Streit über Stresstest: Zeitplan für Stuttgart 21 droht zu platzen
Der Streit über den S-21-Stresstest sollte bis Mitte Juli geklärt sein - nun droht eine Hängepartie: Die Ergebnisse des Belastungstests können wohl erst später veröffentlicht werden. Damit würde sich das Projekt weiter verzögern - gestoppt werden kann es laut Schlichter Geißler nicht mehr.
Stuttgart - Der Zeitplan der Deutschen Bahn für das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21 gerät in Gefahr: Nach einer Sitzung von Initiatoren und Gegnern des Milliardenvorhabens äußerte Schlichter Heiner Geißler Zweifel, ob die Ergebnisse des Belastungstests wie geplant am Donnerstag kommender Woche veröffentlicht werden können. "Es ist offen, ob der Termin am 14. Juli stattfindet", sagte der als Schlichter eingesetzte CDU-Politiker.
Mit dieser Ankündigung folgte er zum Teil der Kritik der S-21-Gegner. Diese fordern drei Wochen Zeit, um die Ergebnisse zu prüfen, die ihnen erst vor wenigen Tagen vorab übergeben wurden. Andernfalls drohen sie mit Boykott.
Allerdings glaubt Geißler nicht, dass der massive Protest das Milliarden-Bahnprojekt noch stoppen wird. "Der Bahnhof wird sowieso gebaut, das sage ich nur ganz nebenbei", sagte Geißler am Montag bei einem SPIEGEL-Gespräch an der Universität Tübingen.
Nach SPIEGEL-Informationen hat die Bahn offenbar seit 2002 die Kosten für Stuttgart 21 geschönt. Das geht aus Unterlagen der Deutsche-Bahn-Töchter DB Projektbau und DB Netz hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.
Die Ergebnisse des Stresstests zu lesen, erfordere "ein bisschen Zeit", sagte Geißler nun. Sollte der Termin platzen, könnte es zu Verzögerungen kommen. Denn die Bahn will bereits am 15. Juli Aufträge für Tunnelbauten in Höhe von 750 Millionen Euro vergeben. Geißler sagte, am Donnerstag und Freitag dieser Woche müsse festgelegt werden, nach welchen Prämissen der 160-seitige Bericht der Bahn zum sogenannten Stresstest erarbeitet worden sei.
Schafft der neue Bahnhof 30 Prozent mehr Züge?
Das Ergebnis des bahninternen Belastungstests soll durch das Schweizer Verkehrsberatungsunternehmen SMA zertifiziert werden. Dieses Gutachten soll am 11. Juli an die Projekt-Beteiligten und die Gegner übergeben und nach bisheriger Planung drei Tage später veröffentlicht werden. In dem Belastungstest für den geplanten neuen Bahnhof geht es um die Frage, ob im unterirdischen Durchgangsbahnhof in der Spitzenstunde 30 Prozent mehr Züge abgefertigt werden können als im bisherigen Kopfbahnhof.
Die Bahn sieht den Stresstest für den neuen Bahnhof als bestanden an, der bis 2019 für 4,1 Milliarden Euro in der Stuttgarter Innenstadt entstehen soll. Dagegen gibt es seit mehr als einem Jahr starken Protest in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.
Die Gegner des Bauvorhabens kündigten an, auf keinen Fall an der bislang geplanten Präsentation des Stresstests am 14. Juli teilzunehmen. "Für uns wird der Termin nicht stattfinden, weil wir nicht genügend Zeit haben, um das Gesamtwerk beurteilen zu können", sagte die Aktionssprecherin Brigitte Dahlbender.
cte/Reuters/dpa
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