Energiewende Gabriel rückt von Planung für Südost-Stromtrasse ab

"Natürlich wird der jetzige Korridor nicht kommen": Sigmar Gabriel hält die bisherige Planung für die Südost-Gleichstromtrasse für nicht durchsetzbar. Die Leitung soll nun länger werden und teilweise unterirdisch verlegt werden.

SPD-Wirtschaftsminister Gabriel: "Jahrelanges Theater"
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SPD-Wirtschaftsminister Gabriel: "Jahrelanges Theater"


Nürnberg - Betroffene Anwohner in Bayern nennen sie "Monstertrasse" oder "Mördertrasse". Nun hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die umstrittene Südost-Gleichstromtrasse von Sachsen-Anhalt nach Bayern in ihrer jetzigen Form für nicht durchsetzbar erklärt. Auf einer Veranstaltung der Bundesagentur für Arbeit am Dienstagabend wies Gabriel auf den massiven Bürgerwiderstand entlang des geplanten Trassenkorridors hin.

"Natürlich wird der jetzige Korridor nicht kommen. Wenn der Staat versuchen würde, das mit gesetzlichen Mitteln durchzusetzen, haben wir jahrelanges Theater und Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht", sagte Gabriel. Ein solches Vorgehen wäre unklug.

Der zuständige Bundesminister deutete gleichzeitig an, wie die Trasse doch noch rechtzeitig gebaut werden könnte: Die Bundesregierung will demnach künftig für Höchstspannungsleitungen, wie sie im Rahmen der Energiewende geplant sind, auch Erdverkabelungen zulassen. "Man kann nicht ein kleines Dorf mit einer 380-KV-Freileitung einkreisen", sagte Gabriel. Bei Freileitungen werde man Lösungen suchen, die für die Menschen in der betroffenen Region verträglich seien.

Warnung vor Stromengpass

Zudem soll die Trasse nicht erst in Halle, sondern bereits in Norddeutschland beginnen, um von dort aus Windstrom nach Bayern zu transportieren. In Schwachwindzeiten solle Wasserkraftstrom aus Schweden und Norwegen in die Leitung eingespeist werden, kündigte Gabriel an. "Dazu wollen zwei Seekabel - eins nach Schweden und eins nach Norwegen - verlegt werden."

Zugleich warnte Gabriel vor weiterem Widerstand gegen Stromtrassen. Diese seien nach der Abschaltung der Atomkraftwerke in Süddeutschland unverzichtbar. Andernfalls drohe in Teilen Deutschland langfristig ein Stromengpass mit unterschiedlichen Strompreiszonen. Dann werde "die Region, in der Strom ein knappes Gut ist, in der oberen Preiszone liegen, die Region, wo Strom kein knappes Gut ist, in der unteren Zone".

fdi/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
birnstein 30.07.2014
1. Kinderkram
Man lacht über Kinder, die die Augen verschließen und dann ist das Böse weg. Erwachsene sind da nicht anders. Kaum ist das Kabel nicht mehr zu sehen, weil es in der Erde ist, schon ist es nicht mehr böse.
OrreWombell 30.07.2014
2.
Zitat von sysopDPA"Natürlich wird der jetzige Korridor nicht kommen": Sigmar Gabriel hält die bisherige Planung für die Südost-Gleichstromtrasse für nicht durchsetzbar. Die Leitung soll nun länger werden und teilweise unterirdisch verlegt werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stromtrasse-gabriel-rueckt-von-planung-fuer-suedost-passage-ab-a-983548.html
Strom wird also ohne AKWs ein knappes Gut, das noch teurer wird, es drohen Engpässe. Geben wir nicht gerade 19 Milliarden Euro im Jahr zusätzlich aus für "EE" Strom. Und trotzdem wird das ohne AKWs ein knappes Gut? Das sagt wohl alles über den Stand der "Energiewende" Das einzige, was da noch funktioniert ist die, warscheinlich auch vom Steuerzahler bezahlte Propaganda, wie die Plakate die hier überall hängen mit "Klar zur Wende, Gemeinsam das Klima schützen" ;)
eisbaer68 30.07.2014
3. Vorwärts immer,
rückwärts nimmer. So schaffen wir die politisch gewöllte Energiewende. Die nimby Fraktion hat es wieder mal geschafft. Jetzt können sich ja andere Bürgerbewegungen entlang der möglicherweise neuen Trassen mit den Energieunternehmen und den Behörden streiten. Schon die Wortwahl "Mördertrasse" lässt erahnen mit welchen Mitteln hier gekämpft wird. So eine Trasse bringt niemanden um und schon garnicht wenn sie mit Gleichstrom betrieben wird. Wir sollen alle schön den Wohlstand der bayrischen Solaranlagenbesitzer finanzieren aber wenn es darum geht auch einen Anteil am Gesamtvorhaben mit zu tragen, dann kommt sogar die Landespolitik und schiesst massiv gegen solche Vorhaben. Wilkommen in der Bananenrepublik. Den Leuten jetzt noch zu erzählen, dass auch HGÜ in Teilen verkabelt werden könne setzt dem ganzen noch die Krone auf. Wenn's nicht so traurig wäre könnte ich die ganze Zeit nur lachen.
e_d_f 30.07.2014
4. Dann lassen wir doch ...
... einfach die Kernkraftwerke im Süden weiter laufen. Dann brauchen wir auch keine "Monstertrassen". Das ist eh' billiger und ökologisch unbedenklich!
jenstw 30.07.2014
5. EEG Umlage
Man darf nicht vergessen das Atomstrom auch nicht konkurrenzfähig ist. Er wurde und wird hoch gefördert - aus Steuermitteln. Es hier jemand rumschreit. "Ökostrom ist viel zu teuer - die hohe Stromrechnung, ich will Atom!" sollte er nicht vergessen das es eine politische Entscheidung war alle Kosten auf die EEG umzulegen und die Stromkosten immer höher zu drücken. Es war eine politische Entscheidung auf Teufel komm raus Offshore zu genehmigen und erst jetzt nach 3 Jahren mal über den Anschluß ans Stromnetz nachzudenken. Mehr als 50% der Räder dort sind nicht angeschlossen und müssen teuer per Schlepper und Notstrom am Leben gehalten werden! Das hat nichts mit Öko und schlecht zu tun, es ist eine gigantische Fehl(nicht)planung der politisch Verantwortlichen. Alle Rumgeblödel ("Solar ist so schlecht!") zeigt nur das die betreffenden Jungs sich willig verarschen lassen anstatt zu fragen ob es endlich vorwärts geht uns vom Öl und russischen/amerikanischen Kernbrennstäben unabhängiger zu machen, keine Dörfer mehr wegen Braunkohle wegzubaggern.
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