Streit beim Energiegipfel EU-Staaten forcieren riskante Gasbohrungen

Beim EU-Energiegipfel gibt es Zoff: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat Brüssel kurz vor dem Treffen die Erforschung neuer Gasvorkommen auf die Agenda gesetzt. Doch die Bohrmethoden sind riskant - und umstritten. Mehrere Länder protestierten vehement.

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Hamburg - Auf dem EU-Energiegipfel wollen Europas Regierungschefs vor allem Geschlossenheit demonstrieren. Doch ein Thema sorgt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE für Streit: die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen.

Dabei bohren Konzerne mehrere Kilometer tief ins Gestein und dann horizontal in mehrere Richtungen weiter. Außerdem wird eine Methode namens fracing eingesetzt. Dabei wird eine Mischung aus Wasser, Sand und teils giftigen Chemikalien ins Bohrloch gepresst. Dadurch lässt sich Gas selbst dann fördern, wenn es in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verteilt ist.

Das Aufbrechen des Gesteins und das horizontale Bohren eröffnen der Industrie Zugriff auf einen gewaltigen Rohstoffschatz. Doch es gibt auch massive Bedenken dagegen. In etlichen Regionen der USA führt diese Art der Förderung zu Umweltschäden. In einem Dokumentarfilm wird beispielsweise gezeigt, wie Gas aus der Wasserleitung eines Privathaushalts austritt und angezündet werden kann.

Jetzt hat die EU-Kommission eben solche Gasbohrungen kurzfristig auf die Agenda ihres Gipfels gesetzt. Am 28. Januar tauchte das Thema erstmals in einem Entwurf für die Abschlusserklärung zum Energiegipfel auf. Um die Versorgungssicherheit zu vergrößern, sollte Europas Potential für eine mögliche Förderung unkonventioneller Gas- und Ölvorkommen bemessen werden, heißt es in Paragraf sieben des Dokuments.

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Gas aus der Tiefe: Unkonventionelle Vorkommen
Sturm der Entrüstung

Der Passus sorgte in einigen Ländern für einen Sturm der Entrüstung. Am 31. Januar sprachen sich vor allem Vertreter Belgiens, Irlands und Schwedens dagegen aus, diese Formulierung in die Abschlusserklärung aufzunehmen. Ihren Einspruch legten sie im sogenannten General Affairs Council ein, dem letzten Treffen der Europa- und Außenminister vor dem Energiegipfel. In einem Entwurf vom 4. Februar ist der Passus aber nach wie vor enthalten. Die entsprechenden Dokumente liegen SPIEGEL ONLINE vor.

Wie aus den Anmerkungen der Entwürfe hervorgeht, war der Zusatz auf eine Initiative Polens hin in die Erklärung aufgenommen worden. Die Regierung in Warschau treibt die Förderung unkonventioneller Gasvorkommen in Polen mit Wucht voran. Das Land hofft, durch eine verstärkte Förderung im eigenen Land unabhängiger vom Energie-Hegemon Russland zu werden.

Aus Botschafterkreisen ist zu hören, dass Frankreich und Deutschland den polnischen Vorstoß unterstützen. In beiden Ländern hatten Projekte zur Förderung unkonventioneller Gasvorkommen für wütende Proteste gesorgt. Die Bundesregierung steht vor allem in der Kritik, weil Umweltrisiken bislang nicht hinreichend erforscht werden, obwohl Unternehmen wie BNK Petroleum den Untergrund längst nach Vorkommen absuchen. Das US-Unternehmen Exxon Mobil Chart zeigen presste bei einer Probebohrung in Niedersachsen sogar schon giftige Chemikalien in den Boden.

In Frankreich steht die Regierung von Nicolas Sarkozy in der Kritik, weil sie im März 2010 Probebohrungen erlaubt hatte, ohne die zuständigen lokalen und regionalen Behörden zu informieren.

Der finale Entwurf wird zur Stunde auf dem EU-Energiegipfel von den Mitgliedstaaten diskutiert. EU-Energiekommissar Günther Oettinger unterstützt den polnischen Vorstoß nach eigenen Angaben. "Schiefergas wird konventionelles Gas allerdings nicht ersetzen", teilte er SPIEGEL ONLINE mit. "Es wird eine Ergänzung sein."

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Matthias Hofmann 04.02.2011
1. Ja wir EnergieJunkies
Zitat von sysopBeim EU-Energiegipfel gibt es Zoff: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat Brüssel kurz vor dem Treffen die Erforschung neuer Gasvorkommen auf die Agenda gesetzt. Doch die Bohrmethoden sind riskant - und umstritten. Mehrere Länder protestierten vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743535,00.html
Keine Sorge Kollegen! Ihr könnt euch ärgern so sehr ihr wollt, es wird gebohrt, denn wir hängen alle dran an der "Gas-, Öl- und Stromenergienadel". Aber was wäre das Leben ohen Risiko!
juergw. 04.02.2011
2. Riskant ? Egal !
Zitat von sysopBeim EU-Energiegipfel gibt es Zoff: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat Brüssel kurz vor dem Treffen die Erforschung neuer Gasvorkommen auf die Agenda gesetzt. Doch die Bohrmethoden sind riskant - und umstritten. Mehrere Länder protestierten vehement. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743535,00.html
Es geht um die Rendite für die großen Versorgungsunternemen ,die Lobbyisten packen schon die Geldkoffer für die "Volksvertreter".Wenn es in die Hose geht zahlt der Steuerzahler-siehe ASSE.
brux 04.02.2011
3. Wissen hilft
Der Lissabon-Vertrag überlässt die Ausbeutung von natürlichen Energieresourcen den Mitgliedsstaaten, die EU hat hier nichts zu sagen. Einmal mehr zeigt sich, dass ein Crash-Kurs in Sachen EU für die Journaille dringend notwendig ist. Die typische Berichterstattung muss wohl eher als unabsichtliche Desinformation gesehen werden.
PeteLustig, 04.02.2011
4. Die sollen sich nicht so anstellen...
Das bisschen versuchte Grundwasser durch Frac_k_ing ist doch kein Problem. Und entzündungsfähiges Gas/Wassergemisch aus dem Wasserhahn hat den Vorteil, dass man unabhängig vom örtlichen Gasversorger wird. Hoffentlich schickt der keine Rechnung für das Leitungswasser-Gas...
DefTom 04.02.2011
5. Mal wieder mein Tipp: Gasland!
Wie schon in anderen Foren möchte ich auch hier auf den Film "Gasland", eine Doku im Kinoformat, hinweisen. Einfach mal schauen, dann die Protestplakate klarmachen, und dann ab nach Brüssel/Berlin.
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