Studie Gewalt kostet Weltwirtschaft pro Jahr sieben Billionen Dollar

Die Welt ist 2009 unsicherer und gewalttätiger geworden. Laut einer Studie gab es fünf Prozent mehr Morde und eine wachsende Angst vor Kriminalität. Hauptgrund sei die weltweite Finanzkrise. Positive Überraschung: Afrika und der Nahe Osten schneiden besser ab als im Vorjahr.

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Hamburg - Die Gewaltbereitschaft in der Welt ist gestiegen. Das besagt der Global Peace Index, der am Dienstag zum vierten Mal veröffentlicht wird. Für die Autoren um den australischen Gründer Steve Killelea ist klar: Das Ergebnis steht in enger Verbindung mit dem wirtschaftlichen Abschwung der vergangenen beiden Jahre. Dieser habe in vielen Ländern zu mehr Morden, gewalttätigen Demonstrationen und Angst vor Kriminalität geführt.

2007 hat Killelea den Global Peace Index (GPI) zum ersten Mal veröffentlicht (siehe Weltkarte in der linken Spalte). Killeleas Antrieb: "Mehr Frieden kann die globale Wirtschaft verändern und Reichtümer freisetzen, um Schulden zu begleichen, Expansion zu finanzieren und ein nachhaltigeres Umfeld zu schaffen."

So koste die weltweite Gewalt die Wirtschaft jährlich sieben Billionen Dollar. "Natürlich lässt sich die Welt nicht über Nacht in einen friedlichen Ort verwandeln", sagt Killelea. Doch bereits ein 25-prozentiger Rückgang der Gewaltrate würde 1,8 Billionen Dollar bringen - "genug um Griechenlands Schulden zu bezahlen, die Milleniums-Entwicklungshilfeziele der Uno zu finanzieren und den weltweiten CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren".

Der GPI zeigt die Friedfertigkeit von 149 Staaten. In den Wert fließen etwa Militärausgaben, Beziehungen mit Nachbarstaaten und das Niveau der Gewaltverbrechen ein. Wie 2008 steht Neuseeland an der Spitze, Island konnte sich durch die Stabilisierung seiner Wirtschaft von Platz vier auf Platz zwei verbessern.

Als positive Überraschung bewertet Killelea die Entwicklung im Nahen Osten und in Teilen Afrikas: "Afrika ist zwar der Kontinent mit der meisten Gewalt, aber dort gab es auch die meisten Verbesserungen. Das macht Hoffnung." So seien Äthiopien, Mauretanien und der Libanon unter den Ländern, die sich im Ranking am meisten verbessert hätten. Hintergrund sei eine größere politische Stabilität, weniger Militärausgaben und verbesserte Beziehungen zu Nachbarstaaten.

Skandinavien am friedfertigsten

Im Gegenzug verzeichne der Süden Asiens den größten Abstieg - wegen zunehmender politischer Konflikte, einer gestiegenen Todesrate sowie Menschenrechtsverletzungen. Indien, Sri Lanka und Pakistan waren am meisten betroffen. Im Vergleich zu 2008 gab es laut GPI in Lateinamerika den stärksten Anstieg der Gewaltbereitschaft durch interne Gewalt, Morddelikte und einer erhöhten wahrgenommenen Kriminalität.

Die USA verbesserten ihre Punktzahl, rutschten aber aufgrund der Einbeziehung neuer Länder und der neuen Gewichtung bei der Anzahl schwerer Waffen drei Plätze nach unten. Abgesehen davon nahm die Friedfertigkeit in den Vereinigten Staaten jedoch so stark zu wie nie zuvor. Das führen die Autoren der Studie auf die politische Stabilität und eine gesunkene Zahl an Todesfällen durch externe Konflikte zurück.

Westeuropa bleibt die friedfertigste Region, die wenigste Gewalt gibt es laut der Studie in Skandinavien: Alle fünf Länder haben einen Platz in den Top Ten. Dänemark rutsche allerdings um fünf Plätze ab - auf Rang 7. Als Gründe nennen die Autoren die sinkende Achtung der Menschenrechte sowie die andauernde Beteiligung am Afghanistan-Konflikt.

Global Peace Index

Platz
Land
Ergebnis
Platz
Land
Ergebnis
1 Neuseeland 1.188
2 Iceland 1.212
3 Japan 1.247
4 Österreich 1.290
5 Norwegen 1.322
6 Ireland 1.337
7 Dänemark 1.341
7 Luxemburg 1.341
9 Finnland 1.352
10 Schweden 1.354 (...)
11 Slowenien 1.358
140
Kongo 2.925
12 Tschechien 1.360
141
Tschad 2.964
13 Portugal 1.366
142
Georgien 2.970
14 Kanada 1.392
143
Russland 3.013
15 Qatar 1.394
144
Israel 3.019
16 Deutschland 1.398
145
Pakistan 3.050
17 Belgien 1.400
146
Sudan 3.125
18 Schweiz 1.424
147
Afghanistan 3.252
19 Australien 1.467
148
Somalien 3.390
20 Ungarn 1.495
149
Irak 3.406

Quelle: Institute for Economics and Peace 2010



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Kurt G, 08.06.2010
1. Hey!
Und wieviele Billionen liesen sich sparen, wenn Politiker nicht aus Macherhalt und Dummheit agieren würden...... Schwindelerregend!
Arion's Voice, 08.06.2010
2. Gewalt BRINGT der Wirtschaft etliche Billionen Dollar
Zitat von sysopDie Welt ist 2009 unsicherer und gewalttätiger geworden. Laut einer Studie gab es fünf Prozent mehr Morde und eine wachsende Angst vor Kriminalität. Hauptgrund sei die weltweite Finanzkrise. Positive Überraschung: Afrika und der Nahe Osten schneiden besser ab als im Vorjahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,699337,00.html
Gewalt BRINGT der Wirtschaft etliche Billionen Dollar. Sonst würden Regierungen/Geheimdienste/Konzerne nicht immer wieder Bürgerkriege und Putsche schüren. Gewalt sorgt für Selbstbedienung.
SocialPlanner 08.06.2010
3. Index ohne Aussagekraft
Herrlich, da haben wieder mal ein paar kluge Leute einen Index ohne Aussagekraft geschaffen. Jedem, der auch nur die geringste Ahnung von Statistik hat, sticht doch ins Auge, dass man das Ergebnis dieser Erhebun drehen kann, wie man will. Da werden Mordraten mit Engagement in Kriegen, Menschenrechtsverletzungen und Rüstungsstand zusammengeworfen, so dass man mit einer anderen Gewichtung dieser Faktoren, die eigentlich nicht vergleichbar sind, fast jedes beliebige Ergebnis erzielen könnte. Selbst wenn man dieses Problem durch eine finanzielle Bewertung zu umgehen versucht, ist doch die Anzahl der Fehlerquellen größer, als die Erkenntnis.
irgendwer_bln 08.06.2010
4. Dennoch eine Schelle...
...für die ach so liberale Schweiz - Platz 18 ! Wieso diese so tief angesiedelt sind, interessiert mich. Der kalte Krieg mit Lybien spielt da bestimmt eine Rolle. :-D
Schäfer 08.06.2010
5. überflüssig
Zitat von SocialPlannerHerrlich, da haben wieder mal ein paar kluge Leute einen Index ohne Aussagekraft geschaffen. Jedem, der auch nur die geringste Ahnung von Statistik hat, sticht doch ins Auge, dass man das Ergebnis dieser Erhebun drehen kann, wie man will. Da werden Mordraten mit Engagement in Kriegen, Menschenrechtsverletzungen und Rüstungsstand zusammengeworfen, so dass man mit einer anderen Gewichtung dieser Faktoren, die eigentlich nicht vergleichbar sind, fast jedes beliebige Ergebnis erzielen könnte. Selbst wenn man dieses Problem durch eine finanzielle Bewertung zu umgehen versucht, ist doch die Anzahl der Fehlerquellen größer, als die Erkenntnis.
Ich habe erwartet, aus dem Index die Sicherheit für Ausländer vor Kriminalität herauslesen zu können. Das ist bei dem Kriterienmix praktisch nicht möglich. Dass sie mit dem Index nur entfernt korreliert, erkennt man leicht an den Bewertungen Guatemalas, Bosniens, Marokkos, Ruandas, Sierra Leones (zu hoch) oder Argentiniens (zu niedrig). Darüberhinaus sind Schlüsse auf mögliche Kosten der Wirtschaft aus einem solchen Index blanker Hohn. Dazu ist das Kriteriensammelsurium zu klein. Dazu gehören noch mindestens Verkehrsinfrastruktur und lokale Steuern. Aus solche Studien zu verzichten, wäre eine Möglichkeit der Ersparnis, die niemandem wehtut.
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