Studie Immer mehr Wohlhabende sorgen sich um Reichtum

Auch Reiche haben materielle Sorgen. Die meisten haben Angst vor dem sozialen Abstieg, zeigt eine Studie. Beamte hingegen sorgen sich in Sachen Geldfragen am wenigsten.

Millionärin Schickedanz: Angst vor dem sozialen Abstieg
dpa

Millionärin Schickedanz: Angst vor dem sozialen Abstieg


Berlin - Es ist erst wenige Wochen her, da sorgte Madeleine Schickedanz für Aufregung. In aller Öffentlichkeit tat die mehrfache Millionärin ihre Ängste kund: Bei einer Total-Pleite des Reise- und Warenhauskonzerns Arcandor könne sie als Großaktionärin alles verlieren. Schon heute lebe sie nur noch von wenigen hundert Euro im Monat.

Dass ausgerechnet eine Millionärin solche Aussagen macht, stößt bei vielen auf Unverständnis. Doch offenbar steht Madeleine Schickedanz mit ihren Ängsten nicht allein da. Die meisten wohlhabenden Deutschen sorgen sich um ihren Reichtum, ergab jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Während sechs Prozent aller Deutschen als reich gelten, sieht sich nur ein Prozent der Bevölkerung frei von materiellen Sorgen. Von den berufstätigen "sorgenfreien Reichen" arbeite mehr als die Hälfte (53 Prozent) als Beamte im öffentlichen Dienst, meist in leitenden Positionen.

Die Studie basiert auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer seit 25 Jahren laufenden Wiederholungsbefragung von mehr als 20.000 Menschen.

Die typischen Wohlhabenden ohne Sorgen seien demnach älter, lebten zu zweit ohne Kinder in einem Eigenheim in westdeutschen Bundesländern. Sie verdienten mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Nettoeinkommens pro Haushalt, das aktuell bei 2600 Euro liegt. Zudem besäßen sie etwa sechs- bis siebenmal mehr Vermögen als der Durchschnittsdeutsche. Es handle sich um eine hoch privilegierte Gruppe, "die sich von den besorgten Reichen vor allem durch ihre bevorzugte berufliche Stellung unterscheidet", sagte Olaf Groh-Samberg, Autor der Studie.

So gebe es eine relativ große Zahl Selbstständiger und mittlerer Angestellten unter den Wohlhabenden. Nur sechs Prozent von ihnen seien beamtet. "Dass bei Personen, die nicht beamtet sind, auch unter den Reichen die finanziellen Sorgen zunehmen, spiegelt die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit wider", sagte der Sozialwissenschaftler. "Obwohl es mehr Reiche als vor zehn Jahren gibt, sind immer weniger Personen frei von Sorgen um ihre finanzielle Lage."

yes/AFP

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insgesamt 46 Beiträge
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treczoks 26.08.2009
1. Interessant
Von den "berufstätigen sorgenfreien Reichen" sind 53% Beamte. Wann hört endlich das Gejammere auf, Beamte wären viel schlechter gestellt als Leute in der freien Wirtschaft? Ach ja, das sind die in den "höheren Positionen", also die, die keine Ahnung haben von ihren Ressort, und deswegen Gesetzesentwürfe von Lobbyistengruppen und Anwaltskanzleien entwerfen lassen....
ellge 26.08.2009
2. Pensionen
Zitat von sysopAuch Reiche haben materielle Sorgen. Die meisten haben Angst vor dem sozialen Abstieg, zeigt eine Studie. Beamte hingegen sorgen sich in Sachen Geldfragen am wenigsten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,645178,00.html
Ich war vor kurzem auf einer Kreuzfahrt (Kosten summa sumarum 350 Euro pro Tag und Nase), die ich als Rentner nicht aus meinen lächerlichen Bezügen nach über vierzig Jahren Beitragszahlung an die Rentenversicherung sondern aus Ersparnissen finanziert habe. Ich wähnte mich auf einem Betriebsausflug des Deutschen Beamtenbundes. Diese Kaste erzeugt das Image vom reichen Ruheständler.
Carguy 27.08.2009
3. Neidkampagne
Dass man Leute, die früher als besserverdienend oder als Wohlhabende bezeichnet wurden, heute mit dem Label "Reiche" stigmatisiert und entwertend aufgewertet werden, hat System in diesem Land. Es ist nur ein weiterer, in breitere Bevölkerungsschichten hinein zielender Ansatz, Restteile der Bürger in dem aufkommenden sozialistischen Einheitsstaat zu brandmarken und zur Ausplünderung durch den Staat freizuschießen. Für die "Reichen" kann man dann die Vermögenssteuer fordern und einführen, die Erbschaftssteuer erhöhen usw. Der undifferenzierte Begriff "Reiche" bildet die idealen Nährboden für unsere Neidkultur, an dem sich das rotgrüne Dreigestirn (Linke,SPD,Grüne) ja intensiv abarbeitet. Aber vielleicht ist diese Gruppe demnächst weg, entweder im Ausland oder 'verarmt'. Dann sind wieder alle gleich und Deutschland kann als "DDR 2.0" firmieren. Die Beamten und Funktionäre sind natürlich gleicher versteht sich.
sam clemens, 27.08.2009
4. ?
Selbstverständlich haben "Reiche" finanzielle Sorgen! Wenn sie keine Pfennigfuchser wären, würden sie auch nicht reich sein (von den Erben mal abgesehen). Die Sorge gönne ich ihnen. "Friede den Hütten ..." - den Rest kennen sie ja.
Hador, 27.08.2009
5. Nein Kein Titel Verdammt Nochmal!!!
Zitat von sysopAuch Reiche haben materielle Sorgen. Die meisten haben Angst vor dem sozialen Abstieg, zeigt eine Studie. Beamte hingegen sorgen sich in Sachen Geldfragen am wenigsten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,645178,00.html
Die tun mir jetzt aber echt leid...
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