Deutschland in Zahlen Warum ist Strom so teuer?

Strom ist in den vergangenen Jahrzehnten viel teurer geworden - vor allem, weil der Staat Geld über Ökoabgaben abschöpft. Hat sich das gelohnt? Der Überblick in Zahlen.

Strommasten und Windräder (in Nordrhein-Westfalen)
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Strommasten und Windräder (in Nordrhein-Westfalen)

Von und (Grafik)


Mit dem Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien, kurz EEG, führte die damalige Bundesregierung im Jahr 2000 auch die EEG-Umlage ein. Stromverbraucher zahlen seither für jede verbrauchte Kilowattstunde einen Anteil für die Förderung regenerativer Energien. Privathaushalte schultern dabei die größte Last, denn energieintensive Unternehmen sind von der Abgabe befreit.

Der Anteil des Stroms aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse, der ins Netz eingespeist wird, wächst seitdem kontinuierlich - genauso wie die Kritik an der EEG-Umlage.

Der Strompreis ist seit dem Jahr 2000 deutlich gestiegen, eine Kilowattstunde kostet heute im Schnitt mehr als doppelt so viel wie vor 17 Jahren. Am Spotmarkt, an dem die Energieversorger zusätzliche Strommengen einkaufen, hat sich dagegen kaum etwas geändert: Zwar stiegen die Preise dort bis 2008 deutlich an, dann aber fielen sie fast wieder auf das Niveau von 2000. Was also ist der Grund für die gestiegenen Strompreise für die Endverbraucher?

Zum einen hat die damalige rot-grüne Bundesregierung im Jahr 1999 eine Stromsteuer eingeführt - um Energie zu verteuern und Arbeit billiger zu machen. Die Einnahmen fließen zum größten Teil in die Rentenkasse. Mit anfangs 1,28 Cent pro Kilowattstunden und heute 2,05 Cent hat die Steuer den Strom deutlich verteuert.

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Es sind aber vor allem zwei andere Preisbestandteile, die Strom seither deutlich teurer gemacht haben. Einer davon ist die EEG-Umlage: Im Jahr ihrer Einführung betrug sie nur 0,2 Cent pro Kilowattstunde. Zehn Jahre später zahlten Verbraucher schon mehr als das Zehnfache (2,05 Cent), heute sind es 6,88 Cent.

Die zweite Größe, die sich verändert hat, sind die Netzentgelte. Die Abgaben für die Nutzung der Stromnetze werden erst seit 2006 gesondert erhoben. Im ersten Jahr betrugen sie stolze 6,93 Prozent je Kilowattstunde, danach fiel der Preis bis 2010 auf 5,86 Cent, um dann wieder anzusteigen. Heute zahlen die Stromkonzerne 7,5 Cent. Und in der Regel geben sie die Kosten an die Verbraucher weiter

Haben die Ökoabgaben etwas gebracht? Der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung ist jedenfalls deutlich gewachsen. 1991 haben ein paar Windkraftanlagen und die Wasserkraftwerke in Deutschland gut drei Prozent der Stromerzeugung beigesteuert. 2016 lag der Anteil mit 28 Prozent schon bei weit über einem Viertel.

Für den Klimaschutz ist das eine gute Nachricht - der Zuwachs der erneuerbaren Energien hat viele Millionen Tonnen CO2 eingespart, der Anteil der besonders schädlichen Kohle an der Stromerzeugung ist deutlich zurückgegangen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Grafik stand eine missverständliche Zahl zu den erneuerbaren Energien. Korrekt ist: Der Anteil von Strom aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft an der gesamten Stromerzeugung ist von 6,2 Prozent im Jahr 2000 auf 28 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Wir haben die Grafik entsprechend geändert.

Deutschland in Zahlen
In unserer Reihe "Deutschland in Zahlen" nehmen wir uns in den Wochen bis zur Bundestagswahl ausgesuchte Themen vor und analysieren sie grafisch. Dazu gehören zum Beispiel die Finanzierung des Gesundheitssystems, die Energiewende oder die Familienförderung.
insgesamt 196 Beiträge
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Seite 1
dxaver 25.08.2017
1. Teuer sind die Ausnahmen
Leider gibt es grosse Bereiche der Industrie, die nicht die Steuern und Abgaben zahlen müssen. Dass macht es für den Rest teurer.
volucer 25.08.2017
2. spd, die partei für den kleinen mann
die stromsteuer von rot-grün eingeführt. klar, strom braucht der kleine mann nicht. abends nach dem malochen einfach das licht ausschalten und gleich schlafen gehen. ebenso unsäglich wie die eeg-umlage, die dauernd ansteigt. unternehmen davon sind aber befreit.... wenigstens eine verminderte eeg wäre akzeptabel. kleinere unternehmen die ebenfalls energieintensiv sind, sind nicht befreit und haben mit den strompreisen zu kämpfen. jeder friseur, jede bäckerei, jedes restaurant hat im verhältnis zur größe auch einen hohen energiebedarf.
herm16 25.08.2017
3. fliesen
in die Rentenkasse! Schafft endlich die Pensionen ab,.ALLE Zahlen in die Rentenkasse fertig
muellerthomas 25.08.2017
4.
Die Zunahme der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung ist nicht um 19,9% gestiegen, sondern um 350% - von 6,2% Anteil auf 28%. Und in Prozentpuntken wären das +21,8. Wo kommen also die im Text genannten 19,9% her?
vliege 25.08.2017
5. Warum ist Strom so teuer?
Für wen ist denn der Strom so teuer? Richtig Privathaushalte zahlen das EEG und weil die Belastung/ Teuerung nicht gleichmäßig verteilt ist und die Wirtschaft dank Industriefreundlicher Lobbypolitik befreit ist.
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