Streit um Schwarzkonten: Schweizer Banken legen Tausende Daten offen

Die Schweiz kuscht vor den USA - zumindest ein bisschen: Die Eidgenossen haben umfassende Bankdaten an US-Fahnder übermittelt. Zeitungsberichten zufolge sollen elf Institute reichen Amerikanern geholfen haben, Milliardenbeträge vor dem Fiskus zu verstecken.

Bern - In der Schweiz dürfte sich gerade so mancher ums Bankgeheimnis sorgen: Die Eidgenossen liefern umfassende Bankdaten an die US-Staatsanwaltschaft. Tausende Seiten sind es insgesamt.

Es handele sich zwar nicht um konkrete Kundenangaben, aber immerhin um Daten, aus denen umfangreiche "Erkenntnisse zum Geschäftsgebaren" der betroffenen Banken gewonnen werden können, sagte ein Sprecher des Berner Finanzministeriums am Mittwoch. Gewisse Bankdaten sind allerdings noch verschlüsselt und sollen erst decodiert werden, wenn man sich mit den USA generell geeinigt habe.

Hintergrund ist ein Streit mit den USA: Nach Zeitungsberichten sind insgesamt elf Schweizer Banken im Visier der US-Staatsanwaltschaft. Sie sollen jahrelang reichen Amerikanern geholfen haben, insgesamt Milliardenbeträge vor dem heimischen Fiskus zu verstecken. Am Pranger stehen demnach die Credit Suisse, die Bank Julius Bär und die Zürcher Kantonalbank. Die Institute wollten sich dazu bislang nicht äußern.

Verhandelt werde unter anderem über eine Summe, mit der die Banken sich für frühere Sünden quasi freikaufen würden: angeblich zehn Milliarden Dollar. Zugleich verlangen die USA verbindliche Regelungen, die künftig eine Verfolgung amerikanischer Steuersünder mit Hilfe der Schweiz ermöglichen sollen.

Die Herausgabe der Bankdaten werten Beobachter als Reaktion auf stärker werdenden Druck der US-Staatsanwaltschaft. Sie hatte mit Verfahren gegen Schweizer Banken und deren Führungspersonal in den USA gedroht.

Erstes Opfer wurde vergangene Woche die älteste Schweizer Privatbank: Angesichts von Warnungen aus den USA sah sich das Bankhaus Wegelin mit einem drohenden Abzug von Kapital durch Kunden konfrontiert und entschloss sich daher zum Notverkauf an die Raiffeisen-Gruppe.

Das Vorgehen der Banken und der Regierung stieß in der Wirtschaftskommission des Schweizer Parlaments auf Kritik. Abgeordnete der national-konservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) sprechen von einem "Wirtschaftskrieg". "Man will den Finanzplatz Schweiz schädigen, um die Steueroasen in den USA attraktiver zu machen", schimpfte der SVP-Abgeordnete Hans Kaufmann.

ssu/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
enrico3000 01.02.2012
Zitat von sysopDie Schweiz kuscht vor den USA - zumindest ein bisschen: Die Eidgenossen haben umfassende Bankdaten an US-Fahnder übermittelt. Zeitungsberichten zufolge sollen elf Institute reichen Amerikanern geholfen haben, Milliardenbeträge vor dem Fiskus zu verstecken. Streit um Schwarzkonten: Schweizer Banken legen Tausende Daten offen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,812812,00.html)
Was ist eigentlich aus der von Deutschland eingekauften Steuer CD geworden? Die sollte doch so viel mehr Wert besessen haben. Nach dem ganzen TamTam habe ich nichts mehr davon gehört.
2. Nicht aufgepasst
Stelzi 01.02.2012
Zitat von enrico3000Was ist eigentlich aus der von Deutschland eingekauften Steuer CD geworden? Die sollte doch so viel mehr Wert besessen haben. Nach dem ganzen TamTam habe ich nichts mehr davon gehört.
Das liegt daran, dass du nicht aufgepasst hast. Die ganzen Selbstanzeigen haben die Sache sehr beschleunigt. Darum gehts hier aber gar nicht..
3. Ja doch
n+1 02.02.2012
Zitat von enrico3000Was ist eigentlich aus der von Deutschland eingekauften Steuer CD geworden? Die sollte doch so viel mehr Wert besessen haben. Nach dem ganzen TamTam habe ich nichts mehr davon gehört.
Es hat fast 18000 Selbstanzeigen gegeben mit so rund 1,5 Mrd Steuernachzahlungen. Dazu kommen noch wohl doe 2,5 Mrd Strafzahlungen. Man hat dann nicht mehr viel gehört, weil doch Herr Trittin, diplomiert in Soziologie, Politologie und Dumpfbackologie, immer behauptet hat, es seien 20 Mrd pro Jahr, die pro Jahr hinterzogen werden.
4. wie in der Deutschen
ronald1952 02.02.2012
Zitat von enrico3000Was ist eigentlich aus der von Deutschland eingekauften Steuer CD geworden? Die sollte doch so viel mehr Wert besessen haben. Nach dem ganzen TamTam habe ich nichts mehr davon gehört.
Bürokratie wurde die CD sehr gut Archiviert, so wie es sich gehört, oder? schönen Tag noch,
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Schweiz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 4 Kommentare
  • Zur Startseite