Hartz IV: Aufstocker kommen oft nicht aus Grundsicherung heraus

Zimmermädchen: 60 Prozent der Aufstocker arbeiten Teilzeit Zur Großansicht
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Zimmermädchen: 60 Prozent der Aufstocker arbeiten Teilzeit

Zum Leben reicht der Lohn nicht: 1,3 Millionen Menschen in Deutschland bekommen Hartz IV, obwohl sie einen Job haben. Laut einer Untersuchung führen geringfügige Beschäftigung, niedriger Lohn und Zeitarbeit nur selten zu einer ungeförderten Beschäftigung.

Nürnberg - Menschen, die zusätzlich zu ihrer Erwerbstätigkeit noch Hartz IV beziehen, kommen nur schwer aus der Grundsicherung heraus. Das teilte das Nürnberger Institut für Berufs- und Arbeitsmarktforschung (IAB) am Donnerstag in einer Untersuchung mit. "Geringfügige und befristete Beschäftigungsverhältnisse, Zeitarbeit oder niedrig entlohnte Tätigkeiten bahnen nur selten den Weg in eine ungeförderte Beschäftigung", hieß es. Der durchschnittliche Stundenlohn der Aufstocker betrage 6,20 Euro.

60 Prozent der rund 1,3 Millionen Aufstocker in Deutschland arbeiten der IAB-Studie zufolge wöchentlich weniger als 22 Stunden. Vor allem fehlende berufliche Qualifikationen, die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen sowie schwere gesundheitliche Einschränkungen verhinderten, dass sie länger arbeiten und nicht mehr auf Leistungen angewiesen sind.

Immerhin war die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, die durch einen Job wenigstens zu Aufstockern wurden, größer als die Zahl derjenigen, die ihren Job verloren und nur noch von der Grundsicherung leben mussten. Wie das IAB betonte, war zugleich die Zahl derjenigen Aufstocker, die gänzlich aus Hartz IV herauskamen, größer als die Zahl der Beschäftigten, die zum ersten Mal auf ergänzende Leistungen angewiesen waren.

lei/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Sittenwidrig
widower+2 18.07.2013
Ein Stundenlohn von 6,20 Euro ist schlicht sittenwidrig. Wer solche Löhne zahlt handelt asozial und macht Profit auf Kosten des Steuerzahlers. Schämen sich solche Arbeitgeber eigentlich gar nicht?
2. Hä?
cemi 18.07.2013
Was habe ich denn jetzt schon wieder nicht verstanden? Es war doch schließlich das erklärte Ziel der HartzIV-Reformen, dass der "Wirtschaft" billiges und wehrloses Proletariat zugeführt wird. G. Schröder ist doch heute noch stolz darauf, "einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut zu haben, die es in Europa gibt." Und Merkel, Steinbrück, bzw. -meier sind ja der Meinung, dass das auch genau richtig war und ist. Hat Deutschland aus der "Krise" geführt und so. Also, nicht jammern. Das ist alles gut und richtig so. Und im September diese Leute dann unbedingt wiederwählen, lieber Michel.
3. Nicht gut,...
Percy P.Percival 18.07.2013
...aber bessern als nur von H4 leben ist es allemal. Für die Betroffenen, ihre Kinder und die Gesellschaft.
4.
inko.gnito 18.07.2013
Zitat von Percy P.Percival...aber bessern als nur von H4 leben ist es allemal. Für die Betroffenen, ihre Kinder und die Gesellschaft.
Nein. Der Zwang, zu unzureichenden Löhnen zu arbeiten ist eher negativ für alle Beteiligten, inkl. der Gesellschaft.
5. Nein, besser ist es nicht!
nilaterne 18.07.2013
Zitat von Percy P.Percival...aber bessern als nur von H4 leben ist es allemal. Für die Betroffenen, ihre Kinder und die Gesellschaft.
Wenn Menschen nur Halbtagsjobs gegeben werden, für ein Allmosen und weil die Sozialkosten gespart werden können, der bürdet der Gesellschaft alle Folgekosten auf und kassiert indirekt Subventionen für diese Beschäftigte da er sich den Mehgewinn einstecken kann. Das ist überaus schlecht für die Gemeinschaft, sprich den Steuerzahler, weil dieser bis zum Ableben dieser Beschäftigen die "Aufstockungen" zahlen muss, da natürlich auch die Rente bezuschüsst werden muss. Es gibt nämlich keine "Ehefrauversorgungsgemeinschaften" mehr! Jede Frau muss für sich selbst sorgen!
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Die Hartz-Reformen
Arbeitslosengeld I
Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer
- arbeitslos ist,
- der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht,
- die Anwartschaftszeit erfüllt,
- sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und
- Arbeitslosengeld beantragt hat.
- Die Dauer des Anspruchs hängt von der Länge der versicherungspflichtigen Beschäftigung und vom Alter ab. Die Höchstgrenze sind 24 Monate.
Arbeitslosengeld II
Nach dem Arbeitslosengeld I bekommt man das Arbeitslosengeld II (ALG II) - eine Grundsicherung für erwerbsfähige Arbeitsuchende. Sie ersetzte 2005 die frühere Arbeitslosenhilfe und die Sozialhilfe, sofern es sich um erwerbsfähige hilfsbedürftige Personen handelt. Nichterwerbsfähige oder in sogenannten Bedarfsgemeinschaften lebende Hilfsbedürftige erhalten das geringere Sozialgeld. ALG II und Sozialgeld sind Sozialleistungen, keine Versicherungsleistungen. Sie werden aus Bundesmitteln finanziert.
Hartz IV/SGB II
Mit Hartz IV wird das "Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" bezeichnet, das zum 1. Januar 2005 in Kraft getreten ist. Die Grundsicherung wird durch das Zweite Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) geregelt, das am 1. Januar 2005 in Kraft getreten ist. Beide zusammen regeln das Arbeitslosengeld - im Volksmund wird das Arbeitslosengeld II "Hartz IV" genannt.
ARGE/Jobcenter
Die Arbeitsgemeinschaften (Argen) sind ein Zusammenschluss der Arbeitsagenturen und kommunaler Träger. Sie werden auch Jobcenter genannt und sind für die Betreuung der Hartz-IV-Empfänger zuständig.
Peter Hartz
Peter Hartz wurde 2002 von der damaligen Bundesregierung unter Gerhard Schröder mit der Erarbeitung von Reformen für den Arbeitsmarkt beauftragt.
Hartz IV
Seit Jahren gibt es Streit über die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern. Organisatorisch zuständig sind seit 2005 Arbeitsgemeinschaften von Bundesagentur für Arbeit (BA) und kommunalen Sozialämtern - abgekürzt als Arge bezeichnet.

Verankert wurde diese Mischverwaltung im Hartz-IV-Gesetz über die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Derzeit gibt es 353 Argen, in denen sich 55.000 Mitarbeiter um 5,2 Millionen Hilfsbedürftige kümmern. Daneben gibt es das sogenannte Optionsmodell, bei dem in 69 Kreisen und Gemeinden die Kommunen die alleinige Verantwortung haben.

Von Beginn an gab es Reibereien in den Arbeitsgemeinschaften. Nach Feststellungen des zuständigen Ombudsrats krankt die Organisationsform an dem "ständigen, oft zeitaufwendigen Abstimmungsbedarf" zwischen den Beteiligten. Dabei konkurrieren Kommunen und BA um das Ausmaß ihrer Zuständigkeiten. Die Zusammenarbeit vor Ort leidet auch darunter, dass die Argen kein eigenes Personal haben und die dort tätigen Mitarbeiter von Bundesagentur und Kommune unterschiedlich bezahlt werden.

So viel bekommen Hartz-IV-Empfänger monatlich
in Euro ab 1/2011 ab 1/2012 ab 1/2013
Erwachsener (100 %) 364 374 382
Kind (bisher 60 %)
unter 6 Jahre
215 219 224
Kind (bisher 70 %)
6 bis unter 14 Jahre
251 251 255
Kind (bisher 80 %)
14 bis unter 18 Jahre
287 287 289
Quelle: BMAS