Streit über schwachen Yuan: China warnt USA vor Handelskrieg

Im Währungsstreit verschärft sich der Ton zwischen China und den USA drastisch. US-Politiker arbeiten an einem Gesetz, um den schwachen Yuan mit Ausgleichszöllen zu kontern. Peking sieht dadurch sein Wirtschaftswachstum in Gefahr - und warnt vor einem Handelskrieg.

Yuan-Scheine: Schlagabtausch zwischen Washington und Peking Zur Großansicht
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Yuan-Scheine: Schlagabtausch zwischen Washington und Peking

Peking - Mahnende Worte zur Geldpolitik zeigten bei der Regierung in Peking bisher kaum Wirkung. Machtlos mussten die USA und die europäischen Länder zusehen, wie China durch seinen günstigen Währungskurs lukrative Handelsgeschäfte an Land zieht. Statt auf Verhandlungen, setzen US-Politiker nun auf Gegenwehr und feilen an einem Gesetz, um die Yuan-Schwäche auszuhebeln. Die Reaktionen aus China sind scharf.

Die Regierung spreche sich rigoros gegen die Pläne in den USA aus, hieß es aus Peking. Sollte der US-Gesetzentwurf durchgehen, könne dies zu einem Handelskrieg zwischen den beiden Wirtschaftsmächten führen.

Warum schaukelte sich der Streit so hoch? Die USA und auch europäische Regierungen werfen China vor, den Wechselkurs der Landeswährung Yuan künstlich auf einem niedrigen Niveau zu halten, um so Exporte und Wachstum auf Kosten der Handelspartner zu fördern. US-Politiker wollen nun nicht länger tatenlos zusehen. Senatoren sprachen sich dafür aus, eine Gesetzesänderung zu diskutieren. Der Entwurf würde es der US-Regierung erlauben, Ausgleichszölle auf Produkte aus Ländern zu erheben, die den Verkauf ihrer Waren durch einen günstigen Wechselkurs ankurbeln.

Mit solch einem Gesetz könnten die USA China zwingen, den Yuan aufzuwerten. Entsprechend gereizt reagierte die Regierung in Peking. In einer gemeinsamen Erklärung warfen die chinesische Zentralbank sowie das Außen- und Handelsministerium den USA vor, globale Währungsangelegenheiten zu politisieren. Das diskutierte Gesetz verletze Regeln der Welthandelsorganisation WTO und schwäche die Bemühungen um eine Ankurbelung der Weltwirtschaft, kritisierte das chinesische Außenministerium. Eine solch "protektionistische Maßnahme" werde die chinesisch-amerikanischen Handelsbeziehungen nachhaltig stören, hieß es.

Sogar der IWF mahnt China

Viele Experten hoffen auf ein starkes chinesisches Wachstum, um die schwächelnde Weltwirtschaft anzukurbeln. Doch angesichts der schlechten US-Konjunktur suchen Politiker dort nach anderen Möglichkeiten, um die Wirtschaft aufzupäppeln. Experten begründeten die Pläne für Ausgleichszölle damit, dass die chinesische Währungsschwäche Jobs in den USA vernichte und ein fairerer Wechselkurs dazu beitragen werde, ein jährliches Handelsdefizit von 250 Milliarden Dollar zu verringern.

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Supermächte in Zahlen: China und USA im Statistik-Vergleich
Das chinesische Außenministerium erklärte, die Regierung in Peking werde ihre Währungspolitik Schritt für Schritt reformieren und dabei auch das Wechselkurssystem flexibilisieren. Doch nicht nur den USA gehen diese Reformen zu langsam. Kürzlich ermahnte sogar der Vizechef des Internationalen Währungsfonds IWF, Min Zhu, der selbst aus China stammt, die Regierung in Peking, den Yuan-Wechselkurs freizugeben.

Die Appelle aus den USA Richtung Peking klingen inzwischen deutlich undiplomatischer. "Meine Kollegen, Demokraten und Republikaner, sind sich einig, dass Chinas vorsätzliche Abwertung der Währung den Gütern des Landes einen unfairen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt verschafft", sagte der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid.

Obama droht eine unangenehme Entscheidung

Die Retourkutsche aus Peking kam prompt. Die chinesische Zentralbank erklärte, die eigene Wechselkurspolitik sei nicht der Grund für die Probleme in den USA. "Sollte das Yuan-Gesetz den Senat passieren, wird das keineswegs die Probleme des Landes wie ungenügende Ersparnisse, das hohe Handelsdefizit und die hohe Arbeitslosigkeit lösen", teilte die Notenbank mit. "Aber das Gesetz könnte erhebliche Auswirkungen auf die Pläne für die chinesische Wechselkurs-Reform haben und es kann auch zu einem Handelskrieg führen, den wir nicht möchten."

Am Ende könnte US-Präsident Barack Obama eine heikle Entscheidung bevorstehen. Denn wenn Senat und Repräsentantenhaus die Gesetzesvorlage durchwinken, wird er am Ende entscheiden müssen, ob er unterschreibt oder ob er eine diplomatischere Lösung ausarbeiten lässt.

mmq/AP

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insgesamt 61 Beiträge
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1. ...
Phoeni 04.10.2011
Sollten die USA - wohl unwissentlich - ausnahmsweise mal das Richtige tun und Waren aus China mit Zöllen belegen? Da sollte die EU gleich mitmachen. Solange mehrere Parteien an einem und demselben Spielbrett sitzen sollte das Spiel mit gleichen Regeln für alle gelten, Strafzölle könnten so auch den Wohlstandsexport durch die Globalisierung abfedern und es würde sich vllt wieder lohnen, für den heimischen Markt daheim zu produzieren.
2. Überfällig
Kulturoptimist 04.10.2011
Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Chinablase platzt.
3. .
PeteLustig 04.10.2011
Ein "Handelskrieg" ist ausgehend von China ist schon lange im Gange: Von Marktabschottung in Form von Strafzöllen in Höhe von 100% und mehr auf Importprodukte (zB japanische Motorräder) und Zwangsbeteiligungen chinesischer Staatskonzerne für Auslandsinvestoren erfährt man eher selten...
4. China - BRD
idealist100 04.10.2011
Zitat von sysopIm Währungsstreit verschärft sich der Ton zwischen China und den USA drastisch. US-Politiker arbeiten an einem Gesetz, um den schwachen Yuan mit Ausgleichszöllen zu kontern. Peking sieht dadurch sein Wirtschaftswachstum in Gefahr - und*warnt vor einem Handelskrieg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,789761,00.html
Na ja wir haben uns durch Billiglöhne, Zeitarbeit, 400.-€ Jobs, Lohn- und Gehaltskürzungen, 1.-€ Jobber ja auch in die Lage versetzt den anderen EU-Staaten und dem Rest der Welt unsere Produkte zu verkaufen. Den Reibach dürfen wir mit Steuergeld jetzt den anderen überweisen. Sind sicher so an die 3,5 bis 4 Billionen Euro. Viel Spass dabei.
5. China Vorteile
protoscorsair 04.10.2011
Zitat von sysopIm Währungsstreit verschärft sich der Ton zwischen China und den USA drastisch. US-Politiker arbeiten an einem Gesetz, um den schwachen Yuan mit Ausgleichszöllen zu kontern. Peking sieht dadurch sein Wirtschaftswachstum in Gefahr - und*warnt vor einem Handelskrieg.
Es wäre sehr zu begrüßen, dass sich China dem System der freien Wechselkurse anschließt. Hier würden nicht nur die USA und Europa durch bessere Exportchancen profitieren, sondern auch die Chinesen selbst, da sie sich von Ihrem erwirtschafteten Geld dann mehr Lebensqualität importieren könnten. Einzig und alleine die Regierung wird das aus verschiedenen Gründen nicht wollen: 1. Die rieseigen Chinesischen Dollarreserven werden abgewertet 2. Das Handelsbilanzplus wird gesenkt 3. Die Verlagerung von Produktion nach China für Exportmärkte würde unattracktivber, weil Lohnkosten steigen. Es gäbe anber auch einen Vorteil für die Chinesen, was die gestiegenen Lebensmittelpreise und die drohenden sozialen Unruhen angeht: Mit einer härteren Währung werden Lebensmittelimporte günstiger und die Preise fallen. Durch eine moderateres Wirtschaftswachstum (durch die oben beschriebenen Faktoren) wäre auch die Inflation im Griff. Am Ende wird es nur eine Lösung geben: Demokratie für China. Erst dann wird in der Weltwirtscahft mit gleichen Regeln gespielt.
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