Von David Böcking und Stefan Schultz
Hamburg - Ein Riss geht durch die Euro-Zone, und er wird immer größer: Seit Griechenland und Finnland am Dienstag eine Zusatzabmachung zum zweiten Hellas-Hilfspaket schlossen, herrscht zwischen den Mitgliedstaaten heftiger Streit. "Es geht zu wie im Kindergarten", heißt es aus Brüssel. "Es ist, als ob ein Kind ein tolles Spielzeug entdeckt hat, das Monate unbemerkt herumlag - und jetzt wollen ganz viele es haben."
Das "Spielzeug" ist allerdings hochgefährlich - ungefähr so wie eine Splittergranate in einem Sandkasten. Es verbirgt sich hinter einem einzigen Satz in den Beschlüssen des Euro-Rettungsgipfels vom 21. Juli. Demnach können Mitgliedsstaaten unter Umständen ein Pfand für Risiken verlangen, die ihnen durch die Beteiligung am Rettungsschirm EFSF entstehen.
Genau das macht Finnland nun: Es beteiligt sich wie vereinbart am zweiten Rettungspaket für Griechenland. Im Gegenzug zahlt der Pleitestaat Finnland eine Sicherheit. Sprich: Finnland gibt Griechenland nur Geld, wenn Griechenland Finnland Geld gibt.
Das klingt absurd. Es geht aber noch grotesker: Nachdem Athen und Helsinki ihren Geld-gegen-Geld-Deal besiegelt hatten, meldeten sich weitere Euro-Staaten zu Wort. Plötzlich heißt es aus Österreich, Slowenien, der Slowakei und den Niederlanden: "Wenn die Finnen das kriegen, wollen wir das auch."
Die Forderungen pervertieren die Grundidee des EU-Rettungsfonds. Die Solidarität der Euro-Staaten bröckelt, das von der EU bereits abgesegnete zweite Hilfspaket für Griechenland ist plötzlich bedroht - und mit ihm im Zweifel der Erhalt der Währungsunion.
"Die griechisch-finnische Hybridlösung ist für die Euro-Zone brandgefährlich", sagt Daniel Gros vom Centre for European Policy Studies. Die EU müsse dem Wahnsinn rasch Einhalt gebieten. Noch drastischere Worte wählt Österreichs Finanzministerin Maria Fekter. Die EU-Vereinbarung könne das Rettungspaket "sprengen", sagte sie laut der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Wie funktioniert das griechisch-finnische Abkommen? Was sind die Motive der EU-Staaten? Und wie bedrohlich ist der Streit für Europa? Antworten auf die wichtigsten Fragen:
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