Streit über Sanktionen Iran will Geschäfte in Dollar und Euro verbieten

Teheran eskaliert den Konflikt mit dem Westen: Als Antwort auf die verschärften Sanktionen droht Iran, den Handel in Dollar und Euro zu verbieten - die Währungen seien "schmutzig". Der Boykott betrifft auch Ölgeschäfte. Zudem will das Regime Werbung für westliche Produkte unterbinden.

Cola und Hamburger in Irans Hauptstadt Teheran: Bald keine westlichen Produkte mehr?
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Cola und Hamburger in Irans Hauptstadt Teheran: Bald keine westlichen Produkte mehr?


Teheran - Als Reaktion auf die internationalen Sanktionen im Atomstreit eskaliert die iranische Regierung den Konflikt mit dem Westen: Teheran will offenbar seine internationalen Geschäfte fortan nicht mehr in Euro und Dollar abwickeln. Die beiden Währungen seien "schmutzig", Geschäfte sollten nur noch in den Währungen verbündeter Länder verrechnet werden, sagte der iranische Vizepräsident Mohammad Resa Rahimi laut iranischen Medienberichten.

Auch für seine Geschäfte auf dem Dollar-dominierten Ölmarkt will das Land die beiden Währungen nicht mehr akzeptieren, sagte der Vertreter von Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Berichten zufolge. Iran ist der zweitgrößte Ölexporteur in der Organisation Erdöl exportierender Länder ( OPEC). Zudem wolle die iranische Regierung als Reaktion auf die Sanktionen des Westens in den Straßen der Hauptstadt Teheran "jegliche Werbung für deutsche, englische oder südkoreanische Produkte" verbieten, drohte Rahimi.

Der Westen wirft Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran bestreitet das und weigert sich, seine Urananreicherung zu stoppen. Die Regierung von Ahmadinedschad beharrt auf dem Recht, die Atomenergie für friedliche Zwecke zu nutzen. In dem seit Jahren schwelenden Streit hatte der Uno-Sicherheitsrat am 9. Juni auf erheblichen Druck der USA die bestehenden Sanktionen gegen Teheran verschärft. Außerdem haben die USA, die EU sowie Südkorea zusätzliche Sanktionen gegen das Land beschlossen. Der von der EU verabschiedete Strafkatalog zielt vor allem auf die iranische Öl- und Gasindustrie.

Iran will Handel mit Irak intensivieren

Den Drohgebärden zufolge plant Teheran nun zudem eine Steuererhöhung von 200 Prozent auf westliche Produkte, damit die Iraner nicht die "Waren der Feinde" kaufen. Vizepräsident Rahimi kündigte an, dass Iran weniger Waren aus der Europäischen Union einkaufen werde. Im vergangenen Jahr hatte Iran Produkte aus EU-Ländern im Wert von 11,4 Milliarden Euro importiert, das entspricht 27 Prozent der gesamten iranischen Einfuhren. Stattdessen sollten die benötigten Waren selbst produziert werden, auch wenn dies Zeit brauche.

Mit seinem Nachbarstaat Irak will Iran die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. Der Handel zwischen beiden Staaten werde sich in naher Zukunft verdoppeln, kündigte der iranische Botschafter Hassan Dannaie Fir in Bagdad an. Für iranische Güter sei der Irak "ein fruchtbarer Markt". Seit dem Sturz von Diktator Saddam Hussein haben iranische Firmen ihr Engagement im Irak ausgeweitet. Die USA, die für 2011 den Abzug ihrer Truppen aus dem Irak planen, betrachten dies mit Sorge.

Muskelspiele: Iran hebt vorsorglich Massengräber für US-Soldaten aus

Auch die propagandistische Aussage eines früheren Befehlshabers der Revolutionsgarden könnte die USA verstimmen: Angeblich hat Iran Massengräber für amerikanische Soldaten ausgehoben - als Vorbereitung auf einen möglichen US-Angriff. Die Grabstellen seien in der Provinz Chusestan im Südwesten des Landes vorbereitet worden, sagte General Hossein Kan'ani Moghadam der Fernsehnachrichtenagentur APTN. Iran reagierte damit offenbar auf eine Äußerung des amerikanischen Generalstabschefs Mike Mullen, der vergangene Woche erklärt hatte, die US-Streitkräfte hätten einen Angriffsplan gegen Iran in der Schublade. Mullen betonte aber zugleich, er halte eine Invasion für eine eher schlechte Idee.

Moghadam sagte, in Chusestan seien während des Krieges gegen den Irak zwischen 1980 und 1988 getötete irakische Soldaten beerdigt worden. "Die Massengräber, die für Saddam Husseins Soldaten bestimmt waren, wurden jetzt wieder für US-Soldaten vorbereitet, und das ist der Grund für diese große Zahl von Gräbern", sagte Moghadam. In Filmaufnahmen, die APTN vorlagen, waren zahlreiche leere, frisch ausgehobene Gräber in einem Wüstengebiet in Chusestan zu sehen.

lgr/AFP/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 179 Beiträge
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Seite 1
shokaku 10.08.2010
1. Hier könnte ein Titel stehen
DAS sollten sie sich aber noch mal gut überlegen. Wenn es kein Öl mehr für bunte Zettel gibt wird es sonst bald knallen.
Schleswig 10.08.2010
2. xxx
Zitat von sysopTeheran eskaliert den Konflikt mit dem Westen: Als Antwort auf die verschärften Sanktionen droht Iran, den Handel in Dollar und Euro zu verbieten - die Währungen seien "schmutzig". Der Boykott betrifft auch Ölgeschäfte. Zudem will das Regime Werbung für westliche Produkte unterbinden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,711142,00.html
Ich kann dazu nur sagen: Bitte machen.
Family Man 10.08.2010
3. !
Wer eskaliert eigentlich gegen wen? Hat der Westen nicht gerade eine belagerungsähnliche Blockade beschlossen?
micha-mille 10.08.2010
4. Dann sollnse mal... ;-)
Achmadinedingsbums und Konsorten sollen das mal ruhig machen. Irgendwann werden auch die letzten "Gutmenschen" merken, dass mit dieser Regierung kein Staat zu machen ist.
zenobit 10.08.2010
5.
Es ist völlig legitim, wenn sich der Iran gegen diese ungerechtfertigten Sanktionen zur Wehr setzt.
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