern die Arbeit nieder. In Spanien und Portugal brachten 24-stündige Generalstreiks ganze Wirtschaftsbereiche zum Erliegen. Von den Aktionen waren auch der internationale Flug- und Bahnverkehr betroffen. Ein Verkehrschaos blieb jedoch weitgehend aus.

max/dpa

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insgesamt 79 Beiträge
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1.
mrs.cheeky.hobson 14.11.2012
El pueblo unido, jamas será vencido ......
2.
aufklarer 15.11.2012
Zitat von sysopBei europaweiten Anti-Spar-Protesten mit Millionen Demonstranten ist es am Abend zu schweren Krawallen gekommen. In Lissabon, Rom, Madrid und Barcelona gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei, Dutzende Menschen wurden verletzt. Streiktag in Europa: Heftige Auseinandersetzungen in Lissabon und Madrid - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/heftige-auseinandersetzungen-in-lissabon-und-madrid-a-867337.html)
Mich würde mal SEHR interessieren, warum das Gesamtthema quasi keine Rolle in der Berichterstattung spielt. Keine Vorberichterstattung (obwohl der Termin seit Monaten feststand), kein echtes "Covering" der Demos, keine Kommentare. *Millionen* Menschen demonstrieren und keiner redet darüber??? Passt es etwa nicht ins Bild, wie super die Sparmaßnahmen sind und wie wahnsinnig der europäische Normalbürger davon profitiert? Da hat ja jede 1000 Menschen Demo für die Rettung des Kleingärtnervereins Hintertupfingen mehr Aufmerksamkeit.
3. Und die Bösen sind wir
rossdamisch 15.11.2012
denn in diesen Ländern war die Produktivität zu keiner Zeit mit der in Deutschland vergleichbar, auch die Arbeitslosigkeit war in den Mittelmeerländern schon immer ein Problem, na und wenns mal wieder Probleme mit der Währung gab, dann wurde eben die Scheinpresse angeworfen und alles war wieder im Lot - oder auch nicht. Doch jetzt, wo in Europa alle Länder gleich sein sollen und man etwas anderes gegen die Staatsverschuldung unternehmen muss, als Geld zu drucken, so wie früher, sucht man die Schuldigen für diese Misere bei uns, denn schließlich wollen wir Deutschen ja die Schulden der Mittelmeerländer nicht übernehmen und Euros drucken dürfen die auch nicht so einfach. Wer hat also Schuld? Deutschland natürlich! Ich weiß auch wirklich nicht was unsere Politiker geritten hat, als sie meinten, sie müssten jeden Staat Europas unbedingt mit ins Boot holen. Es war doch eigentlich von vorneherein jedem Trottel klar, dass das so nicht gutgehen konnte, nur unseren Politikern nicht. Und es ist gekommen, wie erwartet. Es wäre zumindest für die hochverschuldeten Mittelmeerstaaten besser, sie hätten ihre alten Währungen wieder. Man hätte - wenn überhaupt - eben im ersten Schritt nur die Nordeuropäer zum Euro zusammenschließen sollen und die Südeuropäer sukzessive bei entsprechender Stabilität der Staatsfinanzen. So jedenfalls kann es nicht weitergehen, da ist so viel Sprengstoff in der Unzufriedenheit der Menschen, das macht mir Angst. Nach Griechenland kann man als Deutscher schon nicht mehr reisen, da hat man Sorge vor Anfeindungen und in Spanien und Portugal wird es auch nicht mehr lange dauern. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!
4.
exterminate 15.11.2012
Sieht nach einem Europäischen Frühling™ aus. Wurde ja auch Zeit.
5. Schüler und Studenten?
misterbighh 15.11.2012
Ja ne ist klar. So nach dem Motto die müssen ja nicht arbeiten. Polizisten wurden provoziert. Ja ne ist klar! Die Arme Polizei! Leute, Leute.
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